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Commit, Mann!

Widmet Euch! Engagiert Euch! Bringt Euch ein! So oder so ähnlich klingen die Schlachtrufe des Commitments. Sven Frost beobachtet, dass sie immer lauter werden.

Cartoon: Kay Felmy
Cartoon: Kay Felmy

Heute bei der Arbeit schon committed? Fein. Dann haben Sie sich nämlich schon mächtig ins Unternehmen eingebracht. Nichts anderes bedeutet der Anglizismus “Commitment” nämlich. Sich einbringen, engagieren. Mit vollem Herzen dabei sein. Kann und sollte eigentlich jeder Mitarbeiter gleichermaßen tun. Dem Unternehmen, aber auch der eigenen Aufgabe gegenüber. Soweit, so logisch.

Doch was unterscheidet den gemeinen Einbringer vom fetzig-forschen Committer? Zumindest, dass Letzterer besser Englisch spricht – oder zumindest der Meinung ist, er täte es. Wer sich committed, kommt nämlich schnell in den Flow, sieht jeden Worst Case mit schlafwandlerischer Sicherheit voraus und ist auf einem guten Weg, auch wenn es mal sportlich wird. Eben ein super Typ, dieser Committer. Beliebt vor allem bei seinen Vorgesetzten – bei den Kollegen läuft der Committer schon mal Gefahr, als Streber zu gelten. Merke: Zu viel Commitment tut auch nicht gut.

Doch wem oder was soll man sich eigentlich committen? Dem Unternehmen? Dem Projekt? Dem Umsatz? Schwer zu sagen. Ist der Arbeitnehmer, der sich mit Wonne dem Büroschlaf widmet, ein guter Committer? Committed sich der Kollege richtig, der zu jedem zweiten Meeting einen selbstgebackenen Kuchen mitbringt? Oder ist der schnöde Langweiler aus dem Controling, der sich der Umsatzverbesserung gewidmet hat, der bessere Committer? Möglicherweise. Fängt zumindest beides mit C an. Oder der Criminal Investigator? Vielleicht. Der läuft zumindest nicht Gefahr, von seinen Kollegen als Streber geächtet zu werden.

Machen wir es uns doch mal ganz einfach: je mehr Commitment, desto besser. Egal, für was. Die Menge macht’s. Im englischsprachigen Ausland wird das Wort schließlich auch in Herzensangelegenheiten verwendet, etwa, wenn man sich einer bestimmten Person committed. Passt ja: So, wie man sich widmet, so liegt man. Schließlich ist das Leben schon kompliziert genug, mit Feinheiten wollen wir uns nicht aufhalten. Vielleicht kann man ja auch einen Wettbewerb daraus machen: Wer sich ein Jahr lang mindestens zehnmal täglich einer Sache widmet (egal welcher), wird in den Geheimbund der Committer aufgenommen. 

Vorschlag zur Güte: Schafft doch einfach den Posten eines CCO, eines Chief Commitment Officer. Der weiß dann nämlich ganz genau, wem man sich zu widmen hat. Ach Mist, den CCO gibt’s ja schon, steht das Kürzel doch bereits für Chief Customer Officer, der primär für Kundenangelegenheiten verantwortlich zeichnet. Irgendwie ja auch ein ziemlicher Committer. Denn wer braucht schon mehr Engagement als die Kunden? Eben. Schließlich widmen die sich ja auch irgendwie dem Unternehmen.

Wie sagte schon der Revolutionär Che Guevara: “Um etwas zu tun, muss man es sehr lieben. Um etwas sehr zu lieben, muss man bis zur Verrücktheit daran glauben.” Commitment, bis der Arzt kommt. By the way: Che Guevara fängt doch auch mit C an?

Dieser Beitrag stammt aus der Personalwirtschaft 10/2017.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft. Er ist spezialisiert auf die Themen Arbeitsrecht und Outsourcing und verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.