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Krise rückt HR stärker in den Mittelpunkt

HR leuchtet – so könnte man es auch sagen, denn infolge der Corona-Krise wurde das Personalmanagement aufgewertet.
Foto: © putilov_denis-stock.adobe.com

Der BPM hat sieben Thesen zu Trends und Handlungsfeldern entwickelt, die die Personalarbeit aus Sicht des Verbands in diesem Jahr prägen werden.

Krise und Digitalisierung werden HR auf

Jahrelang habe die Personalfunktion um ihre Rolle gerungen und sei zu lange lediglich als unterstützende Funktion gehandelt worden. Mittlerweile stehe HR im Zentrum des Unternehmens- geschehens, heißt es. Es habe offenbar einer Krise bedurft, um die Erkenntnis zum Allgemeingut zu machen, dass der kritische Engpassfaktor jeder Form von Arbeit der Mensch sei. Nun gelte es für Personaler, sich der gewachsenen Verantwortung zu stellen.

Zurück in die alte Präsenzkultur ist nicht gewünscht

Der BPM sieht den Aufbruch in eine gänzlich neue Welt der Wissensarbeit mit mehr Freizügigkeit und Selbstbestimmung. Smart Work biete die Chance, alternative und hybride Arbeitsmodelle auszuprobieren, sowohl hinsichtlich Ort und Zeit als auch von Vertragsverhältnissen. Diese Entwicklung müssten Personaler nun gestalten. Im letzten Jahr habe sich gezeigt, dass die Selbstorganisationsfähigkeit der Mitarbeiter deutlich höher sei als oft angenommen, und dass mobiles Arbeiten viel produktiver sein könne “als das Absitzen der Arbeitszeit im Büro”. Weiterhin habe HR gelernt, wie wichtig die Fähigkeit der situations- und adressatengerechten Kommunikation in allen seinen Formen für Zugehörigkeit, Transparenz und Orientierung sei.

HR muss wieder mehr über administrative Exzellenz reden

Begriffe wie Datenqualität, Ablagetransparenz oder Dokumenten-Klassifizierung seien in der HR-Community verpönt, so der BPM, stattdessen hätten Worte wie Strategie und Business-Enablement im Mittelpunkt der fachlichen Debatte gestanden. In der Corona-Zeit habe die Personalabteilung jedoch den Wert guter Daten und einer Empirie-basierten Personaladministration im Rahmen des Human Capital Managements wieder zu schätzen gelernt. Wer schnell auf aktuelle und umfassende Personaldaten Zugriff habe, könne bei der Nachverfolgung von Infektionsketten schnell reagieren, Kostenszenarien entwickeln, Bürobelegungspläne zur Verfügung stellen und Kurzarbeit beantragen. Die im Verband organisierten Personalmanager, so das Thesenpapier, werden deshalb in ihren Organisationen  die Einführung avancierter IT-Systeme weiter vorantreiben.  

Personaler müssen bei Kulturkonflikten vermitteln

Bislang arbeiteten die Mitarbeiter immer noch im rechtlich nur prekär abgesicherten Homeoffice, so der Verband. Personalverantwortlichen sollten dafür sorgen, dass sowohl das Büro der Zukunft als auch der heimische Arbeitsplatz mit Augenmaß organisiert werden. Der BPM erteilt einer übermäßigen Verdichtung im Büro genauso eine Absage wie der Überregulierung des Sitzmöbels zu Hause. Der Mitarbeiter “braucht für seine mobile Arbeit eher eine schnelle Internetverbindung und eine positive Employee Experience als einen grauen Resopal-Schreibtisch des Arbeitgebers im Wohnzimmer und eine lückenlose Aufzeichnung seiner Arbeitszeiten.” Vor allem aber müssten Personaler vermitteln zwischen den Arbeitnehmern, die gar nicht mehr ins Büro zurück wollen, und jenen, die auf eine klare Trennung von Arbeit und Privatleben Wert legen. Hier sollten die individuellen Perspektiven der Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen.

Sozialpartnerschaft besser pflegen und weiterentwickeln

Der Pragmatismus, mit dem Arbeitgeber und Personalmanager, Betriebsräte und Gewerkschaften die laufende Krise meistern, macht aus Sicht der Mitgliedsunternehmen Lust auf noch mehr Kooperation. Die Personalmanager wollen die Sozialpartnerschaft besser pflegen und weiter entwickeln. “Der Diskurs um Mitbestimmung 4.0 – markiert durch die Digitalisierung und zunehmend agile Aushandlungsprozesse im Rahmen der antagonistischen Kooperation – wird eines der bestimmenden Themen des Jahres 2021 sein”, erwartet der Verband.

BGM wird strategisch relevanter Baustein von HR

Eine weitere Forderung lautet, dass Personalmanager das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) als strategischen Kernbaustein von HR nachhaltig aufwerten müssen. Dazu gehörten vor allem Maßnahmen zur Sicherstellung und Steigerung der psychischen Gesundheit und Sicherheit als Grundlagen für Leistungsfähigkeit und vertrauensbedingte Leistungsbereitschaft. Sie würden wesentlich von den Führungskräften und dem Gefühl des Dazugehörens beeinflusst. Daher müsse ein Fokus auch auf Maßnahmen liegen, die ein Dazugehörigkeitsgefühl schaffen und es stärken.

Werte, Diversity und Nachhaltigkeit auch in der Krise wichtig

Die Personalmanager im BPM glauben, dass Werte, Sinnhaftigkeit, Nachhaltigkeit und Diversität künftig noch wichtiger werden als sie es heute sind. Allerdings bedrohe die aktuelle Krise die mühsam erreichte Vielfalt in den Unternehmen. Organisationen bräuchten deshalb Purpose als Energiequelle der Transformation, denn Purpose biete Identifikation für die Belegschaft und Differenzierung im Wettbewerb.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.