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Gehalt: Der Lohnunterschied von Fach- und Führungskräften varriert in den Branchen

Gehaltsschere
Die Gehaltsschere zwischen Fach- und Führungskräften ist je nach Branche unterschiedlich groß. Foto: © zhenya-stock.adobe.com

In Branchen mit stark hierarchischen Strukturen sind die Vergütungsunterschiede von Fach- und Führungskräften größer als im Durchschnitt. Außerdem ist der Pay Gap in einigen Bundesländern deutlich höher als in anderen. Das geht aus einer Untersuchung des Portals Gehalt.de hervor, für die 224.474 Datensätze von Fach- und Führungskräften ausgewertet wurden.

Fachkräfte in Deutschland beziehen im Jahr rund 41.900 Euro brutto. Führungskräfte erreichen ein Jahresgehalt von etwa 96.300 Euro – das sind rund 130 Prozent mehr. Die Zahlen sind Medianwerte und beziehen sich auf eine 40-Stunden-Woche.

Größte Verdienstunterschiede in Steuer- und Rechtsberatung

Der Branchenvergleich ergibt, dass der Verdienstunterschied auf den verschiedenen Hierarchiestufen in der Steuerberatung am größten ist: Während Fachkräfte rund 37.600 Euro jährlich erhalten, erzielen Führungskräfte circa 112.400 Euro; das ist eine Differenz von 199 Prozent. Am zweitgrößten ist die Gehaltsschere in der Rechtsberatung; dort verdienen Mitarbeiter ohne Personalverantwortung 37.826 Euro, ihre Chefs kommen auf 111.517 Euro und damit auf 195 Prozent mehr. Nicht viel niedriger fällt der Vergütungsunterschied in der Branche Konsum & Gebrauchsgüter aus: Dort verdienen Fachkräfte 49.714 Euro und Führungskräfte 141.594 Euro, was ein Plus von 185 Prozent ergibt.

Der Einkommensunterschied bei Fach- und Führungskräften ist in der Steuer- und Rechtsberatung besonders ausgeprägt, da ein großer Teil der Fachkräfte aus nicht-akademischen Angestellten mit eher niedrigen Gehältern besteht,

sagt Dr. Korbinian Nagel, Arbeitsmarktökonom bei Gehalt.de. Anwälte und Steuerberater mit Personalverantwortung hätten oft einen akademischen Hintergrund, außerdem arbeiteten sie häufig in größeren Konzernen, die höhere Gehälter zahlen.

In der E-Commerce-Branche erhalten Fachkräfte rund 35.700 Euro und Führungskräfte etwa 87.600 Euro und damit 145,5 Prozent mehr. In der Pharmaindustrie beträgt die Gehaltsschere 133 Prozent: Die Gehälter von Beschäftigten ohne Personalverantwortung liegen bei 53.987 Euro und die der Vorgesetzten bei 125.603 Euro. Auch im Lebensmitteleinzelhandel ist der Unterschied mit 126 Prozent recht groß; Fachkräfte bekommen 31.433 und Führungskräfte 70.952 Euro. In der Finanzbranche stehen 52.146 Euro für Mitarbeiter 112.347 Euro für Chefs gegenüber, das macht eine Differenz von 115 Prozent aus. In der Automobilindustrie verdienen Mitarbeiter in Leitungspositionen mit 110.823 Euro immerhin noch gut doppelt soviel (104 Prozent) wie jene ohne Personalverantwortung, die 54.266 Euro erhalten.

Kleinste Gehaltslücken in der Kulturbranche

Die kleinste Gehaltslücke weist die Kulturbranche aus, in der das Gehaltsniveau aber auch insgesamt niedriger ausfällt. Dort erhalten Fachkräfte rund 38.400 Euro im Jahr und Führungskräfte 64.600 Euro – etwa 68 Prozent mehr. Am zweitgeringsten mit 78 Prozent ist der Vergütungsunterschied in der Luftfahrt: Fachkräfte verdienen 57.800 Euro und Führungskräfte bekommen 102.900 Euro. Die drittkleinste Differenz zeigt die Analyse bei Tätigkeiten in sozialen Einrichtungen. Fachkräfte beziehen 32.333 Euro, Führungskräfte erhalten 60.007 Euro und damit 86 Prozent mehr. Die vergleichsweise kleineren Unterschiede seien durch flache Hierarchien und bei der Luftfahrt durch das hohe Lohnniveau beim Einstiegsgehalt zu erklären, so Gehalt.de.

Besonders große Schere in Bundesländern mit niedrigen Gehältern

Die Analyse nach Bundesländern zeigt, dass die strukturschwächeren Regionen mit einem insgesamt niedrigeren Gehaltsniveau besonders große Vergütungsunterschiede bei Fach- und Führungskräften aufweisen. Die größten Lücken gibt es in Sachsen-Anhalt (144 Prozent), Schleswig-Holstein (141 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (138 Prozent) und Rheinland-Pfalz (137 Prozent). Führungskräfte seien mobiler und eher dazu bereit, den Arbeitsstandort zu wechseln als Fachkräfte, so Dr. Korbinian Nagel. Allerdings müssten Unternehmen in Bundesländern mit geringem Gehaltsniveau die Bezahlung von Führungskräften dem westlichen Durchschnitt anpassen, um sich im Wettbewerb behaupten zu können, erklärt Nagel die verhältnismäßig großen Gehaltsunterschiede dort. Am geringsten ist die Vergütungsdifferenz im wirtschaftlich starken Baden-Württemberg (116 Prozent), in Hamburg (119 Prozent), Berlin (124 Prozent) und Hessen (125 Prozent).

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.