Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Angebote revitalisieren und stärken

Fahrradfahrer
Foto: Halfpoint/stock.adobe.com

Am Anfang stand das Ziel: Brand suchte eine äußerst flexible Lösung, die sich nahtlos in die vielfältigen bereits bestehenden arbeitgeber- und arbeitnehmerfinanzierten bAV-Modelle im Unternehmen integriert. Wesentlich war dabei die Verknüpfung vorhandener Vorteile aus den laufenden Modellen mit den Benefits aus der neuen matchingbasierten Welt.

Selbstverständlich sollte es sich um ein transparentes und den Mitarbeitern leicht zu vermittelndes System handeln. Das neue Modell sollte kosten- und ressourcenschonend sein, ohne in die Bilanz einzugehen und den Benchmark für erfolgreiche mittelständische technologiegetriebene Unternehmen setzen.

Mit dieser Aufgabenstellung, die zunächst die Quadratur des Kreises zu beschreiben schien, sah sich der Bereich Personal und Recht Anfang 2016 konfrontiert. Der Bedarf an einem neuen Versorgungswerk war vor allem deswegen entstanden, da die auf zehn Jahre Laufzeit begrenzte Tranche der rein arbeitgeberseitig finanzierten Altersvorsorge Ende 2016 auslief und durch ein attraktives neues Modell ersetzt werden sollte. Im Zuge dieses Projekts wurde auch die aktuelle arbeitnehmerfinanzierte Altersvorsorge auf den Prüfstand gestellt.

Schnell kam man bei Brand zu dem übereinstimmenden Ergebnis, auch die Beteiligungsquote in der rein arbeitnehmerfinanzierten Welt wesentlich erhöhen zu wollen. Daneben sollten die Attraktivität als Arbeitgeber sowie die Mitarbeitermotivation und -bindung gestärkt beziehungsweise gesteigert werden.

Die “alte” bAV-Zusage

Den Mitarbeitern der Unternehmensgruppe wird seit den 1980er-Jahren eine arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung angeboten – in Form einer beitragsorientierten Zusage über eine Direktversicherung. Darüber hinaus konnten die Beschäftigten auch von Beginn an Entgelt umwandeln. Durch die Wahl der Direktversicherung als Durchführungsweg wurden die Beträge nie in den Bilanzen der Unternehmen ausgewiesen. Die arbeitgeberfinanzierten Versicherungspläne für die bAV wurden immer in Einzeltranchen mit jeweils zehn jähriger Laufzeit abgeschlossen. Führungskräfte und Spezialisten erhielten seither separat das weitere Angebot einer Altersrente über eine arbeitnehmerfinanzierte Unterstützungskasse.

Das neue Angebot in zwei Schritten

Im Jahr 2016 wurde in der gesamten Unternehmensgruppe zunächst die aktuelle Tranche der arbeitgeberfinanzierten Altersversorgung eingeführt. Sie sieht einige neue Parameter vor. So sind die Voraussetzungen für die Aufnahme niedriger als bislang. Auch wurde die Dynamisierung der Versorgungsleistung verbessert. Konkret werden neue Mitarbeiter heute bereits nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit in das Versorgungswerk aufgenommen. In der Vergangenheit galten dafür Fristen von drei oder fünf Jahren. Außerdem können heute alle Mitarbeiter der Gruppe in Deutschland von einer bAV profitieren. Eine weitere Neuheit ist die uneingeschränkte Portabilität. Die war bei den früheren Tranchen nicht möglich, aber jetzt in der sogenannten versicherungsrechtlichen Lösung schon. Das jetzige Modell bietet den Unternehmen die Möglichkeit, künftige Entwicklungen in der bAV durch Begrenzung der Laufzeit des arbeitgeberfinanzierten Teils (Tranchenmodell) anzupassen. Darüber hinaus steigt die Sicherheit, da es keine nachlaufenden Finanzierungspflichten und keine Notwendigkeit zum bilanziellen Ausweis der bAV-Verpflichtung gibt.

