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Maximal zehn Millionen für den Chef

Der Wolfsburger Autokonzern will Obergrenzen für die Vorstandsgehälter festlegen.
Foto: © blickfang/Fotolia.de
Der Wolfsburger Autokonzern will Obergrenzen für die Vorstandsgehälter festlegen.
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Die Höhe der Managergehälter bei Volkswagen gibt schon länger Anlass zu Diskussionen. Nun will der Automobilhersteller eine Obergrenze für die Gehälter seiner Vorstände festsetzen. Nach eigenen Angaben arbeitet der Konzern schon länger an einer neuen Vergütungsstruktur. VW hatte bereits ein neues Bezahlungssystem für dieses Frühjahr angekündigt, aber noch keinen konkreten Termin angegeben. Nun wollen die Aufsichtsräte auf ihrer nächsten Sitzung am 24. Februar über das neue Konzept beraten und nach Möglichkeit auch schon einen Beschluss fassen.

Höhere Fixgehälter, niedrigere Boni

Wie zuerst das “Handelsblatt” berichtete, soll das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden auf maximal zehn Millionen Euro begrenzt werden. Für die übrigen Vorstände sei eine niedrigere Grenze in der Diskussion. Das neue Vergütungsmodell beinhalte auch, dass das Fixgehalt der Führungsmannschaft angehoben und im Gegenzug der variable Anteil reduziert werden soll. Außerdem sei geplant, die Bezahlung der Vorstände stärker am Kapitalmarkt zu orientieren und die Bonushöhe an Faktoren wie die Dividende und den Aktienkurs zu binden.

Reaktion von VW auf Kritik

Kritik an der Vergütungspolitik
von VW war schon seit einiger Zeit von mehreren Seiten gekommen, sowohl
intern als auch extern. Vor allem die Mitarbeiter kritisierten, dass
ihre Chefs trotz der Krise soviel Geld einstrichen. Auch die
Betriebsräte und Aktionäre hatten darauf gedrängt, die Gehälter der
Vorstandsetage stärker am Unternehmenserfolg zu orientieren. Zuletzt
sorgte die Abfindung von Rechtsvorstand Christine Hohmann-Dennhardt für
Aufsehen. Sie soll nach nur 13 Monaten Tätigkeit im Vorstand zwölf
Millionen Euro bekommen haben.

Kein wirklicher Verzicht

Damit der Aufsichtsrat das neue Vergütungsmodell durchsetzen kann, müssen die VW-Vorstände zustimmen. Wie die “Süddeutsche” berichtete, dürfte ihnen das jedoch nicht so schwer fallen, denn es gehe derzeit nicht um Gehaltskürzungen. So soll der VW-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller im Jahr 2015 etwa 1,1 Millionen Euro Fixgehalt und 3,6 Millionen Euro variable Vergütung erhalten haben. Angesichts der laufenden Belastungen des Konzerns durch milliardenschwere Strafen und Zahlungen für Schadenersatz infolge des Dieselbetrugs dürfte Müllers selbst nach dem bisherigen Vergütungssystem auf absehbare Zeit nicht auf das Niveau seines Vorgängers Martin Winterkorn steigen. Der ehemalige Konzernchef kam vor einiger Zeit auf ein Spitzengehalt von 17,5 Millionen Euro. Die Zeitung bezeichnete die Deckelung des Gehalts auf “nur noch” zehn Millionen Euro als Witz. Um einen Verzicht würde es sich nur dann handeln, wenn man das “maßlose Rekordgehalt” Winterkorns als angemessen zu Grunde legen würde. Müllers Gehalt könnte sich durch die neue Obergrenze sogar noch auf die zehn Millionen Euro erhöhen. Außerdem, so die “Süddeutsche”, würden die Vorstandsgehälter durch die geplanten höheren Fixbezüge weniger vom derzeitigen Misserfolg des Konzerns abhängen.