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Studenten in der Zeitarbeit

Foto: © Zoran Zeremski – stock.adobe.com
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Kurzarbeit auf der einen Seite, Firmen, die sich vor Arbeit nicht retten können, auf der anderen. Die Corona-Krise wirbelt den Arbeitsmarkt ganz schön durcheinander. Viele jener Betriebe, die gerade in der Anfangszeit der Pandemie einen erhöhten Bedarf an Arbeitskräften hatten – wie Lebensmittelgeschäfte, Baumärkte und Logistikunternehmen – haben in der Ausnahmesituation Mitte/Ende März insbesondere auf einen Personenkreis gesetzt: Studenten.   

“Für Verkaufshilfen im Lebensmittelhandel und für Warenverräumer ist der Bedarf unserer Kundenunternehmen am Anfang der Corona-Krise um 400 Prozent gestiegen”, bestätigt Eckhard Köhn, CEO bei Studitemps. Der Dienstleister ist vom rechtlichen Konstrukt her ein klassisches Zeitarbeitsunternehmen, konzentriert sich aber ausschließlich auf Studierende. Ein Geschäftsmodell, dass nicht nur in Krisenzeiten funktioniert. “Konjunkturschwankungen nehmen in der Wirtschaftswelt zu – sei es im Einzelhandel mit herausragenden Spitzen im Weihnachtsgeschäft, bei Bus und Bahn sowie in Gastronomie und Hotellerie an langen Wochenenden oder in weiteren Branchen wegen bestimmter Anlässe.

Optimal für Kurzzeit-Jobs

Da sind flexible Arbeitskräfte gefragt, die schnell einspringen und in diesen Zeiten aushelfen können”, sagt Köhn. Studenten sind nach seiner Überzeugung für diesen Zweck das ideale Klientel: “Die jungen Leute haben in der Regel eine gute Auffassungsgabe, sind schnell und dynamisch sowie kommunikationsstark und können somit schnell eingearbeitet werden.” Hinzu kommt: Sie haben keine Erwartungen, eine feste Anstellung zu erhalten. “Anders als bei klassischen Zeitarbeitnehmern, die in der Regel auf einen festen Job hoffen, können die Unternehmen – technisch gesprochen – den Personalkörper ein- und ohne schlechtes Gewissen wieder ausatmen”, so Köhn.

“Weil sie nicht auf der Suche nach einer festen Anstellung sind, gehen Studenten viel lockerer als andere Arbeitnehmer mit dem Thema befristete Beschäftigung um”,

ist auch die Erfahrung von Gabriele Heuschmid, Personalleiterin, und Jörg Augstein, Leiter Vertriebsinnendienst bei der Teba GmbH & Co. KG. Der Duisburger Hersteller von Sicht- und Sonnenschutz arbeitet seit rund vier Jahren mit Studitemps zusammen, um seine unterjährige saisonale erhöhte Auftragslage von April bis Ende August zu bearbeiten. “Wir haben gemerkt, dass wir die für diese Monate benötigten Kapazitäten in unserem Vertriebsinnendienst, in der Finanz-Sachbearbeitung und im Marketing nicht durchgängig mit Mitarbeitern von klassischen Personaldienstleistern besetzen können”, erläutern Heuschmid und Augstein. Ihrer Meinung nach muss man immer differenziert betrachten: Was will man erreichen und was kann man den Mitarbeitern entsprechend anbieten? Was gibt es für Arbeitszeitmodelle? Und welches davon passt am besten beziehungsweise wo steigt man ein?

“Der Einsatz von Studenten ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten”, sagen sie: “Wir brauchen Aushilfen für eine begrenzte Zeit, den Studenten wiederum geht es darum, ihr Studium zu finanzieren.” Ein pragmatischer Ansatz also, der passt. Das Vermittlungsprozedere ist dabei einfach: “Wir geben das Qualifikations-Anforderungsprofil an Studitemps durch, und Studitemps spielt uns passende Studentenprofile zurück. Danach erfolgt noch ein kurzes persönliches Kennenlernen”, schildert Augstein.

