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Fachkräfte möchten mehr Geld, fragen aber nicht danach

Nachdenkliche Frau mit Gedankenblase, in der Dollarzeichen stehen
Viele Fachkräfte möchten mehr Geld, fühlen sich aber unwohl bei Gehaltsgesprächen. Letzteres gilt für Frauen noch häufiger.
Foto: © DDRockstar/StockAdobe

Zwei Drittel der Arbeitnehmer hierzulande würden gern mehr verdienen, als sie aktuell bekommen, und stellen sich ein konkretes Zielgehalt im Laufe ihrer beruflichen Karriere vor. Allerdings verhandeln 60 Prozent  ihr Gehalt nicht regelmäßig mit dem Arbeitgeber. An fehlendem Selbstbewusstsein liegt es nicht, dass die Deutschen so zurückhaltend sind, wenn es um die Frage nach mehr Geld geht: Fast alle (95 Prozent) beurteilen ihre Leistung im Job als sehr stark oder eher stark. Das zeigt die Studie “Gehaltsverhandlungen in Deutschland” von > Stepstone, für die im Januar dieses Jahres rund 9000 Fachkräfte ohne Personalverantwortung und 2000 Führungskräfte befragt wurden.

Jeder Zweite fühlt sich bei Gehaltsverhandlungen unwohl

Dass sich die meisten Arbeitnehmer zwar ein höheres Gehalt wünschen, aber nicht initiativ werden, liegt laut Studie daran, dass das Thema Gehalt hierzulande immer noch ein Tabu ist. Jeder zweite Befragte sagt, er fühle sich unwohl dabei, mehr Gehalt zu verlangen; bei Frauen ist das noch etwas häufiger der Fall als bei Männern. Ein Drittel der Studienteilnehmer (34 Prozent) gibt als Grund für die Zurückhaltung an, ungern über Geld zu reden. Knapp jeder Dritte (31 Prozent) macht sich Sorgen, seine Beziehung zum Vorgesetzten könnte durch die Bitte um eine Gehaltserhöhung Schaden nehmen. Ebenso viele denken, dass Forderungen nach mehr Gehalt von ihrem Arbeitgeber nicht gern gesehen sind. Lediglich jeder Fünfte (21 Prozent) ist unsicher, ob er die Voraussetzungen für eine Gehaltserhöhung erfüllt.

Arbeitnehmer sollten dem Vorgesetzten verdeutlichen, welchen Mehrwert sie dem Unternehmen bringen,

rät André Schaefer, Gehaltsexperte bei Stepstone, den Mitarbeitern. Wer klar aufzeigen könne, mit welchen Projekten er den Erfolg der Abteilung unmittelbar beeinflusst und dabei noch realistische Forderungen stellt, habe gute Chancen auf eine Gehaltserhöhung. Zudem würden in vielen Branchen händeringend qualifizierte Mitarbeiter gesucht, so dass gut ausgebildete Arbeitnehmer ihre Gehaltsvorstellungen heute selbstbewusst formulieren könnten, lautet die Ansicht von Schaefer.

Von den im Rahmen der Studie befragten Fach- und Führungskräften haben 57 Prozent bei ihrem derzeitigen Unternehmen schon mindestens eine Gehaltserhöhung bekommen. Der häufigste Grund dafür war, dass die Mitarbeiter die Erhöhung aktiv eingefordert hatten, wobei die meisten (58 Prozent) mit guten Leistungen argumentierten. Daher lohne es sich für Arbeitnehmer, so die Studie, das Gehaltsgespräch zu suchen.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.