Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Jeder Achte findet Gender Pay Gap okay

Mann und Frau auf jeweils gleich hohen Münzstapeln
So weit, dass es keine geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschiede mehr gibt, ist es noch nicht. Manche finden, das könnte auch so bleiben. Foto: © BillionPhotos.com/StockAdobe

Auch bei vergleichbaren Tätigkeiten und gleicher Qualifikation werden Frauen in Deutschland immer noch schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. 77 Prozent der Deutschen sehen dies auch als Realität an. Erstaunlich ist allerdings, dass 13 Prozent der Bundesbürger daran nichts problematisch finden. Ihrer Meinung nach könnte der Gender Pay Gap ruhig bestehen bleiben oder dürfte sich sogar noch vergrößern. Das zeigt  eine aktuelle Auswertung der repräsentativen Studie “So arbeitet Deutschland” von Sthree. Für die Studie wurden in Zusammenarbeit mit Yougov 1515 Angestellte und Selbstständige in Deutschland befragt.

Nach Ansicht der meisten Deutschen entscheidet die Verhandlungskompetenz über das Gehalt

Dass einige der Studienteilnehmer ungleiche Bezahlung offenbar nicht als ungerecht empfinden, mag auch daran liegen, dass die Mehrheit der Meinung ist, es läge am Verhandlungsgeschick, wie viel man verdient: Fast drei Viertel (71 Prozent) denken, dass Menschen, die gut verhandeln, für die gleiche Leistung mehr Geld bekommen. 42 Prozent sind der Ansicht, dass Frauen und Männer gleich gut verhandeln können. Fast genauso viele (41 Prozent) halten Männer für erfolgreicher bei Gehaltsgesprächen. Nur eine Minderheit von acht Prozent glaubt, dass Frauen dabei besser abschneiden.

Männer und Frauen bewerten ihr Verhandlungsgeschick negativer als es das jeweils andere Geschlecht tut

Die Selbsteinschätzung der Befragten zeigt, dass Frauen ihre Verhandlungskompetenz in Gehaltsfragen selbst schlechter einschätzen als die der Männer. Nur fünf Prozent der weiblichen Studienteilnehmer glauben, dass Frauen besser verhandeln. 46 Prozent denken, dass Männer dabei erfolgreicher sind. Damit stufen sie die Männer allerdings besser ein, als diese sich selbst empfinden: Von den männlichen Befragten sind 36 Prozent der Meinung, dass Männer ein größeres Verhandlungsgeschick haben. Zehn Prozent halten Frauen für die erfolgreicheren Verhandlungspartner – somit schätzen sie die Kompetenz der Frauen höher ein, als letztere sich selbst bewerten. Geschlechtsübergreifend kann sich mehr als jeder zweite Befragte (56 Prozent) vorstellen, dass die Gehaltsverhandlungen mit Unterstützung von Experten wie einem Coach oder Personalberater erfolgreicher wären.

Höheres Gehalt ist Top-Kriterium für einen Jobwechsel

Die Studie zeigt außerdem, dass 36 Prozent der Befragten zum Zeitpunkt der Untersuchung nach Tarifeinstufung bezahlt wurden. 29 Prozent wurden nach Berufserfahrung und 25 Prozent nach Position vergütet. Wenn sie wählen könnten, würden jedoch die meisten (66 Prozent) lieber nach Leistung oder Erfolg entlohnt werden. Die Mehrheit der Arbeitnehmer (88 Prozent) ist derzeit nicht auf Jobsuche. Bei einem passenden Angebot wären jedoch 42 Prozent bereit, den aktuellen Arbeitgeber zu verlassen und ein besseres Gehalt ist das Hauptkriterium für einen Jobwechsel.

Das Whitepaper zur Studie kann > hier zum Download angefordert werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.