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Höhere Grundgehälter helfen nicht bei der Rekrutierung

Mit einem höheren Festgehalt gelingt es Finanzunternehmen nicht, gefragte Mitarbeiter anzuziehen. Bild: © Igor Zakowski/Fotolia.de
Mit einem höheren Festgehalt gelingt es Finanzunternehmen nicht, gefragte Mitarbeiter anzuziehen. Bild: © Igor Zakowski/Fotolia.de

85 Prozent der europäischen Finanzinstitute halten höhere Grundgehälter nicht für ein geeignetes Instrument, um Manager und Mitarbeiter in leitender Funktion zu gewinnen und zu binden. Lediglich 22 Prozent der Finanzdienstleister weltweit haben damit positive oder sehr positive Erfahrungen gemacht, in Europa sind es nur 16 Prozent. Von den Banken attestieren weltweit 24 Prozent höheren Grundgehältern positive Effekte, bei Versicherern sind es 26 Prozent und bei anderen Finanzinstituten wie Zahlungsdienstleistern oder Börsen 22 Prozent. Dagegen sehen Investmentunternehmen und Asset Manager keine positiven Effekte durch ein höheres Basisgehalt, sie bewerten den Einfluss als neutral oder gar negativ. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie von > Mercer. Für den “Global Financial Services Executive Compensation Snapshot Survey 2016” wurden 68 Organisationen aus der Finanzwirtschaft in 20 Ländern, knapp die Hälfte davon in Europa, befragt.

Nicht-monetäre Leistungen werden wichtiger

Die Studie zeigt, dass viele Unternehmen der Finanzbranche an ihrer “Employee Value Proposition” arbeiten und neue Ansätze in Erwägung ziehen, die über das fixe und variable Gehalt hinausgehen, um gefragte Mitarbeiter für sich zu gewinnen und zu binden. Die wichtigste geplante oder bereits umgesetzte Maßnahme in Europa ist Remote- oder Telearbeit. 50 Prozent der Firmen geben dies an, weltweit sind es 43 Prozent. Auf dem zweiten Platz in Europa liegt die flexible Arbeitszeitgestaltung mit 41 Prozent (weltweit 37 Prozent), gefolgt von Trainings- und Entwicklungsprogrammen mit 41 Prozent (global 47 Prozent), Career Frameworks mit 38 Prozent (international 37 Prozent) und nicht-monetären Belohnungs- und Anerkennungsprogrammen mit 38 Prozent (weltweit 34 Prozent).

Mehr als jede zweite Bank in Europa will ihr Performance Management überarbeiten

Die Finanzinstitute wurden auch zu ihrem Performance Management befragt. Über die Hälfte der Unternehmen gaben an, dass ihre Performance-Management-Systeme gut funktionieren. Allerdings ist nur eine Minderheit der Meinung, dass die Systeme außergewöhnlichen Mehrwert liefern. Jede zweite Bank will ihre Performance-Management-Prozesse innerhalb der nächsten zwölf Monate überarbeiten. Von den Versicherern wollen nur 16 Prozent diesen Schritt gehen. Außerdem sehen 52 Prozent der Finanzunternehmen in Europa Verbesserungspotenzial bei ihrem Feedback-Prozess und ebenso viele bei der Verbindung des Performance-Management-Prozesses mit der Mitarbeiterentwicklung; weltweit sind es jeweils 46 und 41 Prozent. Die meisten Banken holen bei der Auswahl von Performance-Indikatoren, der Zielfestlegung und der Performance-Beurteilung immer häufiger ihre Risikomanagementfunktion mit ins Boot, um dadurch die Verbindung zwischen Mitarbeiterperformance und richtigem Risikoverhalten zu stärken.

Individuelles Fehlverhalten wird immer häufiger bestraft

Apropos Risikoverhalten und Fehlverhalten allgemein: 62 Prozent der befragten Unternehmen weltweit gaben an, dass sie in großem Stil Maßnahmen zur Bestrafung von Fehlverhalten und Nichtbeachtung von Compliance-Vorgaben ergriffen haben. Dazu zählen zum Beispiel Malusregelungen, die – auch aufgrund regulatorischer Vorschriften – 90 Prozent der Banken und 72 Prozent der Versicherer anwenden. Damit können Teile noch nicht ausgezahlter Boni reduziert oder ganz zurückbehalten werden, zum Beispiel, um individuelle Verstöße gegen Compliance-Vorgaben zu bestrafen. Dies ist mit 96 Prozent auch der meistgenannte Grund für die Anwendung von Malusregelungen in Europa; weltweit geben dies 89 Prozent an. An zweiter Stelle mit 93 Prozent (international 89 Prozent) steht die Ahndung von individuellem Fehlverhalten. Dagegen wird die Belohnung von positivem Risikoverhalten nur von elf Prozent der Firmen ernsthaft verfolgt.