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Ingenieursgehälter 2016: Fair und im Mittelfeld

Für die deutsche Schlüsselindustrie, den Maschinenbau, sind Vergütungs- und Anreizsysteme von besonderer Bedeutung. Grund genug für den VDI (Verein Deutscher Ingenieure) und den VDMA
(Verband der Maschinen- und Anlagenbau), die Gehaltssituation der rund
950.000 festangestellten Mitarbeiter unter die Lupe zu nehmen.

Dabei zeigen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die darauf beruhen, dass der VDI die Ingenieure (165.000 tatsächliche Gehaltsdaten von 2002 bis 2015) selbst nach ihrer Gehaltssituation befragt, der VDMA dagegen die Vergütungsverantwortlichen von Mitgliedsunternehmen (34.600 Fallzahlen in 2016) und analysierte regionale Gehälter sowie mehr als 120 Positionen. 

Boni und Zusatzleistungen

Die größten Unterschiede zeigen sich beim Thema Bonus. Nach der › VDI-Untersuchung ist der Anteil der Ingenieure, die variable Vergütungsanteile beziehen, nach wie vor gering. Im Branchendurchschnitt erhielt 2015 nur knapp die Hälfte der Ingenieure mit Berufserfahrung einen variablen Anteil. Im Maschinen- und Anlagenbau liege der variable Vergütungsanteil 2015 bei durchschnittlich 6,73 Prozent.

Ein anderes Ergebnis offenbaren die Zahlen des VDMA aus seiner regelmäßigen › Umfrage zur Personalarbeit: Mehr als 90 Prozent der Unternehmen setzen eine Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg als Instrument der Entgeltpolitik bereits ein und mehr als 80 Prozent bieten darüber hinaus sonstige Zusatzleistungen an. Der Studie zufolge liegen die Boni im Durchschnitt zwischen einem und zwölf Prozent der Jahresgehälter. Dies entspricht der marktüblichen Spreizung in der deutschen Industrie.
Zu den häufigsten Zusatzleistungen zählen vermögenswirksame Leistungen und eine betriebliche Altersvorsorge, danach folgen mit einigem Abstand eine eigene Firmenkantine sowie Fahrtkostenzuschüsse, Gesundheitschecks und Fitnessstudios. Rund zehn Prozent der Maschinenbaubetriebe haben einen eigenen Kindergarten eingerichtet. Der Firmenwagen als Zusatzleistung wird laut VDMA 90 Prozent der Führungskräfte und nahezu 50 Prozent der Spezialisten in den Maschinenbauunternehmen angeboten.

Bruttogehalt maximal bei 62.000 Euro

Diese gehören nicht zu den Spitzenverdienern unter den Ingenieuren, aber sie liegen im guten Mittelfeld. So gut wie kein Unterschied wird bei den Bruttogehältern von Ingenieuren zwischen den beiden Untersuchungen sichtbar. Der VDMA kommt hier in der Spitze auf 62 000 Euro. Diese werden im Maschinenbau in Baden-Württemberg bezahlt, in der viele Weltmarktführer sitzen. Knapp dahinter folgen das Rhein-Main-Gebiet und Teile von Rheinland-Pfalz mit durchschnittlich 60.000 Euro sowie Südbayern mit knapp 60.000 Euro. Nord-Hessen sowie Teile von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen liegen am unteren Ende der Rangliste mit durchschnittlich 48.000 Euro.
Der VDI hat als Durchschnittseinkommen aus den Gehaltsdatensätzen von Maschinenbauingenieuren das Gesamtjahresbruttogehalt von 61 900 Euro ermittelt. Außerdem stellt er für den Maschinen- und Anlagenbau einen Rückgang der Gehälter fest, allerdings einen sehr moderaten. Das Jahresgehalt für Ingenieure im Maschinenbau soll im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent gesunken sein.

Chemiebranche vergütet besser

Nach vor gehören Ingenieure gehören zur gesuchten Spezies auf dem Arbeitsmarkt und damit auch zu den Besserverdienern. Das Einstiegs-Jahresgehalt nach dem Studium bewegt sich zwischen 41.200 Euro und 52.500 Euro brutto, wie eine Analyse von 16.000 Datensätzen der Vergütungsberatung Personalmarkt zeigt. Zum Vergleich zwischen den Branchen: In der Chemie- und Pharmaindustrie beginnt das Einstiegsgehalt von Ingenieuren bei etwa 52.600 Euro. Und mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung verdienen sie in dieser Branche durchschnittlich am meisten mit rund 76.000 Euro.

Stadt-Landgefälle um bis zu 19 Prozent

Keine neue Erkenntnis, aber immer noch relevant für die Vergütung ist der Standort des Unternehmens. Betriebe, die in Großstädten oder Großstadtnähe angesiedelt sind, zahlen häufig mehr als Unternehmen im ländlichen Raum. Die Gehälter liegen hier um 16 bis 19 Prozent höher, berichtet der VDMA. Ein wesentlicher Grund: Unternehmenszentralen mit besser bezahlten Bereichen wie Forschung und Entwicklung, die die Durchschnittseinkommen nach oben treiben, sind häufig in Ballungsräumen angesiedelt.  

Der VDI bringt es auf die Formel: Große Unternehmen zahlen mehr als kleine. Schon deshalb, weil sie häufiger tarifgebunden seien. In Zahlen: Ingenieure als Berufseinsteiger kommen in kleinen Unternehmen mit höchstens 50 Mitarbeitern derzeit auf jährlich 42.000 Euro. Dazu zählen auch viele Ingenieurdienstleister oder Ingenieurbüros. Der Gehaltsunterschied zwischen kleinen und großen Arbeitgebern betrage im Schnitt um die 9.000 Euro im Jahr.

Azubi-Vergütung

Auszubildende im Maschinenbau starten im technischen Bereich im Durchschnitt mit 860 Euro Monatsgehalt ins erste Jahr, im vierten Jahr sind es dann 1.075 Euro. Kaufmännische Azubis erhalten im ersten Jahr ebenfalls im Schnitt 860 Euro und im dritten Jahr dann 964 Euro. Im Vergleich zu anderen Branchen liegt der Maschinenbau damit im oberen Bereich, vergleichbar etwa mit Bankkaufleuten, heißt es beim VDMA.
Diese Zahlen decken sich im Großen und Ganzen mit denen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) (Datenbank Ausbildungsvergütungen). (cs)