Matching-Modell eingeführt

Als gemeinsamer Baustein für die zukünftige Absicherung des Mitarbeiters soll das sogenannte Matching in besonderer Weise die Verbundenheit zwischen Mitarbeiter und Unternehmen zum Ausdruck bringen. Durch den Matching-Beitrag wird die Eigenleistung des Mitarbeiters nachhaltig wertgeschätzt und gefördert. Daher wurde im Jahr 2018 das neue Matching-Modell mit einer gemeinsamen Finanzierung durch den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber ausgerollt. Es sieht zwei Schritte vor: Im ersten Schritt wandelt der Arbeitnehmer wahlweise in Stufen von 0,5 oder einem Prozent sein beitragsfähiges Einkommen in eine Altersvorsorge um und der Arbeitgeber geht im zweiten Schritt jeweils in gleicher Höhe mit. Wenn der Arbeitnehmer mehr als ein Prozent seines Einkommens umwandelt, dann “matcht” der Arbeitgeber den Betrag oberhalb von einem Prozent nicht mehr. Das neue Modell bietet die Flexibilität für jeden Mitarbeiter, jährlich neu zu entscheiden, wie viel Entgelt er umwandeln möchte. Einen weiteren Anreiz setzte Brand im Einführungsjahr des Matching-Modells, in dem die Mitarbeiter sogar die Jahresbeiträge des Arbeitgebers für 24 Monate erhielten. Hintergrund der Maßnahme: Das neue Modell wurde für 2017 angekündigt, konnte aber erst im Jahr 2018 realisiert werden. Auch die Auszahlungsmodalitäten wurden bei der Neukonzeption der bAV attraktiver gestaltet. Heute haben die Beschäftigten neben der Möglichkeit einer Einmalzahlung auch die Option einer monatlichen Rentenauszahlung. Der Leistungsbeginn ist an das Regelrenteneintrittsalter geknüpft.

Information ist Erfolgstreiber

In der Umsetzungsphase war die ausführliche Kommunikation der Vorzüge des neuen Systems extrem wichtig. In rund 25 Informationsveranstaltungen und weit über 100 Einzelgesprächen wurden die Mitarbeiter über die neuen Möglichkeiten in Sachen bAV informiert. Bei diesen Terminen konnten die Beschäftigten ihre offenen Fragen klären. Die Informationsveranstaltungen führten dazu, dass das Verständnis für diese äußerst komplexe Materie bei vielen Mitarbeitern gewachsen ist. Die Zahl der Anmeldungen zum neuen bAV-Modell übertraf alle bisherigen Angebote seit Einführung der arbeitnehmerfinanzierten bAV in den Unternehmen im Jahr 1985 (siehe Kasten “Unterm Strich”).

Erfolgsfaktoren
  • Die Verknüpfung von Arbeitgeber- und
    Arbeitnehmerbeitrag (“Matching”) hat sich als positiv erwiesen und zu
    einer wesentlich höheren Akzeptanz als bei bisherigen Modellen geführt.
    Der grundsätzlich erhöhte Arbeitgeberbeitrag hat ebenfalls positiven
    Einfluss auf die Bereitschaft der Mitarbeiter, eine bAV-Versicherung
    abzuschließen.
  • Eine flächendeckende und verständliche Kommunikation
    ist extrem wichtig, damit Beschäftigte die Vorzüge und Chancen der bAV
    erkennen. Zeitdruck ist auf jeden Fall zu vermeiden; im Vordergrund
    sollte stehen, dass die Mitarbeiter sich umfassend informiert fühlen.
  • Es
    hat sich gezeigt, dass die richtige Wahl eines geeigneten bAV-Partners
    sehr wichtig ist, weil die passende bAV-Lösung nur nach eingehender und
    umfassender Beratung, die der hohen Komplexität des Themas gerecht wird,
    gestaltet werden kann.

Unterm Strich
  • Das Matching-Modell in der neuen bAV wurde gezielt so
    gewählt, dass die Mitarbeiter vom Plan profitieren – und nicht ein
    Dienstleister. Deshalb wurde auch der Versicherungsplan möglichst
    einfach strukturiert und somit eine attraktive Entgeltumwandlung
    geschaffen, was sich auch in der Teilnahmequote niederschlägt. Haben vor
    der Einführung des neuen Modells bei Brand lediglich 84 Mitarbeiter
    Entgelt umgewandelt, sind es jetzt 200.
  • Auch in den anderen Unternehmen verdoppelte beziehungsweise verdreifachte sich die Anzahl der Entgeltumwandler.
  • In
    den Beratungsgesprächen mit den Mitarbeitern konnten wir insgesamt
    feststellen, dass die bAV für unsere Unternehmen das passende Benefit
    ist, denn die Fluktuationsquote ist weiterhin sehr gering im
    einstelligen Bereich. Diese Loyalität bewerten wir auch als
    Wertschätzung und Anerkennung für die Fürsorge, die wir ihnen mit
    unseren bAV-Angeboten entgegenbringen.

Dieser Beitrag ist im Sonderheft „bAV“ 2020 erschienen. Sie können das gesamte Heft auf  › dieser Seite kostenfrei herunterladen.

Themen