Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Das sind die fünf HR-Macher des Jahres

Bild Gewinner Deutscher Personalwirtschaftspreis
Das sind sie, alle zusammen: die fünf Kategoriesieger beim Deutschen Personalwirtschaftspreis. Bild: Cornelius Tometten

Die Deutsche Bahn AG ist Gewinner in der Kategorie Recruiting und Gesamtsieger des Deutschen Personalwirtschaftspreises. Das Projekt “Willkommen, Du passt zu uns” hatte als Ziel, noch besser potenzielle Bewerber und Schüler anzusprechen und für die Bahn als Arbeitgeber zu begeistern. Denn jedes Jahr werden rund 14.000 neue Mitarbeiter gesucht, vom Auszubildenden über die Fachkraft bis hin zur Führungskraft. Gleichzeitig sieht sich die Bahn mit einem starken Wettbewerbsumfeld und mit vielen Vorurteilen konfrontiert: Fast jeder hatte schon mal ein Erlebnis bei einer Reise mit der Deutschen Bahn – das prägt.

Die neue Arbeitgeberkampagne hat sich genau das auf die Fahne geschrieben: Wir wollen dieses Unternehmen authentisch, ehrlich und mit seinen Schwächen und Stärken darstellen. Persönliche Geschichten der Mitarbeiter erzählen per Video, wie sie zur Bahn gekommen sind und wie sie ihre Arbeit beschreiben. Die Kampagne wurde auf allen erdenklichen Kanälen verbreitet: auf der Karriereseite der Deutschen Bahn, im Intranet, per Plakat an den Standorten, in den Social Media-Kanälen, im Fernsehen und im Radio.

Der Erfolg gibt dieser Recruiting-Maßnahme recht: Die Zahl der Besucher auf der Karriereseite hat sich verdoppelt, die Zahl der Bewerbungen ging um 40 Prozent nach oben, über alle Zielgruppen hinweg. Gleichzeitig hat die interne Belegschaft gelernt: Was wir zu sagen haben und wie wir unsere Arbeit erleben, das zählt und das wird gehört.

Kerstin Wagner, Leiterin Personalgewinnung, ist begeistert: “Ein Riesendankeschön an das Team, das war wirklich eine Gemeinschaftsaktion und hat total viel Spaß gemacht. Der Dank gilt aber insbesondere Dimitri, Dana und den anderen, die ihre Welt bei der Bahn im Film gezeigt haben.”

Die eigenen Fähigkeiten reflektieren und wieder ans Lernen heranführen

Die Fraport AG ist der Sieger in der Kategorie Talent Management mit ihrem Projekt GROW. Der Unternehmensführung und auch der Personalentwicklung ist bewusst, dass man sich Themen wie Digitalisierung und ständiger Veränderung nur dann gewappnet stellen kann, wenn man bereit ist, immer wieder Neues zu lernen und die eigenen Verhaltensweisen zu ändern bzw. anzupassen.

Im Sinne der Vorbildfunktion hat man daher eine neue Führungskräfteentwicklung aufgesetzt. Diese hatte mehrere Ziele: Ein Ziel war, die Leadership-Skills einer Führungskraft zu analysieren und sie weiter zu entwickeln. Ganz bewusst hat man sich pro Führungskraft aber auf nur ein Lernfeld fokussiert. Denn: soll man gleich mehrere Verhaltensweisen ändern, ist die Überforderung schon vorprogrammiert. Welches Lernfeld das pro Führungskraft ist, hat eine Sprachanalyse ergeben. Sie lieferte Informationen zum Stand der Person zu 18 Leadership-Konstrukten. Extrahiert wurde daraus genau ein Lernfeld.

Auf einer neuen Lernplattform kann nun jede Führungskraft nach seiner Analyse und Beratung mit einem Lernberater – dahin haben sich die Personalentwickler wiederum weiter entwickelt – zielgenau lernen und üben. Durch kleinteilige Lerneinheiten und Übungen ist gewährleistet, dass die Führungskraft ihre neu erlernte Verhaltensweise auch anwendet. Kleine Einheiten, aber sichtbare Erfolge.

Ein zweites Ziel war es, die Führungskräfte wieder ans Lernen zu bringen. Denn wenn sich die Welt da draußen laufend ändert, sollte man sich selber auch ändern können. Lernagilität war hier das führende Stichwort. Der Erfolg gibt den Personalentwicklern der Fraport AG recht: Dreiviertel aller Führungskräfte sind beim GROW-Programm dabei und haben durchweg positive Rückmeldungen gegeben.

