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Studentinnen stufen das Thema als dringend ein

Zwei Türme aus Münzen, auf dem höheren sitzt eine männliche Figur, auf dem niedrigen eine weibliche.
Das Thema Gender Pay Gap ist auch in den Köpfen der Studierenden präsent, vor allem die Frauen sehen Handlungsbedarf.
Foto: © ink drop/Fotolia.de

93 Prozent der Studierenden hierzulande – unabhängig vom Geschlecht – haben bereits vom Gender Pay Gap gehört. 84 Prozent der weiblichen Studierenden interessieren sich für das Thema, während es bei den Männern nur 51 Prozent sind. Insgesamt nimmt rund jeder Zweite (51 Prozent) die Debatte als übertriebenen “Hype” wahr. Die andere Hälfte (49 Prozent) stuft den Diskurs als “dringend fällig” ein; von den Frauen schätzen sogar drei Viertel (75 Prozent) das Thema als dringend ein. Das zeigt der “Unicensus kompakt”, eine Umfrage unter rund 1100 deutschen Studierenden, die > Univativ im April durchgeführt hat.

Drei von vier Studentinnen sehen Handlungsbedarf

Dass Frauen beim Gehalt benachteiligt werden, denken 89 Prozent der Frauen, bei den Männern sind immerhin noch 64 Prozent dieser Ansicht. Weibliche Studierende sehen größeren Handlungsbedarf als ihre männlichen Kommilitonen: Drei von vier der jungen Frauen begrüßen die Diskussion um Lohngerechtigkeit als “dringend fällig”. Von den männlichen Studierenden sehen dies knapp zwei Drittel so.

Männer finden Transparenz nicht ganz so wichtig wie Frauen

70 Prozent der weiblichen und 59 Prozent der männlichen Studienteilnehmer denken, dass eine größere Transparenz dafür sorgen würde, dass das Gehalt insgesamt fairer verteilt wäre. Jeder Zweite (52 Prozent) verspricht sich außerdem, dass damit der persönlichen Leistung im Rahmen von Gehaltsverhandlungen eine höhere Bedeutung zukommen würde. Unter dieser Prämisse rechnen 58 Prozent der Studentinnen und 38 Prozent der Studenten damit, dass die Gehälter von Frauen steigen würden. Interessant ist, dass mehr Männer (53 Prozent) als Frauen (44 Prozent) davon ausgehen, mehr Transparenz führe zu mehr Neid und Missgunst. Nach Ansicht von 47 Prozent der Befragten würde mehr Transparenz auch zu einfacheren Gehaltsverhandlungen führen, während jeder Vierte (24 Prozent) eher vom Gegenteil ausgeht.

Absolventen können schwer einschätzen, welches Gehalt sie erwarten dürfen

Die Studie zeigt auch, dass 60 Prozent der Teilnehmer das Gehalt als persönliche Verhandlungssache und weniger als fremdbestimmten Wert sehen; von den Männern denken dies 63 Prozent. Dennoch tun sich mehr als zwei Drittel (68 Prozent) schwer damit, ihre persönliche Gehaltserwartung für den Berufseinstieg abzuschätzen. Mehr als jeder Dritte (40 Prozent) gibt als Grund Unwissenheit und fehlende Informationsquellen an. 39 Prozent nennen keine oder ungenügende Vergleichsmöglichkeiten, bei den Frauen fehlt sogar 47 Prozent diese Orientierung. Darüber hinaus fühlen sich 29 Prozent der Studierenden durch unterschiedliche Aussagen verunsichert und Frauen sind zurückhaltender (24 Prozent) als Männer (14 Prozent), wenn es darum geht, andere nach ihrem Einstiegsgehalt zu fragen.

Mehr Offenheit in Sachen Geld, doch Kollegen gegenüber weniger

Das Gehalt gilt in Deutschland immer noch als Tabuthema, doch von den jungen Studierenden sind mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der Meinung, dass offener darüber gesprochen werden sollte. 69 Prozent fänden es nicht unangenehm, mit anderen über das eigene Einkommen zu reden. Allerdings sind die häufigsten Gesprächspartner die Eltern (87 Prozent), enge Freunde (75 Prozent) und die Familie (55 Prozent). Lediglich 35 Prozent würden mit Kommilitonen und nur 30 Prozent mit Arbeitskollegen darüber sprechen. Nach einer wirklichen Enttabuisierung sieht das nicht aus.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.