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Wie Unternehmen sich bei Bewerbern unbeliebt machen

Schlecht geführte Bewerbungsgespräche gehören zu den
Schlecht geführte Bewerbungsgespräche gehören zu den “Big Failures” von Unternehmen beim Recruiting.
Foto: © Di Studio/Fotolia.de

Eine schlechte Unternehmenspräsentation ist aus Sicht der Jobsuchenden mit 80 Prozent der meistgenannte “Big Failure”. Dicht darauf mit 75 Prozent folgt eine falsche Ansprache der Kandidaten. Schlechtes Bewerbermanagement und unprofessionelles Auftreten im Bewerbungsgespräch stehen mit 50 Prozent an dritter Stelle der Fehler, die Unternehmen bei der Rekrutierung unterlaufen.

Der erste Eindruck zählt auch für Arbeitgeber

Bei der Unternehmenspräsentation liegt die größte Fehlerquelle bei den Inhalten, mit denen sich die Arbeitgeber bei Kandidaten vorstellen. Rund 80 Prozent der von Bewerbern genannten Fehler betreffen Aspekte wie Unehrlichkeit, Oberflächlichkeit, übertriebene oder falsche Aussagen sowie die unpassende Ansprache. Der am zweithäufigsten genannte Fehler betrifft das “Äußere”, das generelle Design des Unternehmensauftritts sowie der Karriere-Website, wobei auch die Übersichtlichkeit wichtig ist. An dritter Stelle der Mängel der Unternehmenspräsentation steht eine schlechte oder nicht funktionierende Technik. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studienreihe des Karriereportals > Monster in Zusammenarbeit mit dem Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg. Über 4800 Jobsuchende und Karriereinteressierte wurden dazu befragt, welche großen Fehler Unternehmen bei der Rekrutierung machen.

Fehlende oder Standard-Feedbacks kommen nicht gut an

Im Prozess des Bewerbungseingangs und Bewerbermanagements liegen die nächsten möglichen Fehlerquellen. Hier passieren die meisten Fehler bei der Rückmeldung der Unternehmen an die Bewerber. Knapp 75 Prozent der befragten Jobsuchenden bemängeln fehlendes Feedback, hinhaltende Antworten oder lange Wartezeiten sowie veraltete oder überhaupt fehlende Rückmeldungen. Laut Studienleiter Prof. Dr. Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Bamberg erwarten vor allem junge Kandidaten eine zügige Antwort – und nicht in Form einer Standard-E-Mail. Der Inhalt der Rückmeldungen steht mit rund 25 Prozent an zweiter Stelle der Big Failures: Die fehlende Angabe von Gründen zur Absage, generell zu wenige Informationen und standardisierte oder nichtssagende Antworten kommen bei Bewerbern gar nicht gut an. Der dritthäufigste Mangel ist auch in dieser Phase eine schlecht oder nicht funktionierende Technik, zum Beispiel die Online-Formulare für Bewerbungen betreffend.

Weiterer Minuspunkt: Voreingenommenheit

Auch bei den letzten Schritten des Rekrutierungsprozesses, der Auswahl der Bewerber und dem Bewerbungsgespräch, identifizieren die Befragten große Fehler. Bei der Bewerberauswahl gehört etwa die Sorge dazu, dass Unternehmen einen passenden Mitarbeiter nicht in Betracht ziehen, weil er als Quereinsteiger durch zu eng gesetzte Raster fällt. Nur 36 Prozent der Jobsuchenden halten die Chancen von Quereinsteigern für einen Job für gut. Durch geänderte Prozesse könnten Unternehmen diese Ressource besser nutzen, sagt Weitzel, zumal 40,7 Prozent von ihnen selbst sagten selber, dass Quereinsteiger in Zukunft eine wichtige Rolle spielen würden.

Schlechte Gesprächsführung schreckt Kandidaten ab

Schließlich ist auch das Bewerbungsgespräch eine von Unternehmen häufig unterschätzte Fehlerquelle. Circa 60 Prozent der Jobsuchenden haben schon einmal ein Angebot aufgrund ihrer Eindrücke im Einstellungsgespräch abgelehnt. Bemängelt werden hier zum Beispiel unprofessionelles Auftreten der Personaler, schlechte Organisation oder Unpünktlichkeit. Dicht darauf folgt der Inhalt der Bewerbungsgespräche: Vier von zehn Nennungen zeigen, dass Jobsuchende oberflächliche, ungenaue oder zu technische Gespräche als eher unangemessen empfinden. Auch die fehlende Flexibilität im Einstellungsgespräch wird negativ bewertet, wenn Unternehmen beispielsweise keine Telefongespräche anbieten und auf der Anwesenheit des Bewerbers vor Ort bestehen.