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Bezahlung steigt in Deutschland vergleichsweise langsam

Darstellung der Weltkugel in einem Netzwerk aus Zahlen und Formeln
In den verschiedenen Weltregionen steigen die Gehälter unterschiedlich schnell. Foto: Pete Linforth/Pixabay

Die Unternehmen in Deutschland planen, ihren Mitarbeitern im kommenden Jahr im Mittel 3,0 Prozent mehr Gehalt zu zahlen. Das ergibt der › Global Compensation Planning Report der Unternehmensberatung Mercer. Bereinigt um die Inflation, die die Studienautoren für 2020 mit 1,7 Prozent prognostizieren, bleibt den Arbeitnehmern ein reales Gehaltsplus von 1,3 Prozent.

Am stärksten werden die Gehälter in den Branchen Hightech und Life Sciences (jeweils nominal 3,0 Prozent), in der chemischen Industrie (2,9 Prozent), in der Konsumgüterbranche (2,8 Prozent) und dem Automotive-Sektor (2,7 Prozent) wachsen. Zudem erwarten die Experten, dass es für besonders gefragte Arbeitskräfte in den Bereichen Ingenieurwesen und Wissenschaft, Verkauf und Marketing sowie im Technologiesektor durchaus höhere Gehaltssteigerungen geben kann.

Steigerungen trotz unsicherer Wirtschaftslage stabil

Die verschiedenen Hierarchieebenen in den Unternehmen profitieren gleichermaßen. Sowohl Executives und Manager als auch Fachkräften haben nominal 3,0 Prozent mehr in der Tasche. Besonders wichtig für Gehaltserhöhungen ist bei 90 Prozent der Unternehmen die individuelle Leistung des Mitarbeiters. Die Leistung des gesamten Unternehmens spielt bei 57 Prozent der Arbeitgeber eine Rolle. Lange Unternehmenszugehörigkeit ist laut der Studie nur drei Prozent der Unternehmen bei Gehaltsfragen wichtig.

Die Steigerungen bleiben im Großen und Ganzen stabil. Dass keine großen Sprünge nach oben zu erwarten sind, begründet Mercer-Vergütungsexperte Thomas Gruhe mit “gedämpfter Investitionsbereitschaft der deutschen Unternehmen durch internationale Handelskonflikte, den Brexit und die politische Konstellation in Deutschland”. Deshalb seien Unternehmen auch bei Personalausgaben vorsichtiger. “Die tatsächlichen Grundgehaltssteigerungen werden für einzelne Bereiche wohl eher niedriger ausfallen und andere Komponenten wie zusätzliche Urlaubstage oder Langzeitkonten eine größere Rolle spielen”

Deutschland über Westeuropa-Durchschnitt

Im Vergleich zur Region steht die Bundesrepublik gut da, für Westeuropa insgesamt erwarten die Mercer-Experten nur einen Zuwachs von 2,5 Prozent, inflationsbereinigt 1,1 Prozent.

Hinter der globalen Prognose bleibt die Gehaltsentwicklung in Deutschland allerdings zurück: Weltweit werden Löhne und Gehälter im kommenden Jahr um nominal 5,3 Prozent steigen. Treibende Region ist hier vor allem Asien. Dort werden die Gehälter um 6,1 Prozent steigen, inflationsbereinigt um 2,6 Prozent. Über besonders hohe Zuwächse dürfen sich Arbeitnehmer in Indien freuen, dort gibt es 10 Prozent, inflationsbereinigt 5,9 Prozent höhere Gehälter. Besonders deutlich wird die Dynamik in Asien im längerfristigen Vergleich. Während in Deutschland von 2012 bis 2019 die nominalen Gehälter um 24 Prozent wuchsen, steigerten sie sich in China um 73 Prozent.

Inflation frisst nominale Zuwächse auf

Auch für andere Regionen erwarten die Mercer-Studienmacher für 2020 beachtliche Wachstumsraten. In Mittel- und Osteuropa und Nord- und Südamerika sollen die Gehälter um 5,0 Prozent bzw. 6,0 Prozent wachsen, allerdings sind die Inflationsraten mit 3,8 Prozent bzw. 5,0 Prozent auch sehr hoch – sodass inflationsbereinigt nur Zuwächse von rund einem Prozent übrig bleiben. In einzelnen Ländern, wie Polen, werden die inflationsbereinigten Gehälter überhaupt nicht steigen.

Eine negative reale Gehaltsentwicklung müssen laut Mercer-Report Arbeitnehmer im Nahen Osten und Afrika hinnehmen. Nominal entwickeln sich die Gehälter gut, steigen um 6,0 Prozent. Allerdings drückt hier die erwartete Inflationsrate von 7,0 Prozent die Entwicklung ins Negative – die realen Gehälter werden um 1,0 Prozent sinken.

Der Mercer Global Compensation Planning Report basiert auf der globalen
Vergütungsdatenbank von Mercer, die Daten von 15 Millionen Stelleninhabern aus mehr als
25.000 Organisationen umfasst.