Auch ein Recruiting-Instrument

Gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Studenten hat auch die Firma Dräger gemacht. Der Hersteller von Produkten der Medizin und Sicherheitstechnik benötigt immer wieder Sicherheitspersonal für kurzfristige Kundenprojekte. Mit dem Einsatz von Studenten in Zeitarbeit konnte er bislang seine Personalverfügbarkeit um circa 100 Personen pro Saison erhöhen. Dräger profitiert davon, dass der Bekanntheitsgrad des Unternehmens bei den Studierenden und damit potenziellen Arbeitnehmern gewachsen ist. “Im Hinblick auf den fortschreitenden Fachkräftemangel ist Zeitarbeit mit Studenten eine gute Möglichkeit, um Nachwuchskräfte zu gewinnen”, greift Eckhard Köhn diesen Aspekt auf. Laut der Studienreihe “Fachkraft 2030”, die Studitemps gemeinsam mit der Uni Maastricht durchführt und bislang 300 000 Studenten an 480 deutschen Hochschulen befragt hat, können sich 68 Prozent der Studenten vorstellen, für das Unternehmen, bei dem sie während ihrer Studienzeit jobben, später als Fach- oder Führungskraft zu arbeiten. “Die Unternehmen sollten versuchen, das zu nutzen, die eingesetzten Studenten besser kennenlernen, das Gespräch mit ihnen suchen und ihnen frühzeitig die Möglichkeiten eines späteren Einstiegs in das Unternehmen aufzeigen”, rät Köhn. Wichtig dafür sei natürlich die richtige Haltung den Studenten gegenüber:

“Wer sie als bloße Aushilfen betrachtet, wird keinen Erfolg haben”,

so Köhn.

Einfaches Handling dank Digital-Lösung

Während das Auftragsvolumen der einzelnen Kunden bei Studitemps relativ groß ist und der Einsatz der Studenten in der Regel mindestens zwei, drei Wochen umfasst, nimmt der Personaldienstleister Zenjob auch kleinere Aufträge an. Allerdings ist das Portfolio klar eingegrenzt: Es umfasst einfache Hilfstätigkeiten für den Einzelhandel, für Gastro und Hotellerie sowie für Lager und Logistik. Die Vermittlung findet dabei digital statt, das heißt, Unternehmen können über ein Buchungsportal studentische Aushilfskräfte anfordern. Dadurch ist laut Lena-Sophie Satter, Teamleiterin Recruiting bei der Gries Deco Company GmbH, ein schnelles und einfaches Handling möglich. “Vor allem während des Weihnachtsgeschäftes haben wir verstärkten Personalbedarf für unsere Depot-Filialen und stellen selbst befristete Aushilfen ein. Es kommt aber immer wieder zu kurzfristigen Ausfällen, für die wir dann auf Zenjob zurückgreifen”, berichtet Satter. Durch das Buchungsportal von Zenjob müsse sie keinen Telefonhörer mehr in die Hand nehmen, sondern könne direkt im System ihre Aufträge einspeisen. “Das funktioniert im Prinzip wie bei einem Dispositions-Tool. Ich habe vorab unsere verschiedenen Standorte im System angelegt und gebe dann ein, für welche Filiale ich wann und wie lange welche Tätigkeiten benötige. Die Studenten finden die von mir im Portal eingegebenen Informationen in der Zenjob-App und können sich darauf bewerben.”

Ein neuer Markt

Nach Erfahrung der Recruiterin können klassische Zeitarbeitsfirmen nicht in der geforderten Kurzfristigkeit Personal liefern. “Oft muss der Einsatz von einen auf den anderen Tag erfolgen”, sagt sie. Auch für die Länge der Jobs habe sie bei den herkömmlichen Dienstleistern in der Regel keine Vermittlungschance.

