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Der Wandel als stetiger Begleiter

Personalwirtschaft: Sie waren nacheinander für Arbeitgeber aus sehr unterschiedlichen Nationen tätig. Gab es gravierende Unterschiede, beispielsweise in puncto Mentalität oder Arbeitsweise?
Udo Keuchen: Ja, die gab es in vielerlei Hinsicht. Wahrscheinlich könnte ich zu jeder der genannten Kulturen auch konkrete Merkmale benennen. Integrität und Zuhören können sind nach meiner Beobachtung jedenfalls regionsübergreifend geschätzte Tugenden.

Was ist Ihre derzeit größte Herausforderung als HR Director bei Thermo Fisher Scientific?
Als weltweit agierender Konzern haben wir uns unter anderem in der Medizinbranche und der
Wissenschaft einen erstklassigen Namen geschaffen. Diese Erstklassigkeit fehlt uns hin und wieder im Personalmarketing und beim Bekanntheitsgrad.

Seit 15 Jahren sind Sie auch als HR-Berater im Bereich Change Management tätig. Aus Ihrer Erfahrung: Womit haben Unternehmen gemeinhin die größten Schwierigkeiten bei Transformationsprojekten?
Die berühmten Change-Management-Projekte werden oft dann initialisiert, wenn konkrete Veränderungen wie zum Beispiel die Einführung einer neuen Software oder Struktur
anstehen. Dann werden die üblichen Folien (SMART, Modellkurven, Phasenabläufe …) gezeigt und alle sollen “mitmachen”. Ob so eine tatsächliche Motivation entsteht, die sowohl von Einsicht als auch von Leidenschaft getragen wird, halte ich für fraglich. Gute Change-Management-Projekte entstehen in einer lernenden Organisation mit einer guten Change-Management-Kultur, denn hier wird offen und ehrlich – und vor allem unabhängig von konkret anstehenden Projekten – über Veränderung, Komfortzone, Agilität, Kreativität und Widerstand beziehungsweise Akzeptanzprobleme gesprochen.

Ludwig Wittgenstein ist ein eher ungewöhnliches Interessengebiet. Können Sie in maximal drei Sätzen beschreiben, was ihn besonders macht?
Wittgenstein führte ein recht ungewöhnliches, bescheidenes und zurückgezogenes Leben. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – ist seine Biografie überaus spannend. Seine kritische beziehungsweise distanzierte Haltung zur “Eignung” der menschlichen Sprache hat nichts an Brisanz und Aktualität verloren.

Angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen: Wo wären Sie gern länger geblieben?
Während meiner Zeit in Kuwait kam es leider zum sogenannten zweiten Wüstenkrieg gegen den Irak. Im darauffolgenden Jahr entschied ich mich schweren Herzens, diesen bemerkenswerten Stadtstaat zu verlassen. Selten habe ich in meinem Leben in so kurzer Zeit so viel gelernt und kennengelernt, und ich wäre gerne noch länger geblieben.

Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie in der HR-Branche arbeiten wollen?
Vor dem Studium absolvierte ich zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann, und schnell wurde mir klar, dass das reine Bankgeschäft nichts für mich ist. Aber die Mitarbeiter in der Ausbildungsabteilung beeindruckten mich mit ihrer Arbeit und der Art und Weise, wie sie sich um uns Azubis kümmerten. Bei der Auswahl des Studienfaches und der entsprechenden Praktik haben diese positiven Eindrücke und Erinnerungen eine nachhaltige Rolle gespielt.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben?
Bunt, international, unkonventionell

Warum sind Sie zum Studieren nach Amerika gegangen?
Nach meinem Vordiplom erhielt ich die Möglichkeit, mein Psychologiestudium als “Visiting Fulbright Scholar” fortzusetzen. Die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission entschied damals, mich nach Arkansas zu entsenden. Eine wunderbare Uni in einer wunderschönen Landschaft.

Welcher Bewerber hat die besseren Karten bei Ihnen: einer mit viel Auslandserfahrung und
längerer Studienzeit, oder einer, der sein Studium im Heimatort in Rekordzeit mit Bestnoten abgeschlossen hat?

Weder “Auslandserfahrung” noch “Bestnoten” sind ein Garant für den Erfolg in einer Position.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.