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HR und die Digitalisierung – Status quo

Frau mit virtuellen HR-Symbolen
Die Digitallisierung von HR schreitet infolge der Corona-Krise weiter voran. Foto: © photon_photo-stock.adobe.com

Für die Studie “HR in der digitalen Arbeitswelt” hat das FAZ Institut in Kooperation mit Cornerstone OnDemand  211 Entscheider aus deutschen Unternehmen befragt, darunter 39 Prozent HR-Leiter und -Manager. Danach geben neun von zehn Befragten an, die Digitalisierung des Personalwesens sei derzeit eines der wichtigsten Themen im Unternehmen. HR steht vor der Herausforderung, die eigene Abteilung zu digitalisieren, und nutzt gleichzeitig die Chance, die bisherige Rolle als primär administrativer Dienstleister aufzubrechen.

HR will im Wandel zum strategischen Partner werden

44 Prozent der Studienteilnehmer sagen, dass die Personalabteilung im digitalen Transformationsprozess des gesamten Unternehmens zum strategischen Partner und Gestalter avancieren will. Je nach Unternehmensgröße sehen die Rollen jedoch unterschiedlich aus: In kleinen Betrieben überwiegt mit 40 Prozent die Funktion als strategischer Partner, gefolgt von der des Moderators mit 35 Prozent und des Change Managers mit 33 Prozent. In mittelgroßen Unternehmen sind diese drei unterschiedlichen Rollen im Wandel mit jeweils 58 Prozent gleichermaßen stark ausgeprägt. In großen Firmen hingegen konzentriert sich HR in erster Linie auf seine Position als Change Manager (69 Prozent), dann als strategischer Partner (58 Prozent) und schließlich als Businesspartner (56 Prozent).

Digitalisierungsverantwortung liegt zumeist bei der Personalleitung

Auf die Frage, welche HR-Funktionen besonders stark an der digitalen Transformation des Unternehmens beteiligt sind, nannten mit 49 Prozent die meisten Befragten die Personalleitung oder den HR-Vorstand. 37 Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich) gaben an, das HR-Ressort insgesamt sei involviert. In Großunternehmen ab 5000 Mitarbeitern ist die gesamte Personalabteilung sogar in 47 Prozent der Fälle eingebunden. Dagegen ist die Digitalisierung in mittleren Unternehmen zu 64 Prozent vorrangig eine Führungsaufgabe, das gilt auch für kleinere Betriebe (49 Prozent).

Mittelstand nicht so weit wie Großunternehmen

Die größte Herausforderung im Wandel ist für 81 Prozent der Studienteilnehmer aus großen Firmen die adäquate Begleitung der Mitarbeiter durch HR. Von den mittelgroßen Unternehmen sehen das mit 69 Prozent deutlich weniger so und von den kleinen Betrieben teilen nur 62 Prozent diese Einschätzung. Laut Studie sieht der Mittelstand zwar die Relevanz dieses Themas, handelt aber noch nicht entsprechend. Dabei sei eine Digitalisierungsstrategie nur nachhaltig erfolgreich, wenn alle Mitarbeiter in die erforderlichen kulturellen Veränderungen einbezogen würden.

Digitalisierung soll vor allem die Effizienz von HR-Administration und -Prozessen erhöhen

Als wichtigstes Ziel, das mit der Digitalisierung des HR-Ressorts bis 2025 erreicht werden soll, gaben 82 Prozent und damit die meisten Befragten an, dass Administration und Prozesse effizienter gestaltet werden sollen. 60 Prozent planen, mehr virtuelle Meetings durchzuführen. 53 Prozent wollen mehr Homeoffice/Remote Work zulassen. 52 Prozent sagen, dass sie HR-Mitarbeiter von Routineaufgaben befreien wollen. 51 Prozent streben an, das Datenmanagement zu verbessern. 42 Prozent verfolgen das Ziel, die Kosteneffizienz von HR zu steigern. Diese Absicht ist in großen Firmen mit 61 Prozent stärker ausgeprägt als in mittleren (50 Prozent) und kleinen Unternehmen (36 Prozent). Obwohl die Verbesserung der Effizienz von HR-Prozessen für die meisten Unternehmen von höchster Relevanz ist, wird diese in den meisten befragten Firmen – 56 Prozent – bislang nicht gemessen. Nur bei 15 Prozent der Unternehmen ist jede HR-Funktion in den Kernprozessen mit KPIs hinterlegt ist. Bei den großen Firmen ab 5000 Mitarbeitern ist es bereits ein Viertel.

Recruiting am weitesten digitalisiert

Die HR-Funktion, in der die Studienteilnehmer momentan am häufigsten digitale Lösungen einsetzen, ist das Recruiting (70 Prozent). Es folgen die Weiterbildung (59 Prozent) und das Personalcontrolling (47 Prozent). In allen drei Bereichen sind große Firmen weiter; so führen bereits drei Viertel von ihnen virtuelle Bewerbungsgespräche durch, während es bei kleineren Unternehmen erst jedes dritte ist.
Bei den bislang eingesetzten digitalen Lösungen dominieren Tools für Videokonferenzen (83 Prozent) und Lernsoftware (55Prozent). Insgesamt setzen die Unternehmen vor allem auf nutzerfreundliche und kostengünstige Standardlösungen. Komplexere Technologien wie Self-Service-Apps, HR-Analytics-Software oder auch Feedback-Apps nutzt weniger als jeder vierte Arbeitgeber.

Kein Weg zurück zu Vor-Corona-Zeiten

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass die Unternehmen hierzulande bei der Digitalisierung noch einen weiten Weg vor sich haben. Auf jeden Fall dürfte es aber wohl keinen “Systemreset auf den Prä-Corona-Zustand” geben, heißt es, dafür seien die positiven Erfahrungen mit der Digitalisierung von Arbeitsalltag, Prozessen und Kommunikation zu nachhaltig und positiv gewesen.

Die Studie kann > hier zum Download angefordert werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.