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Zahl der Leiharbeitnehmer steigt weiter

Im Juni 2016 waren 932.000 Leiharbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Rechnet man das gut eine Prozent hinzu, das ausschließlich als geringfügig Beschäftigte in der Zeitarbeit tätig war, zählt die Bundesagentur für Arbeit 1,006 Millionen Zeitarbeitnehmer. Die Anzahl der Arbeitnehmerüberlassungen ist wie im Vorjahr um rund fünf Prozent gewachsen. Allerdings haben von den aktuell 52.200 Betrieben der Zeitarbeitsbranche nur 11.300 den Schwerpunkt Arbeitnehmerüberlassung. Bei den anderen handelt es sich um sogenannte Mischbetriebe.

Die Zeitarbeitsbranche ist nach wie von hoher Dynamik geprägt. Im ersten Halbjahr 2016 wurden 678.000 Beschäftigungsverhältnisse neu abgeschlossen und 616.000 beendet. Gut jeder Fünfte neue Leiharbeitnehmer war zuvor ein Jahr oder länger ohne Arbeit oder noch nie zuvor beschäftigt.

Welche Branchen setzen die meisten Zeitarbeitskräfte ein?

Knapp 30 Prozent Zeitarbeitnehmer sind im Bereich Verkehr, Logistik, Sicherheit und Reinigung beschäftigt. 28 Prozent arbeiten im Bereich Metall und Elektro sowie 13 Prozent in übrigen Fertigungsberufen und der Landwirtschaft. Jeweils acht Prozent der Leiharbeitnehmer arbeiten im Bereich Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht, Verwaltung bzw. in Berufen in Gesundheit, Soziales, Erziehung und Kultur. Die wenigsten Zeitarbeiter gab es im Bereich Bau, Architektur, Naturwissenschaften, Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb und Tourismus.

Relativ gesehen wuchs die Zahl der teilzeitbeschäftigten Zeitarbeitnehmer stärker als die der Vollzeitbeschäftigten. Dies entspricht aber auch dem Trend bei allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Qualifikationsniveau: Anerkannter Berufsabschluss die Regel

Bei den Zeitarbeitnehmern ist der Anteil der Personen ohne Berufsabschluss mit 27 Prozent deutlich höher als der entsprechende Anteil von 15 Prozent bei allen Beschäftigten. Dagegen ist der Akademikeranteil in der Zeitarbeit mit 9 Prozent unterdurchschnittlich. Der Anteil der Beschäftigten mit einem anerkannten Berufsabschluss unterscheiden sich nur wenig (Leiharbeitnehmer: 64 Prozent; insgesamt: 69 Prozent).

Den Qualifikationen entsprechend arbeiten Leiharbeitnehmer häufiger in Tätigkeiten, die mit einem niedrigeren Anforderungsniveau verbunden sind. Mehr als jeder Zweite übte im Juni 2016 eine Helfertätigkeit aus. Demgegenüber sind hochqualifizierte Tätigkeiten in der Zeitarbeitsbranche seltener vertreten: Während unter allen Beschäftigten jeweils 12 Prozent eine Experten- oder eine Spezialistentätigkeit ausüben, beläuft sich dieser Anteil in der  Arbeitnehmerüberlassung auf rund 4,5 Prozent.

Alter, Nationalität und Einsatzdauer

Leiharbeitnehmer sind überwiegend jung. Während ein Drittel aller
Beschäftigten jünger als 35 Jahre ist, findet sich fast die Hälfte der
Zeitarbeitnehmer in dieser Altersgruppe wieder. Mehr als jeder vierte Leiharbeitnehmer hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren gestiegen und mehr als doppelt so hoch wie bei den Beschäftigten insgesamt. Dort liegt der Ausländeranteil bei zehn Prozent.  Im Juni 2016 waren zwei Prozent aller beschäftigten Deutschen und 7 Prozent aller beschäftigten Ausländer als Leiharbeitnehmer tätig.

Von den 616.000 im ersten Halbjahr 2016 beendeten Zeitarbeitsverhältnissen dauerten 15 Prozent mindestens 18 Monate, 13 Prozent dauerten zwischen 9 und 18 Monaten. Nach weniger als einem Monat endeten zuletzt 29 Prozent  aller Leiharbeitsverhältnisse, 19 Prozent wurden in einem Zeitraum von einem bis drei Monaten beendet.

Leiharbeitnehmer finden nach Ende einer Tätigkeit in der Zeitarbeit vielfach schnell wieder einen Arbeitsplatz. Knapp drei Monate danach waren 64 Prozent (erneut) in Beschäftigung, und zwar überwiegend außerhalb der Zeitarbeit.
Das Risiko, aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung heraus arbeitslos zu werden, ist allerdings in der Arbeitnehmerüberlassung überdurchschnittlich hoch.

Gründe für geringere Entlohnung

Die Gehälter von Zeitarbeitnehmern sind im Vergleich zu Beschäftigten anderer Branchen unterdurchschnittlich. Sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte anderer Branchen erhielten im Jahr 2015 im Mittel ein monatliches Bruttoarbeitsentgelt von 3.084 Euro. Der mittlere Verdienst der Leiharbeitnehmer war mit 1.799 Euro um 42 Prozent niedriger.
Allerdings muss bei Entgeltvergleichen beachtet werden, dass sich Zeitarbeitnehmer und Beschäftigte in anderen Branchen teils erheblich voneinander unterscheiden, beispielsweise in ihren soziodemographischen Eigenschaften oder in der Stabilität ihrer individuellen Erwerbsbiographien. Ein einfacher Vergleich der mittleren Bruttoarbeitsentgelte greift daher zu kurz und dient nur als erster Anhaltspunkt. Berücksichtigt man zusätzlich die systematischen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, verringert sich die Lohndifferenz deutlich. (cs)