Demografischer Wandel: Chance für die betriebliche Altersversorgung

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Die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1969, die sogenannten Babyboomer, gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, und die Zahl der Personen im Ruhestand steigt. Der demografische Wandel wird Leistungen und Finanzierung der umlagefinanzierten Sozialversicherungssysteme, vor allem der gesetzlichen Rentenversicherung, auf den Prüfstand stellen.

Auch für die betriebliche Altersversorgung (bAV) als kapitalgedecktes System ergeben sich durch den demografischen Wandel Herausforderungen, wenn auch anderer Art. Der Ruhestand der Babyboomer führt bei der bAV zu Bestandsveränderungen, die einen deutlichen Mehraufwand für die Verwaltung mit sich bringen. Das bedeutet aber auch, dass die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften steigt. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch infolge des Fachkräftemangels angespannt.

Allerdings bietet sich auch die Chance, die Position der bAV als Instrument der Alterssicherung auszubauen. Die Wertschätzung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die betriebliche Altersversorgung wird mit der absehbaren Absenkung des Leistungsniveaus der gesetzlichen Rentenversicherung steigen. Arbeitgeber werden im Wettbewerb um Fachkräfte noch attraktivere Leistungen anbieten müssen, um Mitarbeitende zu gewinnen und zu binden. Wie die WTW-Studie Differenziertes Benefitsangebot ist erfolgsentscheidend für Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden“ zeigt, können diese Ziele mit der richtigen Ausgestaltung der betrieblichen Altersversorgung erreicht werden.

Kommunikationslösungen helfen

Damit Arbeitnehmer die bAV auch als Leistung wahrnehmen, ist es erforderlich, dass sie den Wert der Leistung im Gesamtkontext ihrer persönlichen Altersversorgung einordnen können. Hier kann der Arbeitgeber unterstützen, indem er mit geeigneten Kommunikationslösungen, etwa Simulations- oder Prognosetools, nicht nur über den aktuellen und den zu erwartenden Wert der betrieblichen Altersversorgung informiert, sondern auch Hilfestellung zur Gesamtfinanzplanung zur Verfügung stellt. Zwar wird seit Jahren kontrovers unter HR-Verantwortlichen diskutiert, inwieweit Financial Education Aufgabe des Arbeitgebers ist, allerdings ist unstrittig, dass Arbeitnehmer über die notwendigen Finanzkenntnisse verfügen müssen, um den Wert der Leistungen der bAV richtig einordnen und die arbeitgeberseitigen Leistungen schätzen zu können.

Nur wenn das Gesamterlebnis „betriebliche Altersversorgung“ die Erwartungen der Arbeitnehmer erfüllt, wird es auch als wertstiftend wahrgenommen.

bAV als „Erlebnis“

Neben diesen inhaltlichen Aspekten ist es mittlerweile genauso wichtig, welches „Erlebnis“ die Arbeitnehmer mit der bAV haben. Dies umfasst alle Services rund um das Produkt von der allgemeinen über die personalisierte Information bis hin zu den Berührpunkten mit der Verwaltung während der Aufbau- und der Auszahlungsphase. Nur wenn das Gesamterlebnis „betriebliche Altersversorgung“ in allen Aspekten die Erwartungen der Arbeitnehmer erfüllt, wird es auch als wertstiftend wahrgenommen. Gerade dieser Aspekt hat in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.

Auf den Wandel vorbereitet sein

Der demografische Wandel und seine Folgen sind nicht aufzuhalten. Entscheidend für die Bewältigung der damit verbunden Herausforderungen ist es, sich darauf vorzubereiten. Dazu ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten der Folgen der demografischen Veränderungen bewusst sind. Nur so können die Einzelnen ihre Vorsorge planen beziehungsweise bereits genutzte Vorsorgeinstrumente anpassen, was immer einen längeren zeitlichen Vorlauf erfordert.

Kurzfristig müssen sich die Versorgungsträger operativ auf die demografisch bedingten Veränderungen einstellen. Der zu erwartende Mehraufwand trifft auf einen angespannten Arbeitsmarkt in Deutschland. Eine naheliegende Lösung liegt in einer beschleunigten Digitalisierung. Auch der Einsatz neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz kann bei der Bewältigung dieser Transformation helfen und sollte Teil jeder zukunftsorientierten Strategie sein.

Aufgabe der Politik ist es, den Prozess der Digitalisierung zu unterstützen und weitere Hemmnisse zu vermeiden beziehungsweise abzubauen. Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit wie das Nachweisgesetz oder das Pflegeunterstützungs- und entlastungsgesetz haben nicht geholfen, die Digitalisierung zu beschleunigen. Doch mit den geeigneten Rahmenbedingungen können die Möglichkeiten der Digitalisierung auch für die betriebliche Altersversorgung ausgeschöpft werden, wie die Studie „Digitalisierung in der bAV-Administration“ verdeutlicht. Somit können die anstehenden Herausforderungen bewältigt und die Chancen für den Ausbau der Alterssicherung realisiert werden.

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