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Ein Job nach seinem Geschmack

Portrait Christian Sekels.
Christian Sekels ist Head of HR für die DACH-Region bei Kraft Heinz. Foto: privat

Personalwirtschaft: Warum wechselten Sie von PWC zu Kraft-Heinz?
Christian Sekels: Nach zwei Jahren, in denen ich mich bei PWC rein um Recruiting und Personalmarketing kümmern durfte, war es mein Wunsch, wieder vollumfänglich an allen personalwirtschaftlichen Themen arbeiten zu können. Diese Möglichkeit bot mir Kraft Heinz (Unternehmensschreibweise: KraftHeinz, d. Red.). Daneben spielte die Unternehmenskultur eine entscheidende Rolle. Ich brauche ein leistungsorientiertes Umfeld, in dem schnelle Entscheidungen getroffen werden, man aber auch gleichzeitig Spaß bei der Arbeit hat.

Welche Themen stehen in den ersten Monaten ganz oben auf Ihrer Agenda?
Nach meinem größtenteils virtuellen Onboarding und dem Kennenlernen sowohl meiner Kolleginnen und Kollegen aus dem Business wie auch in der globalen HR-Organisation wird sicherlich die Definition eines “new normal” während der Pandemie zu meinen Hauptaufgaben gehören. Wir befinden uns noch immer hauptsächlich im Homeoffice und stellen die Gesundheit und die Risikominimierung für unsere Mitarbeitenden in den Vordergrund. Trotzdem erlebe ich, dass viele noch immer davon ausgehen, dass bald alles wieder so sein wird wie vor der Pandemie. Daran glaube ich nicht.

HR muss der Treiber sein, schon jetzt das Rahmenwerk für eine neue Arbeitswelt schaffen,

die uns möglichst unabhängig von der weiteren Entwicklung der Pandemie macht und den Ansprüchen bezüglich Flexibilität bei gleichzeitig wenigen Reibungsverlusten gerecht wird.

Kraft Heinz produziert und vertreibt mehr als 200 verschiedene Marken. Wie ist HR diesbezüglich in der DACH-Region organisiert?
Kraft Heinz tritt als Global Player in seinen Märkten mit unterschiedlichen Produkten auf. In der DACH-Region sind wir spezialisiert auf unseren Klassiker, das Heinz Tomaten-Ketchup, eine breite Auswahl an Saucen und Mayonnaisen sowie die Heinz Beanz. Wir haben in unserer Region keine eigenen Produktionsstätten, sondern beziehen die Produkte aus unseren Nachbarländern. Von HR-Seite kümmern wir uns somit um alle Belange der Organisation, die durch Vertrieb und Marketing geprägt ist.

Was ist dran an den Unterschieden zwischen der Unternehmenskultur in europäischen und amerikanischen Unternehmen?
Man hört und liest ja immer von einer Reihe von Stereotypen. Bei Kraft Heinz erlebe ich diese bisher nicht – vielleicht, weil wir einfach zu international sind. Ich habe nirgendwo zuvor so ein diverses Team gesehen, was sich natürlich auch auf die Unternehmenskultur auswirkt. Ich erkenne kulturell sogar eher starke Parallelen zu meinem früheren – europäischen – Arbeitgeber Telefónica. Beide Unternehmen haben es aus meiner Sicht geschafft, einen Kern von Themen zentral zu steuern und vorzugeben und trotzdem den lokalen Leadership-Teams genügend Freiheiten einzuräumen, um ihr Unternehmen an die Bedürfnisse der nationalen Märkte und Konsumenten auszurichten.

Sie sind Spezialist für Talent Management. Hat die Corona-Krise zu einer Verschiebung von Werten bei jüngeren Stellensuchenden geführt?
Es fällt mir schwer, das jetzt schon abschließend zu beurteilen. Aber klar ist, dass die Absolventen, die seit März 2020 ihr Studium beendet haben, eine extrem schwierige Ausgangslage am Arbeitsmarkt haben. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschiebt sich gerade – zumindest vorübergehend – wieder. Und das führt zu einer erhöhten, erzwungenen Flexibilität auf Seiten der Kandidaten. Dadurch nehme ich schon wahr, dass die Arbeitsplatzsicherheit wieder einen höheren Stellenwert bei Absolventen einnimmt als vor der Krise.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer November-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.