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Optimierungsbedarf bei Zusatzleistungen

Über 70 Prozent der Unternehmen hierzulande gewähren ihren Mitarbeitern eine betriebliche Altersversorgung (bAV). 60 bis 70 Prozent der Betriebe bieten ihren Führungskräften und außertariflichen Mitarbeitern eine Unfallversicherung an. Knapp 60 Prozent der Tarifmitarbeiter haben Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen. Außerdem reagieren die Firmen mit Zusatzleistungen wie Sabbaticals und Zeitwertkonten für längerfristige Freistellungen auf den demografischen Wandel: Fast jedes fünfte Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern an, einen Teil der Vergütung auf einem Zeitwertkonto anzusparen und die letzten Jahre vor dem Ruhestand flexibel zu gestalten. Etwa ein Viertel der Firmen erlaubt den Beschäftigten, eine eigenfinanzierte Auszeit zu nehmen.

Im Bereich BGM sind die Unternehmen am flexibelsten

Ein besonderes Augenmerk legten Arbeitgeber in den letzten Jahren auf den Ausbau ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM): Mehr als die Hälfte der Firmen bietet Maßnahmen zur Gesundheitsförderung an. Am weitesten verbreitet unter den BGM-Maßnahmen sind Fitnessangebote mit 90 Prozent, Impfungen (80 Prozent) und Ernährungsberatung (72 Prozent). Angeboten werden aber auch Rückenschulen (65 Prozent), Burnout-Prävention (58 Prozent) und individuelles Gesundheitscoaching (37 Prozent). Im Bereich BGM zeigen die Unternehmen Reformbereitschaft: Letztes Jahr haben die Firmen ihre Angebote in 45 Prozent der Fälle aktualisiert.

Betrachtet man jedoch alle angebotenen Benefits, so haben die Unternehmen 2014 nur etwa zehn Prozent aktualisiert. Vor allem aber orientieren sie sich nicht an den Bedürfnissen der Mitarbeiter. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Flexible Benefits-Studie von > Towers Watson. An der repräsentativen Befragung nahmen 145 Unternehmen aller Branchen und verschiedener Größenklassen teil, darunter 13 Dax 30-Konzerne.

Mitarbeiter haben kaum Wahlmöglichkeiten

Derzeit herrscht in den Unternehmen noch das One size fits all-Denken vor. Dabei haben Alter, Karrierestufe und individuelle Vorlieben großen Einfluss auf die Wünsche der Angestellten. Lediglich drei Prozent der Firmen ermöglichen ihren Mitarbeitern, zwischen verschiedenen Zusatzleistungen zu wählen. Nur etwa 13 Prozent befragen ihre Beschäftigten zu den angebotenen Benefits. Weniger als ein Drittel der befragten Unternehmen bietet der Belegschaft an, durch eigene Beiträge bei der Gestaltung von vermögenswirksamen Leistungen, flexiblen Arbeitszeiten oder Sportangeboten mitzureden.

Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement Solutions bei Towers Watson, ist der Ansicht, dass viele Unternehmen durch unpassende Zusatzleistungen unnötig Geld verbrennen:

Solange sich die Leistungen nicht an den Bedürfnissen der Mitarbeiter orientieren, wird der volle Nutzen für Unternehmen und Belegschaften nicht abgerufen.

Auch bei der häufigsten Zusatzleistung, der betrieblichen Altersvorsorge, herrscht wenig Flexibilität: 80 Prozent der Tarifmitarbeiter wird ein fertig geschnürtes Gesamtpaket angeboten. Nur außertarifliche Mitarbeiter und Führungskräfte haben mehr Möglichkeiten zur Mitgestaltung. Dabei sei es ineffizient, alle Mitarbeiter über einen Kamm zu scheren, so Jasper. Risikoleistungen stellen bis zu 30 Prozent des Gesamtwertes von Pensionsplänen dar, doch sei etwa eine Hinterbliebenenabsicherung für einen Ledigen wertlos. Flexible Wahlmöglichkeiten könnten die Attraktivität der Benefits für die Mitarbeiter erhöhen.

Wer den Wert der Benefits nicht kennt, kann ihn nicht schätzen

Nicht einmal die Hälfte der deutschen Unternehmen kann den jährlichen Wert ihrer Zusatzleistungen für Mitarbeiter beziffern. Das liegt unter anderem daran, dass weniger als jede zweite Firma ihr Benefit-System regelmäßig beurteilt. Daher fällt es den Unternehmen auch schwer, Mitarbeitern den Mehrwert von Firmenwagen, betrieblicher Altersvorsorge und anderen Zusatzleistungen klar zu kommunizieren. Nur zwei Prozent der Arbeitgeber informieren die Belegschaft mittels Apps und 16 Prozent nutzen dafür Web-Angebote.

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