Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Zwölf Bundesländer verlieren Absolventen

Nach dem Studium laufen Absolventen aus vielen Bundesländern weg und die Wirtschaft sieht sie nur noch von hinten. Foto: © Stefan Schurr/Fotolia.de
Nach dem Studium laufen Absolventen aus vielen Bundesländern weg und die Wirtschaft sieht sie nur noch von hinten. Foto: © Stefan Schurr/Fotolia.de

Alle 16 Bundesländer investieren in die akademische Bildung ihrer Studierenden, doch personell profitieren nur vier davon: Lediglich Hamburg, Berlin, Bayern und Baden-Württemberg haben beim erwerbsbiografischen Übergang von der Hochschule zum Beruf einen Zustrom an Absolventen zu verzeichnen.

Hamburg übt die größte Anziehung aus

Hamburg weist mit deutlichem Abstand den größten geplanten Zuzug an Absolventen auf. Dort liegt das Plus bei 159 Prozent, was bedeutet, dass auf hundert vor Ort ausgebildete Absolventen pro Altersjahrgang zusätzliche 159 aus anderen Bundesländern durch Zuzug kommen. Berlin kann sich über einen Zuwachs von 66 Prozent freuen und auch Bayern mit einer Zuwanderung von 22 Prozent sowie Baden-Württemberg mit einem Plus von Prozent stehen gut da.

Sachsen-Anhalt verliert die meisten High Potentials

Alle übrigen zwölf Länder verlieren Absolventen. Besonders gravierend ist der Verlust in Sachsen-Anhalt, dort liegt der Saldo bei minus 70 Prozent. Ebenfalls sehr ernst sieht es für Brandenburg mit minus 63 Prozent und Thüringen mit minus 59 Prozent aus. Aber auch alte Bundesländer wie Rheinland-Pfalz mit minus 47 Prozent und das Saarland mit einem Verlust von 44 Prozent sind massiv von den Abwanderungen betroffen. Es folgen Mecklenburg-Vorpommern (minus 35 Prozent), Sachsen (minus 24 Prozent), Bremen (minus 23 Prozent), Hessen (minus 20 Prozent), Schleswig-Holstein (minus 19 Prozent), Nordrhein-Westfalen (minus 14 Prozent) und Niedersachsen mit einem Verlust von elf Prozent.

Kein kurzfristiger Trend

Das zeigt eine Befragung unter 20.000 Studierenden im Rahmen der Studienreihe “Fachkraft 2020” von Studitemps.de und dem Department of Labour Economics der Maastricht University. Bedenklich aus Sicht der “Geberländer” ist, dass die Ergebnisse keinen kurzfristigen Trend widerspiegeln: In den drei ausgewerteten Erhebungen der Studienreihe seit 2013 sind es immer nur Hamburg, Berlin, Bayern und Baden-Württemberg, die einen positiven Saldo bei den Hochschulabsolventen-Wanderungen vorweisen können. Laut der Untersuchung wird sich das Ausmaß der Absolventenabwanderung in den kommenden Jahren von circa zehn Prozent in NRW über gut 25 Prozent in Sachsen bis hin zu 66 Prozent in Brandenburg erstrecken.

Migrationstendenz gilt auch für MINTler

Die Studie untersuchte auch die deutschlandinterne Migration der gefragten Absolventen der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik/Ingenieurwissenschaften. Dort sieht die Situation nicht wesentlich anders aus. Allerdings lassen sich über alle Fächer hinweg geschlechtsspezifische Unterschiede ausmachen: Bayern und Baden-Württemberg sind bei männlichen Studierenden beliebter als bei weiblichen, während es Frauen stärker nach Berlin zieht als es bei Männern der Fall ist.

Dass aus zwölf Bundesländern so viele Absolventen abwandern, liegt laut Studie daran, dass die Akademiker diesen Ländern offenbar nicht zutrauen, neben einer guten akademischen Heimat auch beruflich die richtige Wahl zu sein. Daher lässt sich dieser Trend wohl nicht ganz umkehren, doch gibt es Möglichkeiten entgegenzuwirken:

Personalverantwortliche in Unternehmen brauchen Strategien gegen diese Abwanderung,

mahnt Studitemps-Gründer und -Geschäftsführer Benjamin Roos. Die Studie zeige, dass eine frühzeitige berufliche Bindung der Studierenden sowie die Aussicht auf eine sichere Beschäftigung und ein gutes Anfangsgehalt dem Verlust an Jungakademikern entgegenwirken können. Dafür eignet sich laut der Untersuchung ein Nebenjob mit Fachbezug, der Studenten schon lange vor dem Abschluss an die Unternehmen und die Region binden könnte.

Weitere Informationen über die Studie sind > hier abrufbar.