“Der Großteil der klassischen Zeitarbeitsfirmen ist auf Personalüberlassungen ab einem Monat spezialisiert”,

ordnet Max Ferdinand Kunz den Markt erläuternd ein. Um unter anderem auch für kürzere Einsätze eine rechtssichere Lösung zu bieten, hat er vor rund sechs Jahren gemeinsam mit Pascal Klein die Instaff & Jobs GmbH gegründet. Wie auch Studitemps und Zenjob will Kunz mit seinem Unternehmen flexible Kurzzeit-Jobs bieten. Dabei hat er jedoch nicht ausschließlich Studenten im Fokus, sondern zum Beispiel auch junge Mütter oder Rentner, die sich – zeitlich flexibel – hin und wieder etwas hinzuverdienen wollen. Das Vermittlungsprozedere läuft ähnlich wie bei Zenjob über eine Plattform. Nach dem Worten von Kunz werden die Unternehmen aber stärker dazu ermächtigt, die benötigten Arbeitskräfte selbst auszuwählen. “Nachdem wir unseren Kunden Personen für die gesuchte Tätigkeit vorgeschlagen haben, können sie mit diesen bei Bedarf über eine Chatfunktion in Kontakt treten, um weitere Details abzuklopfen. Danach entscheiden sie selbst, mit wem sie zusammenarbeiten wollen”, berichtet er.

Angebot noch überschaubar

Gemeinsam haben Instaff, Zenjob und Studitemps, dass sie ausschließlich beziehungsweise vorwiegend studentische Aushilfen für den Blue-Collar-Bereich vermitteln. Demgegenüber besetzt der schwedische Personaldienstleister Academic Work auch White-Collar-Positionen für Unternehmen mit Studenten. “Hier in Deutschland haben wir – neben der Vermittlung von Hochschulabsolventen mit bis zu fünf Berufsjahren – einen Fokus auf spezialisierte Tätigkeiten für junge Leute, die sich noch im Studium befinden – zum Beispiel für den Einkauf, für Engineering oder IT-Programmierung”, berichtet Tobias Schlotterbeck. Laut dem Head of Operations von Academic Work in Deutschland ist der Anspruch der Studenten hinsichtlich eines qualifizierten Jobs während der Studienzeit gestiegen.

“Unternehmen profitieren von dieser Entwicklung, indem sie sich frisches Fachwissen von der Uni ins Haus holen können”,

sagt er. Entsprechend würde sein Unternehmen auch immer mehr Teilzeit-Jobs an Studenten vermitteln.

Gibt es Unterschiede im Detail, haben die genannten Personaldienstleister eines gemein: Sie bedienen einen Markt, den es vor einigen Jahren so noch nicht gab beziehungsweise für den noch keine Möglichkeit zur Arbeitnehmerüberlassung existierte. Noch ist das Angebot überschaubar und die Marktpositionierung der Anbieter klar zu unterscheiden. Anzunehmen, dass dies nicht so bleiben wird. So hat Studitemps bereits angekündigt, an einer digitalen Plattform zu arbeiten, um auch kleinere Aufträge annehmen zu können. Und sicherlich werden in Zukunft weitere Personaldienstleister auf den Zug aufspringen und Studentenvermittlung anbieten.

Studenten-Vermittler – die wichtigsten Anbieter

Studitemps

Der wohl bekannteste Anbieter unter den Studenten-Vermittlern. Seit 2008 auf dem Markt mit inzwischen 24 Standorten bundesweit. Durch seine Studentenjobbörse “Jobmensa” kann Studitemps auf einen Pool mit circa 13 000 neu registrierten Studenten pro Monat zurückgreifen. Der Prozess der Überlassung der Studenten läuft aber nicht digital.

https://studitemps.de

Zenjob

2015 gegründet, bietet der studentische Personaldienstleister Zenjob mittlerweile in 60 deutschen Städten seinen Service an. Der digitale Workflow steht im Vordergrund: Unternehmen nutzen ein Online-Buchungstool, die Studenten eine App.

https://zenjob.de

Academic Work

Die schwedische Personalberatung mit Büros in München, Hamburg und Stuttgart ist auf Young Professionals spezialisiert. Sie vermittelt Studenten für vorwiegend qualifizierte Aushilfstätigkeiten (white collar).

https://www.academicwork.de

InStaff & Jobs GmbH

InStaff vermittelt Personal für temporäre Aushilfsjobs von 30 Minuten bis zu drei Monaten. Die Vermittlung läuft über eine Plattform. Im Unterschied zu den anderen gelisteten Personaldienstleistern befinden sich unter den rund 50 000 Personalprofilen des Pools nicht ausschließlich Studenten.

https://www.instaff.jobs


Dieser Beitrag ist Teil des Themen-Specials „Zeitarbeit“. Mehr
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