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Corona-Krise: Personalbedarf steigt wieder

Aufschwung nach der Krise?
Im Herbst des zweiten Krisenjahrs nimmt die Anzahl der Stellenangebote wieder zu. Foto: © Thomas Reimer -stock.adobe.com

Der Arbeitsmarkt hierzulande befindet sich wieder im Aufschwung, fällt jedoch je nach Berufsgruppe unterschiedlich aus. Während etwa in der Logistik ein deutliches Plus an offenen Stellen vorhanden ist, sieht es ausgerechnet in einem anderen wichtigen Industriezweig anders aus.

Zuletzt verbuchte der hiesige Arbeitsmarkt aufgrund der Corona-Krise einen Verlust an Stellenangeboten von immerhin 21 Prozent. Inzwischen gibt es wieder einen deutlichen Zuwachs: Zum Stichdatum 22. Oktober dieses Jahres verzeichnete die Jobseite Indeed für Deutschland 39,4 Prozent mehr Stellenanzeigen als am 1. Februar 2020, wie eine Auswertung durch das Indeed Hiring Lab zeigt.

Größter Jobzuwachs in Lebensmittel- und Gastronomiebranche

Überdurchschnittlich stark mit 70,2 Prozent nahm das Stellenangebot in der Lebensmittelzubereitung, -herstellung- und -verarbeitung, im Lebensmittelverkauf und in der Gastronomie zu – in den letzten vier Wochen vor der Analyse lag der Zuwachs bei 9,7 Prozent. Vor allem in der Gastronomie waren in der Krise viele Beschäftigte in andere Jobs abgewandert, die nun fehlen. Gleich auf dem zweiten Platz befinden sich Berufe im HR-Bereich mit einem Anstieg von 65,6 Prozent seit Krisenbeginn und zuletzt 10,1 Prozent. Besonders gesucht werden Recruiter: Für diese erhöhte sich die Zahl der Jobinserate seit August 2020 um 170 Prozent. Ebenfalls überdurchschnittlich mit einem Plus von 64,4 Prozent schneiden Stellenangebote für Arbeitskräfte in Transport, Lagerhaltung und Logistik ab – bedingt durch vermehrte Online-Bestellungen von Waren und Speisen.

Anzahl der Stellen im Maschinenbau steigt unterdurchschnittlich

In etwa im Gesamtdurchschnitt liegt die Entwicklung der Jobinserate für Berufe in Management (42,3 Prozent), Medizintechnik (39,9 Prozent) und IT-Support (39,7 Prozent). Bei einigen Tätigkeiten fiel der Trend jedoch unterdurchschnittlich aus. Stellenangebote in Büro und Verwaltung nahmen nur um 27 Prozent zu, im Rechtswesen lag die Erhöhung bei 20,7 Prozent und im Maschinenbau – eines der deutschen Aushängeschilder – lediglich bei 14,1 Prozent.

IAB-Befragung: Logistikbranche bei Mitarbeiterbedarf vorn

Eine Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vom dritten Quartal dieses Jahres kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Zahl der offenen Stellen wieder erheblich zugenommen hat. In die Untersuchung, die auch Stellen einbezieht, die die Arbeitsagenturen nicht melden, flossen Angaben von rund 8.300 Unternehmen ein.

Danach ist die Zahl der Vakanzen im dritten Quartal 2021 gegenüber dem zweiten Quartal um 19 Prozent und gegenüber dem dritten Quartal 2020 um 43 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum dritten Quartal 2019, also vor der Corona-Krise, nahmen die offenen Stellen um drei Prozent zu. Laut dieser Erhebung liegt der Logistikbereich vorn: Die Anzahl der Jobangebote erhöhte sich vom zweiten bis zum dritten Quartal dieses Jahres um 41 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe beträgt der Zuwachs zum Vorquartal zehn Prozent und gegenüber dem dritten Quartal 2019 sogar 32 Prozent. In der Informations- und Kommunikationsbranche sowie bei den unternehmensnahen Dienstleistungen wurden im dritten Quartal 2021 20 Prozent mehr Stellen ausgeschrieben als in den drei Monaten zuvor. Mit einem Plus von zwölf Prozent fiel der Anstieg nur bei den sonstigen Dienstleistungen geringer aus.

Trotz der positiven Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts sollte nicht vergessen werden, dass eine große Insolvenzwelle, die unter anderem große Kreditversicherer erwarten, noch bevorstehen könnte. Sie würde wohl zahlreiche Jobs vernichten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.