Entsprechend war auch die Freude bei Susanne Jung, Senior Vice President HR Top Executives: “Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, dass die Führungskräfte mitgemacht haben. Dass sie sich haben überzeugen lassen, dass sie im Prototyping-Modus mit uns zusammen die Plattform entwickeln und so auch eigene Verantwortung für Ihre Entwicklung genommen haben. Damit haben wir am Anfang gar nicht gerechnet.”

Demografischer Wandel: Ja, auch bei Daimler ist das ein Thema

Die Daimler AG konnte sich in der Kategorie BGM durchsetzen. Mit dem Projekt YES! hat sich die Personalabteilung auf das Thema demografischer Wandel fokussiert. Denn: Der Fachkräftemangel durch geringeren Nachwuchs ist auch hier angekommen. Hinzu kommt, dass es latent gegenseitige Vorurteile von jungen zu älteren Mitarbeitern und umgekehrt gab. Wie kann man sicherstellen, dass nicht nur die Zusammenarbeit besser funktioniert, sondern auch das wichtige Wissen der Älteren nicht verloren geht? Die Initiative YES – Young and Experienced together Successful besteht aus drei Bausteinen.

Der erste ist ein Führungskräfteprogramm, bei dem es darum geht, eine Auseinandersetzung mit Vorurteilen anzuregen, Potenziale in jedem Alter zu erkennen und altersgemischte Teams zu fördern. Mehr als 2.400 Führungskräfte haben die zugehörige Veranstaltung bereits besucht.

Zweiter Baustein ist der Demografie-Spiegel. Anhand von mehr als 20 Kriterien, ergänzt um mehrtägige Workshops mit Beteiligung auf allen Ebenen, macht er die demografische Fitness jeder Abteilung sichtbar, auch auf dem Shopfloor.
Der dritte Baustein von YES ist die interaktive Wissenschafts- und Erlebnisausstellung “EY ALTER – Du kannst dich mal kennenlernen”. Die Ausstellung klärt die wissenschaftlichen Fakten, zeigt die Stärken jeder Generation auf und hilft dabei, gängige Stereotype zu hinterfragen.

Bereits 350.000 Besucher hat diese Ausstellung – nicht nur besucht von Daimler-Mitarbeitern – bereits angezogen. Im Rahmen des Demografiespiegels wurden bis dato 22 Workshops durchgeführt und daraus 210 Maßnahmen (43 Prozent davon mit Schwerpunkt auf ergonomische Arbeitsplatzgestaltung) für die Belegschaft abgeleitet. Bei Daimler ist man überzeugt: YES ist das umfassendste und innovativste Programm zum Thema demografischer Wandel in der deutschen Industrie. “Wir haben uns das alles selber überlegt. Wir haben uns die Ausstellung selbst überlegt, sind aber keine Ausstellungsprofis, sondern ganz normale Personaler. Haben die Workshops durchgezogen, sind auf dem Shopfloor zusammen mit den Mitarbeitern gewesen. Wir freuen uns sehr und wir hoffen, Ihr freut Euch auch”, sagt Sylvia Hütte-Ritterbusch, Projektleiterin.

Eine vielfältige Belegschaft bringt allen nur Vorteile

In der Kategorie Leadership hat sich die Robert Bosch GmbH mit ihrer weltweiten Diversity-Initiative beworben und den Titel gewonnen. Ziel des bereits 2011 gestarteten Projekts ist es, die weltweit rund 400.000 Mitarbeiter so einzusetzen, dass ihre Vielfalt zum Unternehmensvorteil wird, insbesondere in punkto Innovationskraft und Motivation. Mit dem Projekt soll über einen mehrjährigen Zeitraum eine entsprechende Arbeitskultur etabliert werden und Diversity integraler und selbstverständlicher Teil der Firmenkultur sein.

Das Personalwesen hat hierfür verschiedene Bausteine zusammengestellt: mehrere Kommunikationskampagnen, Diversity-Trainings für HR und Führungskräfte, Leitlinien für eine flexible und familienfreundliche Arbeitskultur, internationale Diversity-Tage, Führung in Teilzeit und mehr. Teil der aktuellen Kommunikationskampagne sind Videos und Plakate mit Zitaten von Mitarbeitern, die ihre Geschichten erzählen, stets mit Bezug auf den Wert Vielfalt. Sie werden im Hause per neuer Technologie auch direkt auf dem Smartphone verfügbar gemacht. Ergänzt werden die derzeitigen Maßnahmen durch Workshops und Trainings zum Umgang mit unbewussten Denkmustern und einer Mitmach-Aktion, bei der die Mitarbeiter ihren persönlichen Diversity-Champ vorschlagen können.

