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Die neue Art von Jobbörsen

Bild: Julien Eichinger/Fotolia.de
Bild: Julien Eichinger/Fotolia.de

Dass sich das Recruiting in den vergangenen Jahren stark verändert hat, dürfte niemandem entgangen sein. Warum das so ist, hat vielfältige Gründe – es beginnt bei der Veränderung der Demographie und endet bei den neuen Möglichkeiten, die die Digitalisierung der Arbeitsprozesse mit sich bringt. Doch ist das schon genug? Vermutlich nein, es genügt nicht, nur den bisherigen Prozess zu digitalisieren, sondern der gesamte heutige Recruiting-Prozess muss sich verändern. Frei nach dem Motto: “Wenn Sie einen schlechten Prozess digitalisieren, dann haben sie einen schlechten digitalen Prozess”.

Die Industrialisierung

Was heißt das nun konkret? Schauen wir uns einmal die historische Entwicklung an. In der Zeit der Industrialisierung haben Unternehmen vor ihren Werkstoren eine Tafel aufgestellt und hierüber kommuniziert, welche Stellen sie zu besetzen haben. Das hat damals gut funktioniert, denn zum einen gab es Bewerber im Überfluss und zum anderen arbeiteten die Menschen in der Regel an ihrem Wohnort und da war es kein Problem, im Vorbeigehen diese Tafeln zu lesen. Das ist jetzt 150 bis 180 Jahre her, aber der Grundprozess der Stellenbesetzung ist immer noch gleich geblieben.

Im 20. Jahrhundert gab es weniger Tafeln an den Fabriken, dafür wurden Stellenanzeigen in Tageszeitungen veröffentlicht. Immer noch kein Problem in Zeiten der Babyboomer, in denen man von Bewerbungen zugeschüttet wurde und als Unternehmen die Qual der Wahl hatte. Hier sind dann auch aus der Not heraus Systeme wie schriftliche Testverfahren, Assessment Center und so weiter entstanden, um schnell und effizient aus einer Vielzahl von Bewerbern die richtigen Kandidaten zu filtern. Das Ganze natürlich mit einem enormen personellen Aufwand.

Das 21. Jahrhundert

Nun sind wir im 21. Jahrhundert, die Digitalisierung ist angeblich voll im Gange und der Recruiting-Prozess wurde digitalisiert. Die Online-Jobbörsen haben die Tageszeitungen verdrängt, Karriereseiten die Tafel vor dem Werkstor, und Online-Assessments mit Gaming-Charakter oder Interviews via Internet versuchen gerade, die direkten und persönlichen Gespräche zwischen Menschen abzulösen. Und die Zukunft bringt uns Roboter, die den ganzen Prozess übernehmen und die Bewerber ausfiltern und einstellen. Somit haben wir jetzt den ganzen Prozess digitalisiert: Die Stelle erscheint automatisch auf der Karriereseite des Unternehmens, der Bewerber pflegt seine Daten, diese Daten werden automatisch mit Stellenanforderungen verglichen und nachdem irgendjemand auf den Knopf gedrückt hat, wird der Kandidat automatisch eingestellt und bekommt seinen Arbeitsvertrag.

Alles Theorie?

Soweit die graue Theorie – doch hier wurde die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn jetzt kommt urplötzlich und komplett unvorbereitet die demographische Entwicklung dazwischen und jetzt hilft der optimal designte Prozess nicht mehr weiter. Denn wir haben plötzlich zu wenige Bewerbungen und die ganzen Systeme haben nichts zu tun. Jobsuchende haben es heute nicht mehr nötig, sich bei vielen verschiedenen Karriereseiten zu bewerben, Jobsuchende haben es nicht mehr nötig, Stellenbörsen zu durchforsten und vor allem haben sie es satt, ständig von Headhuntern oder über die Social-Media-Kanäle von Recruitern angesprochen beziehungsweise angeschrieben zu werden.

Neue Möglichkeiten

Abhilfe dafür schaffen jetzt neue Jobbörsen, wie zum Beispiel unsere neu gegründete › SiiWii, die den Prozess an sich umdrehen. Es handelt sich dabei auch nicht mehr um Jobbörsen, sondern um Lebenslauf-Datenbanken. Diese ermöglichen es dem Jobsuchenden, dass er nur einmal seine gesamten Daten wie Ausbildung, Erfahrung, Wunschstelle und -konditionen angeben muss und nun aktiv vermerken kann, ob er bereit ist für eine neue Aufgabe. Auf diesen Portalen können Unternehmen keine Stellenanzeigen aufgeben – vielmehr suchen sie gezielt über detaillierte Matchingverfahren die richtigen Kandidaten. Und das Ganze natürlich anonym und somit AGG-konform.

Nun kann sich das Unternehmen bei dem Kandidaten bewerben, unter Angabe von Aufgabe, Konditionen, Leistungen et cetera. Gefällt dies dem Jobsuchenden, kann er seine Kontaktdaten freigeben und der eigentliche Einstellungsprozess kann starten. Eine neue Möglichkeit, die endlich den veränderten Gegebenheiten am Arbeitsmarkt gerecht wird.

Autor:

Thomas Eggert,

Geschäftsführer,
SiiWii GmbH
(Foto: © Photodesign Friedrich)

www.siiwii.com