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„Es gibt immer eine Lösung“

Geraldine Katz
Geraldine Katz ist seit 1. September Personalleiterin bei der GTÜ. Foto: © privat

Personalwirtschaft: Warum wechselten Sie vom Messe- und Marketingdienstleister Keck zur GTÜ?
Geraldine Katz: Vom Markeninszenierer zur Prüforganisation – das sind zwei ganz unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Kundenansprachen. Das war mir bewusst, als die GTÜ auf mich zukam. Das deutliche Wachstum, die Aufgaben und die zukünftige Ausrichtung haben mich sehr neugierig gemacht, und ich wollte daran maßgeblich beteiligt sein. Es hörte sich nach der Chance an, mich selbst herauszufordern und weiterzuentwickeln. Raus aus der Komfortzone, rein in die Wachstumszone.

Die GTÜ beschäftigt in ihrer Zentrale in Stuttgart rund 250 Mitarbeiter. Hinzu kommen bundesweit etwa 2300 Prüfingenieure und Sachverständige. Wie schwierig ist es da, die Personalaufgaben zu koordinieren?
Tatsächlich verantwortlich bin ich für das Personal in der Zentrale. Unseren selbstständigen Partnerbüros mit Prüfingenieuren und Sachverständigen stehen wir jedoch ebenfalls bei Bedarf beratend zur Seite. Das umfasst beispielweise die Unterstützung bei Recruitingprozessen. Ich habe bei der GTÜ eine bestens aufgestellte Personalabteilung vorgefunden, die es nun gilt, auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten. Darum wollen wir 2020 den Fokus im Haus mehr auf Teamentwicklungen legen. Während jeweils eines Tages wird an den Themen und Herausforderungen eines Teams gearbeitet – zum Beispiel an der Optimierung der eigenen Prozesse und Strukturen oder am gemeinsamen Kommunikationsstil. Wenn man so will, werden die Teams in die Werkstatt gebracht und auf den Prüfstand gestellt.

Die Autobranche befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Inwiefern wirkt sich das auf Ihre Personalarbeit aus?
Die GTÜ steht hier schon seit längerer Zeit nicht nur mit unseren direkten Mitbewerbern in Konkurrenz. Vielmehr ist die gesamt Branche fortwährend auf der Suche nach Fachpersonal. Die jüngsten Nachrichten aus der Automobilbranche sorgen aber auch für etwas Unruhe und Unsicherheit, da öfter von Einstellungsstopps oder sogar Personalabbau gesprochen wird. Das alles hatten und haben wir bei der GTÜ nicht. Im Gegenteil: Wir verversuchen, diese Chance für uns zu nutzen, um an Fachkräfte zu kommen, für die unser Unternehmen bislang nicht erste Option bei der Wahl des Arbeitgebers darstellte.

Wie gehen Sie dabei vor?
Zu unserer Personalabteilung gehört ein Team, das mit Hochschulen kooperiert und auch auf Bildungsmessen vor Ort ist, um in direkten Kontakt mit Nachwuchskräften zu treten. Weiterhin setzen wir stark auf Arbeitgeberattraktivität, für die wir bereits mehrmals ausgezeichnet wurden. Außerdem bieten wir in unserer Zentrale in Stuttgart mehrere Ausbildungsrichtungen beziehungsweise Studienplätze an. Über unser Weiterbildungsprogramm fördern wir unsere Mitarbeiter gezielt.

Auto-Technik und damit das Prüfwesen gelten immer noch als Männerdomäne. Zurecht?
Wir freuen uns bei der GTÜ über Bewerber jeglichen Geschlechts und sind hier vollkommen offen. Mit Dimitra Theocharidou-Sohns ist seit Mai dieses Jahres erstmals eine Frau in der Geschäftsführung unseres Unternehmens vertreten. Sie merken richtig an, dass Frauen in technischen Berufen leider noch deutlich in der Minderzahl sind. Das gilt aber nicht für alle Bereiche: So sind wir beispielsweise seit meinem Start als Leiterin Personal bei der GTÜ am 1. September 2019 im Personalbereich ein komplettes Frauenteam.

Sie haben eine Ausbildung in Systemischem Coaching. Hilft Ihnen das bei Ihrer Arbeit?
Tatsächlich sehr – in vielen täglichen Situationen. Vom Telefonat über das Teammeeting bis hin zu Bewerbungsgesprächen oder Gesprächen mit der Geschäftsführung. Die gelernten Werkzeuge, derer man sich bedient, passen in alle Situationen des täglichen Lebens. Wichtig ist, den Kontext zu verstehen, um auch in Konfliktsituationen kompetent und beziehungsorientiert sein zu können. Letztlich geht es um eine lösungsfokussierte Art und Weise der Zusammenarbeit. Das Grundverständnis, dass es immer eine Lösung gibt, ist durch diese Ausbildung fest im Kopf verankert.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.