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Recruiting: So klappt’s mit dem Nachwuchs

Portrait von Madeleine Hofmann
Madeleine Hofmann arbeitet als freie Journalistin in Berlin. Für ihr Online-Generationenmagazin “Knowing (wh)Y” wurde sie ausgezeichnet, jetzt ist ihr erstes Buch zum Thema Generationengerechtigkeit “Macht Platz” im Campus-Verlag erschienen.

Es gibt in Deutschland keinen besseren Ort, um eine Revolution anzuzetteln, als den Arbeitsplatz. Wir Deutschen lieben die Arbeit, sie ist Small-Talk-Thema Nummer eins, Statusindikator und für viele die stabilste Konstante in ihrem Leben. Kein Wunder, dass das erklärte Ziel vieler Unter- nehmen ist, dass alles beim Alten bleibt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Manager dieses Landes müssen sich heute neuen Herausforderungen stellen: Fachkräftemangel und demografischer Wandel erschweren die Suche nach Nachwuchs. Gerade junge Arbeitnehmer sollten es jetzt gut haben. In manchen Branchen locken Unternehmen mit Bonbons wie Betriebskindertagesstätten oder Kicker im Pausenraum. Entscheidender für viele Junge ist jedoch die Arbeitskultur – und die lässt sich nicht so einfach verändern. Verschiedene Vorstellungen der Generationen von Karriere und Führung prallen im Joballtag aufeinander. Ein Blick in die Zukunft zeigt, wie wichtig die junge Generation allerdings ist: 2016 betrug laut Statista das Durchschnittsalter von Führungskräften in Deutschland 51,8 Jahre. Wenn die Babyboomer-Generation gleichzeitig von ihren Chefsesseln aufsteht und in Rente spaziert, hinterlässt sie eine Lücke – umrandet von veralteten Arbeitsstrukturen.

Doch den Nachwuchs in Stellung zu bringen, also auch jüngere Mitarbeiter in wichtige Entscheidungsprozesse einzubeziehen und ihnen verantwortungsvolle Aufgaben zu übertragen, daran scheitert es oft. Viele junge Menschen bekommen von ihren Arbeitgebern das Feedback, sie wollten “zu schnell aufsteigen”. Dabei wollen die meisten gar nicht gleich Chef sein, sondern ein ihnen wichtiges Thema voranbringen. Sie wünschen sich inhaltliche Mitgestaltung und dass ihre Ideen ernst genommen werden.

Initiative und Leidenschaft für den Job als Bremse? Dabei ist der Wunsch nach Partizipation gar keine Spezialität der Jugend: Der Gallup Engagement Index zeigt, dass “die Möglichkeit, das tun zu können, was man richtig gut kann”, auf Platz drei der Erwartungen von Arbeitnehmern an ihr Unternehmen steht. Das Problem: Viele Führungspersonen wissen nicht einmal, was sich ihre Mitarbeiter wünschen, denn sie führen mit einer TopDown-Strategie – höchst hierarchisch, mit Anweisungen statt konstruktiven Gesprächen. Wie in jeder Beziehung führt so ein Verhalten zu Frust – staut der sich an, ist das Ergebnis die innerliche oder reale Kündigung.

Manche Unternehmen haben die Dringlichkeit der Veränderung erkannt und verpassen sich selbst eine “Start-up-Kur”. Ein Beispiel: In sogenannten “Innovation Labs” Ideenlabore mit Designermöbeln, gratis Club-Mate und ohne Krawattenpflicht – dürfen sich “die Jungen” austoben. Nur: Wenn die Mitarbeiter nach jeder kreativen Projektarbeit doch wieder durch den Bürokratiedschungel des Konzerns müssen, wenn jede Ankündigung eines Homeoffice-Tages Stirnrunzeln bei den Vorgesetzten auslöst und das Abweichen von “nine to five” nur theoretisch möglich ist – dann kann von “New Work” keine Rede sein. Es fehlt einfach die moderne Geisteshaltung. Wie aber können sich etablierte Unternehmen eine solche zu eigen machen?

Die Antwort lautet Durchmischung. Statt alte KumpelNetzwerke
zu pflegen und wichtige Posten mit den immer
wieder selben Gleichgesinnten zu besetzen, müssen verkrustete
Strukturen aufgebrochen, Gremien und Teams
durchmischt, auch junge Mitarbeiter auf Expertenpanels
oder zu großen Konferenzen geschickt werden. Für die
Wirtschaft wäre es eine große Bereicherung, wenn Menschen
unterschiedlicher Lebensrealitäten an einen Tisch
kommen. Für die Arbeitswelt wäre es eine Revolution.
Die Manager könnten ihre Anführer sein.


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