Ob in der Mitarbeiterbefragung, bei Bewerbern oder bei der Arbeitsgestaltung: Seit dem Start 2011 ist Diversity voll im Bewusstsein und Selbstbewusstsein der Mitarbeiter und der Führungskräfte angekommen. Egal ob 30 Jahre bei Bosch oder als Neueinsteiger: Jeder darf so sein, wie er ist und hat genau so seinen Platz im Unternehmen. “Wir sind hier nur zwei von ganz, ganz vielen, die das bei 400.000 Leuten in den Köpfen verankern wollen. Der Preis macht uns alle super stolz und wir wollen den Weg weitergehen”, freut sich Annkathrin Kienle, bei Robert Bosch für Talent Management und Diversity zuständig.

Digitalisierung? Industrie 4.0? Das muss keine Angst machen

Phoenix Contact aus Blomberg hat in der Kategorie HR-Organisation mit seinem Projekt “Auf zu neuen Welten – Industrie 4.0” gewonnen. Ziel dessen ist eine firmenweite Auseinandersetzung mit den Folgen der voranschreitenden Digitalisierung und ihren Auswirkungen auf alle Firmenbereiche – ob Produktion, Qualifikation oder Strategien. Und: Die Angst der Mitarbeiter vor Arbeitsplatzverlust zu nehmen.

Denn in den Medien und in der Politik wird Industrie 4.0 viel diskutiert, man hört von menschenleeren Produktionshallen, vom Ersatz des Menschen durch Maschinen oder Computer. Die gesamte Produktionslogik wandelt sich. Intelligente Maschinen und Produkte, Lagersysteme und Betriebsmittel werden konsequent miteinander verzahnt – entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Auftragseingang über Produktion und Logistik bis zum Service. Herausforderung und Angstmacher zugleich, sowohl für die Vorstände als auch die Mitarbeiter. HR wurde beauftragt, sich hierzu Maßnahmen zu überlegen und zu implementieren.

In den regelmäßig stattfindenden Betriebsversammlungen informiert HR zusammen mit dem Betriebsrat über den aktuellen Status beim Thema Industrie 4.0 und was geplant ist. Ergänzt wird die Kommunikation durch Videos im Intranet und über Beiträge in der Mitarbeiterzeitung.

Zudem setzt das neue Bildungszentrum von Phoenix Contact explizit auf das Thema Digitalisierung und bietet entsprechende Fortbildungen für die Mitarbeiter an.

Da auch die Geschäftsführung – und damit wird ehrlich und offen umgegangen – keine klare Vorstellung davon hat, wie stark Industrie 4.0 das eigene Unternehmen zukünftig betreffen wird, sind alle Mitarbeiter dazu eingeladen, in Workshops die Gestaltung ihrer Arbeit bei zunehmender Digitalisierung zu skizzieren und Modelle zu erarbeiten, wie man im jeweiligen Bereich digitaler werden kann.

“Ich freue mich, dass wir hier mal zeigen können, dass wir bei dem Thema
vielleicht noch ein bisschen weiter sind als andere. Und dass wir zeigen
können, dass man einen ganzheitlichen Ansatz zusammen mit Betriebsrat
und Gewerkschaft vorantreiben kann”, sagt Ines Ludwig, Leiterin Corporate Human Resources.

+++ Wir haben bei dem Event #HR macht – Next Act intensiv mit den Gewinnern diskutiert und hierzu eine › Bilderstrecke erstellt. Schauen Sie mal rein. +++

———————————
Der Deutsche Personalwirtschaftspreis feiert in diesem Jahr seine 25. Verleihung. Anlässlich dieses Jubiläums wurden die Bewerbungsform und die Ermittlung der Sieger grundlegend erneuert. Per Bewerbungsformular reichen die Firmen nun anhand vorgegebener Fragen ihr HR-Projekt in einer von fünf Kategorien ein. Dieses wird danach von einer achtköpfigen Jury aus Personalchefs, Wissenschaftlern und Beratern bewertet. Aus den Bewerbungen gehen fünf Kategoriensieger hervor. Der Gesamtsieger aus dieser Gruppe wird wiederum per Online-Voting und Live-Voting am Verleihungstag gewählt. Mehr hierzu lesen Sie › hier.

Der Deutsche Personalwirtschaftspreis ist eine Kooperation der «Personalwirtschaft» und Spring Messe Management. In diesem Jahr wurde der Preis im Rahmen der Veranstaltung #HR macht – Next Act verliehen, eine Kooperation der Zeitschrift Personalwirtschaft mit der Competence Site (Netskill GmbH). Weitere Partner sind Detecon Consulting, EY, Techniker Krankenkasse und Westpress.

Alle Infos unter: www.deutscher-personalwirtschaftspreis.de