Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Ein Arbeitgeber, viele Erfahrungen

Der Karriereweg von Carina Proksch im Controlling des Automobilzulieferers Brose schien vorgezeichnet. 2015 wagte sie den Wechsel in den Personalbereich. Die Entscheidung traf sie innerhalb eines Tages – bereut hat sie sie keine Sekunde.

Lebenslauf Carina Proksch

Warum fiel Ihre Berufsentscheidung zunächst auf eine Ausbildung und auf ein Architekturbüro?
Nach dem Fachabitur hatte ich noch keine konkrete Idee für meine berufliche Zukunft. Da schien mir eine solide Ausbildung richtig. Für das Architekturbüro habe ich mich bewusst entschieden: Im Bewerbungsprozess war es am schnellsten! Noch heute bin ich überzeugt davon, dass Schnelligkeit im Recruiting-Prozess absolute Priorität hat. Zweiter Grund war, dass mich die Kollegen im Vorstellungsgespräch am meisten überzeugt haben. Und drittens hatte ich mir eine Ausbildungsstätte gewünscht, bei der ich mein kaufmännisches Interesse mit einem technisch orientierten Umfeld verbinden konnte. Die Entscheidung für die Ausbildung war eine der besten meines Lebens. Anspruch, Organisation, Technik – diese Themen prägen mich beruflich bis heute.

Welche konkreten Ziele hat das aktuelle unternehmensinterne Erneuerungsprogramm?
Die Automobilindustrie erlebt einen Umbruch – das bekommt auch Brose zu spüren. Hinzu kommt, dass unser Familienunternehmen global stark gewachsen ist, und das enorm schnell. Strukturen und Prozesse wurden nicht immer in gleicher Geschwindigkeit angepasst. Das holen wir jetzt nach, unter anderem im Personalbereich. Das Erneuerungsprogramm Future Brose hat drei Handlungsfelder: Erstens das profitable Wachstum in unserem Kerngeschäft. Zweitens die Effizienzsteigerung, vor allem in Entwicklung und Verwaltung. Und drittens Innovationen – bei bestehenden als auch bei neuen Produkten und Prozessen. Mit der Erneuerung wollen wir unsere Mitarbeiter ans Unternehmen binden und neue Fach- und Führungskräfte für Brose begeistern.

Sie haben zehn Jahre im Controlling bei Brose gearbeitet – warum wechselten Sie 2015 in den Personalbereich?
Ganz einfach: Die Chance war da. Auch war es für mich die Konsequenz aus meinen Erfahrungen, die ich im Controlling sammeln konnte. Dort hatte ich die Möglichkeit, als Führungskraft neue Teams aufzubauen und Mitarbeiter weiterzuentwickeln. Das war herausfordernd, aber es hat mir viel Spaß gemacht. Als ich 2014 gefragt wurde, ob ich im Personal zum Business Partner für den kaufmännischen Bereich werden wolle, habe ich mich innerhalb von 24 Stunden entschieden. Heute kann ich sagen: Das war absolut richtig.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven beschreiben?
Dynamisch, mutig, souverän

Was war Ihre prägendste Station und warum?
Keine Frage: der Wechsel vom Controlling in den HR-Bereich – das war gewissermaßen ein Kaltstart. Im Controlling hatte ich auf jede Frage eine Antwort. Ich war Profi auf meinem Fachgebiet, Ansprechpartner für alles und jeden. Das hat es mir relativ einfach gemacht, vielleicht zu einfach. Deshalb habe ich meine Komfortzone bewusst verlassen – im Gepäck nur meine Intuition und meinen Ehrgeiz, Neues zu entdecken. Das war schon herausfordernd: Du wirst als Talent gehandelt und plötzlich hast du das Gefühl, du weißt – überspitzt formuliert – nichts! Diese Erfahrung hat mich noch stärker gemacht und heute weiß ich, mit Durchhaltevermögen und Mut lassen sich auch die größten Hürden meistern. Nichts im Leben ist zu 100 Prozent planbar.

Die besten Entscheidungen entstehen durch Offenheit für Veränderung.

Welche Lehren und Schlüsse ziehen Sie aus Studium, Ausbildung und nunmehr 13 Jahren Berufsleben?
Begegne jedem Menschen mit Respekt! Nicht die Ausbildung, die Karriere oder die aktuelle Hierarchiestufe zeichnen jemanden aus – vielmehr ebnen Wille, Energie und Neugier den Weg zueinander. Mit der richtigen Einstellung kann man vieles schaffen. Noten allein sind nicht ausschlaggebend – aus diesem Blickwinkel schaue ich mir übrigens auch Bewerbungen an.

Wo liegen Ihre Talente?
Ich begegne meinem Gegenüber immer auf Augenhöhe. Mit meiner Einstellung und meinem Anspruch kann ich Menschen motivieren, sie für ihre Arbeit und eine gemeinsame Sache begeistern. Ich habe ein gutes Gespür für den richtigen Mix aus Fordern und Fördern. Zu sehen, wie sich einzelne Mitarbeiter und Teams weiterentwickeln, wie sie für eine Sache “brennen” – das erfüllt mich sehr.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.