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Gender Pay Gap bleibt bei 22 Prozent

Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen bei 15,83 Euro, während er bei Männern 20,20 Euro betrug. Das geht aus heute veröffentlichten Berechnungen des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Dabei gibt es zwischen dem früheren Bundesgebiet und den neuen Ländern deutliche Unterschiede hinsichtlich des Niveaus und der Entwicklung des Gender Pay Gaps*. So betrug der unbereinigte Gender Pay Gap 2014 in den neuen Ländern neun Prozent, während er in den alten Ländern bei 23 Prozent lag. In den letzten fünf Jahren sind die Verdienstunterschiede in Ostdeutschland damit um drei Prozent gestiegen. Im früheren Bundesgebiet ist der geschlechterspezifische Verdienstunterschied seit 2009 um ein Prozent gesunken.

Höherer Gender Pay Gap im Osten durch Gehaltsanstieg in männerdominierten Branchen

Der Anstieg des Gender Pay Gap in Ostdeutschland lässt sich auf Unterschiede in den Verdienstzuwächsen der einzelnen Branchen zurückführen, so Destatis. Da Männer und Frauen zu großen Teilen in unterschiedlichen Branchen arbeiten, wirkt sich dies auf den unbereinigten Gender Pay Gap aus. Die Ergebnisse der vierteljährlichen Verdiensterhebung zeigen, dass beispielsweise die Verdienste der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe, einer männerdominierten Branche, zwischen 2009 und 2013 in den neuen Ländern mit 11,8 Prozent um etwa fünf Prozent stärker gestiegen sind als die Verdienste der Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen (Anstieg von 6,7 Prozent), einer Branche, in der viele Frauen arbeiten. Profitierten früher vor allem Frauen von der raschen Westangleichung der Verdienste in den Bereichen des Öffentlichen Dienstes, profitieren nun eher die ostdeutschen Männer.

Sieben Prozent weniger Geld auch bei gleicher Tätigkeit und Qualifikation

Die Ergebnisse der letzten veröffentlichten Verdienststrukturerhebung von 2010 zeigen, dass die wichtigsten messbaren Gründe für den unbereinigten Gender Pay Gap unterschiedliche Branchen und Berufe sind, in denen Frauen und Männer arbeiten, sowie ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation. Hinzu kommen weitere Faktoren wie zum Beispiel ein niedrigeres Dienstalter und ein geringerer Beschäftigungsumfang bei Frauen. Diese Ursachen treffen laut Destatis auch für die Gehaltsunterschiede des vergangenen Jahres zu und können rund zwei Drittel des Unterschieds bei den Bruttostundenverdiensten erklären.

Das verbleibende Drittel des Verdienstunterschieds entspricht dem bereinigten Gender Pay Gap. Demnach verdienten Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt auch unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation im Jahr 2010 pro Stunde sieben Prozent weniger als Männer. Trotz eines großen Ost-West-Unterschieds im unbereinigten Gender Pay Gap lag der bereinigte Verdienstunterschied in beiden Regionen auf etwa vergleichbarem Niveau: in den alten Bundesländern bei sieben und in den neuen bei neun Prozent.

*Der Gender Pay Gap misst die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes von Frauen und Männern. Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen allgemein. Der unbereinigte Gender Pay Gap erfasst auch den Teil des Verdienstunterschieds, der durch schlechtere Zugangschancen von Frauen hinsichtlich bestimmter Berufe oder Karrierestufen verursacht wird. Der bereinigte Gender Pay Gap misst den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien.

Weitere Informationen über die Gründe von geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschieden gibt in hier in einer früheren Destatis-Untersuchung.