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Das Märchen vom Generationenkonflikt

Pixel Bilden Frau mit langen Haaren
Bild: bartamarabara/istock

Sind Sie ein Millenial? Fühlen Sie sich in jüngster Zeit bedroht oder verfolgt? Schleicht Ihnen eine Wollmütze tragende 16-Jährige nach, die Sie für eine Umweltkampagne gewinnen will? Oder sitzt eines Morgens gar ein umwerfend gut gekleideter Instagram-Star in Ihrem Büro, der Sie mit einer lässig-selbstbewussten Handbewegung des Unternehmens verweist? Falls ja, dann befinden Sie sich mitten drin im neuesten Konflikt, der derzeit auf die Agenda drängt: die Angst der Generation Y vor der Generation Z.

Letztere, so will es zumindest die Medien- und Experten-Mär, lässt die in den vergangenen Jahren ähnlich gehypte Generation Y gnadenlos alt aussehen. Die Generation Z, also die etwa zwischen 1997 und 2005 Geborenen, ginge ohne Zukunftsängste und “mit einer durch den harten Like-Kampf gestählten Selbstsicherheit durchs Leben”, hat es unlängst ein Autor der Zeitung “Die Welt” beschrieben. Die “Wirtschaftswoche” sieht die Gefahr, dass Unternehmen die Mitarbeiter und Kunden der Zukunft verlieren, falls sie nicht schleunigst verstehen, wie die “Generation Greta” tickt: technikaffin bis ins Mark und mit reichlich Selbstbewusstsein ausgestattet auf der einen Seite, auf eine strikte Trennung von Privatleben und Beruf pochend sowie mit reichlich Freizeitbedarf versehen auf der anderen. Versteh einer die Jugend.

Pixel bilden Mann mit Brille
Bild: bartamarabara/istock

Zugegeben: Die eingangs beschriebenen Beispiele sind natürlich gnadenlos überzogen, sollen das Ganze aber nicht ins Lächerliche ziehen. Dafür ist das Thema zu ernst. Allerdings geht es weniger um den (vermeintlichen) Generationenkonflikt selbst als vielmehr um die unselige Debatte zum Thema “Junge Mitarbeiter sind einfach besser, weil selbstbewusster und technikaffiner”. Dabei ist die These, ein jüngerer Bewerber sei qua Alter qualifizierter und besser auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts eingestellt, längst widerlegt, die Altersschublade hat ausgedient. Und um Trends am Arbeitsmarkt frühzeitig prognostizieren zu können, ist die Generationenaufteilung ebenfalls ungeeignet.

Der Punkt ist ein ganz anderer: Der Graben verläuft nicht zwischen den Generationen – seien es X, Y oder Z –, sondern zwischen Adaptern und Non-Adaptern. Technikaffinität, geistige Beweglichkeit und eine weniger im Hierarchischen als im Teamgedanken verhaftete Arbeitsethik sind keine Generationenfrage. Selbstbewusstsein ist kein Vorrecht der Jugend, sondern sollte für alle Altersklassen eine Selbstverständlichkeit sein. Irgendwann wird die Generation Z (nennen wir sie der Einfachheit halber so, auch wenn der Begriff eine reine Luftblase ist) an den Punkt kommen, an der sich ihr Verhalten und ihre Werte ändern. Um das Generationen klischee auf die Spitze zu treiben: Aus Generation Z wird Generation Y, aus Generation Y wird Generation X.

Nun mag der geneigte Leser einwenden, dass sich auch die “Personalwirtschaft” hier und da der Generationenanalyse und -differenzierung gewidmet hat. Stimmt. Allerdings haben wir immer darauf geachtet, das Thema mit einer gesunden Skepsis anzugehen und auch kritische Stimmen zum Thema zugelassen. Generationen-Gap? Gibt’s nicht. Agilitäts-Gap? Gibt’s. Und der ist keine Frage des Alters.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft. Er ist spezialisiert auf die Themen Arbeitsrecht und Outsourcing und verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.

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