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Kommunale Unternehmen: Weiter wenig Top-Managerinnen

Weibliche Karriere in Unternehmen der öffentlichen Hand
In Unternehmen der öffentlichen Hand schaffen es verhältnismäßig wenige Frauen an die Spitze. Foto: © Feodora-stock.adobe.com

Wie in der Privatwirtschaft wird das Top-Management hierzulande auch im öffentlichen Sektor von Männern dominiert. In den letzten drei Jahren hat sich insgesamt so gut wie keine Veränderung ergeben. Das geht aus der Studie “Repräsentation von Frauen im Top-Management
öffentlicher Unternehmen: Ein deutschlandweiter Städtevergleich” der
Zeppelin Universität (ZU) in Kooperation mit der Personalberatung ZFM
hervor. Für die Untersuchung wurden im März und April dieses Jahres die
Daten von 1.466 Unternehmen aus 20 Branchen, an denen die öffentliche
Hand beteiligt ist, in 69 Städten mit 2.165 Führungskräften daraufhin
ausgewertet, wie viele Frauen in leitenden Organen wie Geschäftsführung,
Geschäftsleitung und Vorstand vertreten sind. Erstmals wurden auch
öffentliche Unternehmen der Bundes- und Landesebene in die Studie
einbezogen.

Nur 13,8 Prozent der Neubesetzungen sind weiblich

Die Studie zeigt: Ob in Krankenhäusern, der Abfallwirtschaft, Messen, dem öffentlichen Personennahverkehr, Sozialeinrichtungen oder bei den Stadtwerken, auch dieses Jahr wurden frei werdende Spitzenpositionen in öffentlichen Unternehmen überwiegend mit Männern neu besetzt. Nur in 13,8 Prozent der Vakanzen trat eine Frau an die Stelle ihres männlichen Vorgängers. Damit ist der Anteil von Frauen im Top-Management dieser Organisationen seit 2018 um 0,2 Prozent gesunken.

Im Osten sind Frauen weiterhin stärker an der Spitze vertreten

Interessant ist, dass die Entwicklung weiblicher Präsenz in höheren Positionen öffentlicher Unternehmen je nach Stadt unterschiedlich verläuft und zwar nach dem gleichen Muster wie seit drei Jahren. So stehen wie auch zuvor die Städte ostdeutscher Bundesländer vorn: Mit 26,7 Prozent verzeichnen die Städte in Thüringen den höchsten Anteil weiblicher Spitzenkräfte, gefolgt von denen in Mecklenburg-Vorpommern mit 25,9 Prozent, Sachsen mit 22,9 Prozent und Brandenburg mit 22,4 Prozent. Bei den Stadtstaaten liegt allerdings Berlin mit einem Frauenanteil von 35,7 Prozent noch weiter oben und auch Bremen mit 24,3 Prozent Frauen im Top-Management befindet sich auf den vordersten Plätzen. Auf den letzten Rängen liegen die Städte der westlichen Bundesländer Rheinland-Pfalz mit 10,4 Prozent, Schleswig-Holstein mit 10,6 Prozent und Niedersachen mit 11,8 Prozent.

In der Debatte um eine verantwortungsvolle Unternehmensführung beziehungsweise Public Corporate Governance und gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen wird öffentlichen Unternehmen eine Vorbildfunktion zugewiesen,

kommentiert Ulf Papenfuß, Inhaber des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy an der ZU, die Studienergebnisse. Es gebe genügend Kandidatinnen auf dem Markt, die die erforderlichen Erfahrungen und Qualifikationen mitbringen, gefragt seien nach wie vor die Aufsichtsgremien, sagt Edmund Mastiaux, ZFM-Geschäftsführer. Er rät Unternehmen der öffentlichen Hand, geeignete Kandidatinnen aktiv anzusprechen und zu ermutigen, ihre Managementfähigkeiten in den entsprechenden Auswahlverfahren unter Beweis zu stellen. Allerdings müssten die Arbeitgeber attraktiver werden und in ihren Chefetagen zum Beispiel vermehrt flexible Arbeitszeitformen etablieren, so Mastiaux.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.