Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Gender Pay Gap in Deutschland am größten

In deutschen Aufsichtsräten sind nach wie vor wenig Frauen vertreten, außerdem bekommen sie 25 Prozent weniger Gehalt als Männer. 
Bild: © Greg Brave/Fotolia.de
In deutschen Aufsichtsräten sind nach wie vor wenig Frauen vertreten, außerdem bekommen sie 25 Prozent weniger Gehalt als Männer.
Bild: © Greg Brave/Fotolia.de

Die Gehälter der Aufsichtsratsvorsitzenden hierzulande liegen im europäischen Vergleich auf dem sechsten Platz. Einen traurigen ersten Platz belegt Deutschland hingegen beim Gehaltsunterschied zwischen männlichen und weiblichen Aufsichtsräten. Auch ist die Frauenquote kaum gestiegen und internationale Mitglieder im Kontrollgremium sind rar.

Die Schweiz führt die Vergütungstabelle für Aufsichtsratsvorsitzende in Europa mit rund 950.000 Euro an, gefolgt von Großbritannien (460.000 Euro), Italien (238.000 Euro), Frankreich (250.000 Euro) und Schweden (197.000 Euro). Deutsche Aufsichtsratschefs kommen auf 188.000 Euro und befinden sich damit auf Platz sechs. Seit 2011 ist ihr Einkommen um rund 25 Prozent gestiegen. Am Schluss der Tabelle rangieren Österreich mit 30.000 Euro und Norwegen mit 63.000 Euro. Im Durchschnitt bezieht der Chef eines Aufsichtsgremiums in Europa rund 250.000 Europa.

Ein einfacher Aufsichtsrat in Europa erhält durchschnittlich 69.000 Euro. Hier liegt Deutschland mit einer Vergütung von im Schnitt 90.000 Euro – 50 Prozent mehr als vor fünf Jahren – über dem europäischen Mittelwert. Das zeigt eine aktuelle Studie zur Vergütung und Zusammensetzung europäischer Aufsichtsräte der > Korn Ferry Hay Group. Für die Untersuchung wurden 383 Unternehmen in zwölf Ländern über alle Branchen hinweg befragt.

Männliche Aufsichtsräte in Deutschland verdienen ein Viertel mehr als Frauen

In keinem anderen europäischen Land verdienen Männer in Aufsichtsräten so viel mehr als Frauen: Der Gehaltsunterschied in Deutschland beträgt 25 Prozent. Der europäische Durchschnittswert liegt bei acht Prozent. Über diesem Schnitt liegen außer Deutschland noch Frankreich mit einem Gender Pay Gap von 16 Prozent, Italien mit zehn Prozent sowie Großbritannien, die Schweiz und Norwegen mit jeweils neun Prozent. In den Niederlanden liegt die Gehaltslücke bei deutlich unter fünf Prozent und in Spanien gibt es gar keinen geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied.

Neben kulturellen Hintergründen ist der Unterschied vor allem mit der Besetzung der Chefposten von Aufsichtsräten begründbar,

sagt William Eggers, Senior Vice President von Korn Ferry Hay Group und Leiter des Bereichs Executive Reward. Nach wie vor seien europaweit 97 Prozent der Vorsitzenden männlich.

Auch ist die von der Bundesregierung vorgegebene Quote von 30 Prozent in deutschen Aufsichtsräten noch nicht erreicht. Waren vor fünf Jahren nur knapp zehn Prozent der Aufseher weiblich, sind es heute nicht ganz 20 Prozent. Noch weniger Frauen in Aufsichtsräten als in Deutschland gibt es nur in Österreich, Spanien, der Schweiz und Belgien.

Wenig internationale Teams in deutschen und britischen Kontrollgremien

Noch schlechter als bei der Frauenquote schneidet Deutschland beim Nationalitätenmix ab: Fast 75 Prozent der Aufsichtsräte sind Deutsche, weniger als zehn Prozent kommen von außerhalb Europas. Weniger interkulturelle Durchmischung kennt nur Großbritannien mit fast 80 Prozent Briten in den Boards. Durch besondere Internationalität zeichnen sich die Schweiz und die Niederländer aus. Weniger als 40 Prozent der Verwaltungsräte in der Schweiz sind auch selbst Eidgenossen, je ungefähr ein Drittel kommt aus Europa oder von einem anderen Kontinent. In den Niederlanden sind 50 Prozent der Board-Mitglieder  Landsleute, knapp 20 Prozent Europäer und mehr als ein Drittel kommen aus dem nicht-europäischen Ausland.