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Deutsche eher dafür, jedenfalls theoretisch

Deutsche sind für Gehaltstransparenz, die Praxis sieht aber anders aus.
Über Geld spricht man nicht, vor allem nicht über das Gehalt, denken viele Deutsche. Trotzdem sind sie mehr Transparenz gegenüber positiv eingestellt.
Foto: © Superingo/Fotolia.de

Mehr als jeder Vierte verrät nicht einmal dem eigenen Partner, wieviel er verdient.

38 Prozent der Berufstätigen hierzulande sind eindeutig dafür, dass in Deutschland alle Einkommen öffentlich gemacht werden sollten, um Transparenz und Lohngerechtigkeit in Unternehmen zu erzeugen. Weitere 39 Prozent unterstützen das Vorhaben eher verhalten und antworten mit “Ja, eher schon”. Insgesamt befürworten damit immerhin 77 Prozent eine Gehaltstransparenz, wenn auch nicht alle hundertprozentig davon überzeugt sind. 18 Prozent antworten mit “Nein, eher nicht” und fünf Prozent wollen die Gehaltstransparenz auf keinen Fall. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Online-Netzwerks > Xing unter 2024 deutschen Berufstätigen.

Männer vermuten weniger geschlechtsspezifische Lohnungleichheit als Frauen

Fast jeder fünfte Befragte (18 Prozent) ist davon überzeugt, dass es geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der Bezahlung im eigenen Unternehmen gibt. Allerdings sind Frauen und Männer hier unterschiedlicher Meinung: Während jede fünfte weibliche Befragte (21 Prozent) glaubt, dass Frauen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, sind nur zwölf Prozent der männlichen Befragten der Ansicht, dass weibliche Mitarbeiter benachteiligt werden.

Jeder Dritte glaubt, dass Gehaltstransparenz nichts ändern würde

Frauen stehen der Gehaltstransparenz etwas positiver gegenüber als Männer. Von den weiblichen Studienteilnehmern gehören 80 Prozent zum Ja-Lager, bei den Männern 74 Prozent. Insgesamt denken 14 Prozent der Befragten, dass aufgrund einer Veröffentlichung der Einkommen Ungleichheiten in der Entlohnung – zum Beispiel geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede – eliminiert würden. 51 antworteten mit einem “Ja, eher schon”. 29 Prozent meinen jedoch, das sei eher nicht der Fall und sechs Prozent gehen fest davon aus, dass die Gehaltstransparenz gar nichts ändern würde.

Die Realität: Drei Viertel der Berufstätigen halten ihr Gehalt vor Kollegen geheim

Auch wenn eine innerbetriebliche Offenlegung der Gehälter für viele Deutsche vorstellbar ist, sieht die aktuelle Realität ganz anders aus: Gut drei Viertel (76 Prozent) der Befragten sagten, dass sie ihr Gehalt Kollegen gegenüber nicht preisgeben. 60 Prozent sprechen auch mit Freunden nicht darüber, 56 Prozent halten ihren Lohn nahen Verwandten gegenüber geheim und 29 Prozent verschweigen selbst ihrem Partner, was sie verdienen. Fast jeder Zehnte (neun Prozent) spricht mit niemandem über sein Gehalt. Lediglich eine Minderheit von 3,5 Prozent gibt an, mit grundsätzlich jedem über seinen Verdienst zu sprechen.

Zwei Drittel der Deutschen finden, dass sie fair entlohnt werden

Die Studienteilnehmer wurden auch danach nach ihrer Zufriedenheit mit ihrem Gehalt gefragt. Danach empfinden 44 Prozent der deutschen Berufstätigen ihr Gehalt für ihre Position als angemessen. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) denken, dass sie für ihre erbrachten Leistungen fair entlohnt werden und 69 Prozent der Befragten gaben an, von ihrem Gehalt gut leben zu können.