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Urlaubsgeld in Deutschland – nicht jeder profitiert davon

Strand mit Liegestuhl und Schatzkiste mit Geldscheinen
44 Prozent der Deutschen bekommen Urlaubsgeld, von den Mitarbeitern mit Tarifvertrag sind es 71 Prozent.
Foto: © Carmen 56-stock.adobe.com

In tarifgebundenen Unternehmen der Privatwirtschaft erhalten hierzulande knapp drei Viertel der Mitarbeiter (71 Prozent) ein Urlaubsgeld. Von den Beschäftigten in Betrieben ohne Tarifvertrag erhält lediglich ein Drittel (34 Prozent) diese Sonderzahlung. Neben der Tarifbindung spielt die Unternehmensgröße eine wichtige Rolle: In Betrieben mit weniger als 100 Mitarbeitern erhalten 34 Prozent Urlaubsgeld, in Unternehmen mit 100 bis 500 Beschäftigten sind es knapp 50 Prozent und in Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern bekommen 61 Prozent die Gratifikation.

Mitarbeiter im Westen erhalten die Sonderzahlung häufiger als im Osten

Nach wie vor wird in Ostdeutschland mit 32 Prozent seltener Urlaubsgeld gezahlt als in Westdeutschland, wo 47 Prozent die Zahlung bekommen. Männer erhalten bundesweit mit 47 Prozent häufiger Urlaubsgeld als Frauen, von denen nur 39 Prozent davon profitieren. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Online-Befragung des Internet-Portals > Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Für die Analyse wurden die Angaben von mehr als 53 000 Beschäftigten von Anfang August 2019 bis Ende Mai 2020 ausgewertet.

Höhe des tarifvertraglichen Urlaubsgelds differiert stark nach Branchen

Die Höhe des tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldes fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus. Bei Arbeitnehmern der mittleren Vergütungsgruppe beträgt es dieses Jahr zwischen 155 und 2513 Euro. Am wenigsten bekommen Mitarbeiter in der Landwirtschaft und im Hotel- und Gaststättengewerbe, am meisten erhalten Arbeitnehmer unter anderem in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, der Metallindustrie, der Papier verarbeitenden Industrie, dem Kfz-Gewerbe, der Druckindustrie, im Versicherungsgewerbe, dem Einzelhandel, in der Bauindustrie und der Chemischen Industrie. In elf von 22 untersuchten Branchen hat sich das Urlaubsgeld gegenüber 2019 erhöht. Im Steinkohlebergbau wurde die Extrazahlung gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht, in den anderen Sektoren liegt die Erhöhung zwischen 1,0 bis 3,5 Prozent.

Sonderzahlung in Zeiten der Kurzarbeit wegen Corona besonders relevant

In der aktuellen Corona-Krise sei das Urlaubsgeld für viele Arbeitnehmer besonders wichtig, sagt Prof. Dr. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

Millionen von Beschäftigten in Kurzarbeit müssen derzeit teilweise empfindliche Einkommenseinbußen hinnehmen Vor diesem Hintergrund ist das Urlaubsgeld als Beitrag zur Stabilisierung der Einkommenssituation von großer Bedeutung,

so Schulten. In einigen Tarifbranchen wie zum Beispiel der Metall- und Elektroindustrie gebe es in diesem Jahr die Möglichkeit, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld anteilsmäßig auf die monatlichen Einkommen zu übertragen, um im Fall von Kurzarbeit ein höheres Kurzarbeitergeld zu erhalten. Problematisch sei es allerdings, dass nun einzelne Unternehmen das Urlaubsgeld streichen wollten. Dies sei zumeist nicht so einfach möglich, vor allem, wenn Mitarbeiter ein tarifvertraglich gesichertes Recht auf Urlaubsgeld hätten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.