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Erste Trends zum Verdienst der DAX-Chefs

Schwindelerregende Kurse oder Gehälter? Die Chefs deutscher börsennotierter Unternehmen verdienen nicht einmal am meisten.
Foto: © RioPatuca Images/Fotolia.de
Schwindelerregende Kurse oder Gehälter? Die Chefs deutscher börsennotierter Unternehmen verdienen nicht einmal am meisten.
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Nach aktuellen Analysen für 2016 werden deutsche DAX-Chefs bei der Vergütung hinter ihren
internationalen Kollegen abfallen. Der Abstand zwischen den
Managergehältern in der Autobranche wird sich voraussichtlich
vergrößern.

Wieviel haben deutsche DAX-Chefs 2016 verdient? Mit den vor einer Woche veröffentlichten Bilanzen des Autoherstellers Daimler liegen insgesamt vier Berichte vor, aus denen sich nach einer Analyse von Towers Watson ein erster Trend ableiten lässt. Am höchsten fällt voraussichtlich die Vorstandsvergütung für 2016 von Daimler-Vorstandschef Dr. Dieter Zetsche aus.

Daimler-Chef Zetsche bezieht das höchste Gehalt

Dieter Zetsche hat im vergangenen Jahr ein Gehalt von 7,61 Millionen Euro bezogen. Damit liegt seine Vergütung zwar um 20 Prozent niedriger als 2015, als Zetsche noch 9,68 Millionen einstrich, ist aber wesentlich höher als die von Joe Kaeser von Siemens mit 6,97 Millionen Euro, Dr. Heinrich Hiesinger von ThyssenKrupp (3,98 Millionen Euro) und Dr. Reinhard Ploss von Infineon (2,27 Millionen Euro). Bei den Zahlen handelt es sich um die erwartete Direktvergütung, bestehend aus der Grundvergütung im Geschäftsjahr, dem für das Geschäftsjahr ausbezahlten Bonus und der im Geschäftsjahr gewährten langfristigen Vergütung, die laut > Towers Watson die Vergütungen der Vorstandsmitglieder am besten vergleichbar macht.

Verschiedene Blickwinkel, unterschiedliche Ergebnisse

Durch die vom Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) vorgegebenen Vergütungstabellen seien verschiedene Blickwinkel auf die Vergütung möglich, so Towers Watson. Die gewährte Direktvergütung beschreibt die Zielvergütung für das Geschäftsjahr, also die Vergütung, die ausgezahlt wird, wenn alle Ziele zu 100 Prozent erreicht sind. Die ausbezahlte Direktvergütung hingegen stellt dar, was tatsächlich ausgezahlt wurde, das heißt langfristige Vergütungselemente werden mit dem Wert angegeben, der dem Vorstandsmitglied zugeflossen ist, auch wenn diese in Vorjahren gewährt wurden. Bei der erwarteten Direktvergütung für das Geschäftsjahr 2015 lag Daimler-CEO Zetsche mit 9,68 Millionen Euro und bei der ausbezahlten Direktvergütung mit 13,18 Millionen Euro auf Platz eins. Bei der gewährten Direktvergütung – ohne Pensionsansprüche – erzielte Zetsche mit 7,11 Millionen Euro den zweithöchsten Wert. Für 2016 liegt der Daimler-Chef mit einer gezahlten Direktvergütung von 10,73 Euro auf dem ersten Platz, ebenso bei der gewährten Direktvergütung von 6,59 Millionen Euro, hier dicht gefolgt von Siemens-Chef Kaeser mit 6,23 Millionen Euro.

Im internationalen Branchenvergleich verdienen Manager noch mehr

Towers Watson relativiert die Höhe der Managergehälter mit einem Blick über die Grenzen. Im internationalen Vergleich der acht größten Automobilhersteller lag Zetsche 2015 mit seinem Gehalt an vierter Stelle. Die durchschnittlich erwartete Vergütung ohne Sonderboni für die CEOs von Volkswagen, Toyota, Daimler, General Motors, Ford, Fiat Chrysler, BMW, Honda betrug rund zwölf Millionen Euro. Volkswagen, BMW und Honda wurden allerdings wegen eines CEO-Wechsels im Jahr 2014 für das Jahr 2015 nicht ausgewertet. Im Vergleich lag Zetsche 2015 trotz einer höheren Vergütung als 2016 an vierter Stelle. 2016 dürften die deutschen Unternehmenschefs auch im europäischen Vergleich zurückfallen, so Towers Watson. Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa würden Spitzenposten höher vergütet. So würden die CEOs in der Schweiz und in Großbritannien deutlich besser bezahlt als hierzulande.

Boni im DAX rückläufig

Bei der Bemessung des Bonus stehen in Europa Gewinn- und Renditegrößen im Vordergrund. Diese werden häufig um nicht-finanzielle Leistungskennzahlen und die individuelle Leistung ergänzt. Während die Höhe der ausbezahlten Boni in den Unternehmen anderer europäischer Länderindizes 2015 entweder stabil geblieben (FTSE-100-Unternehmen) oder angestiegen (CAC 40, AEX, SLI) ist, ging sie in den DAX-Unternehmen zurück.