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Agilitätsgrad von HR – bisher eher basic

Eine Glühbirne im Zentrum, davon rechts und links abgehend Linien mit leeren Kreisen/Gedankenblasen
Agile Methoden wie etwa Design Thinking sind in rund einem Drittel der Personalabteilungen hierzulande verbreitet.
Foto (CCO): pexels.com

Wie steht es um den derzeitigen Reifegrad der Agilität in deutschen Personalabteilungen? Eine Studie hat untersucht, ob agile Methoden angewendet werden und wie verbreitet agile Kompetenzen, Arbeitsformen und Führungs- konzepte sind. Danach beherrscht HR zwar einige Grundlagen, hat den Expertenstatus aber noch nicht erreicht.

Rund zwei Drittel der HR-Mitarbeiter (67 Prozent) geben an, dass sie bereits die ersten Grundlagen für eine agile Aufstellung und Ausrichtung gelegt haben. Lediglich 13 Prozent halten sich für fortgeschritten und nur zehn Prozent denken, dass ihr Agilitätsgrad voll ausgeprägt ist. Weitere zehn Prozent schätzen sich so ein, dass sie noch absolute Anfänger auf diesem Gebiet sind. Insgesamt ist der HR-Bereich in Sachen Agilität also eher “basic” als “Expert”. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie “All Agile HR?” von Kienbaum und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). An der Befragung zu den Stärken und dem Entwicklungsbedarf der Agilität haben Mitarbeiter aus HR-Abteilungen in 118 deutschen Unternehmen teilgenommen. Für die Studie wurden sechs Agilitätsdimensionen untersucht.

Agile Methoden wie Design Thinking und Scrum werden immer populärer. Gut ein Drittel der HR-Abteilungen (35 Prozent) nutzt bereits ständig oder regelmäßig Design Thinking, 31 Prozent setzen Scrum ein. Andere Methoden sind weniger verbreitet. So geben 58 Prozent der Befragten an, niemals Business Model Canvas anzuwenden. Lean Start-up kommt sogar bei 63 Prozent nie zum Einsatz.

Hinsichtlich der Organisationsstruktur gibt es bei der Agilität große Unterschiede. So haben variable Vergütung und 360 Grad-Feedback schon in circa. 40 Prozent der Personalabteilungen Einzug gehalten, doch nur neun Prozent arbeiten vollständig ohne Linienaufgaben und organisieren sich in Squads, Tribes und Chapters komplett selbst.

Die Untersuchung der Arbeitsformen ergab, dass Großraumbüros und Vertrauensarbeitszeit bei rund der Hälfte der Studienteilnehmer weit verbreitet sind. Allerdings stoßen sie laut Studie vor allem in stark von Mitbestimmung geprägten Unternehmen immer wieder an ihre Grenzen.

In Sachen agile Kompetenzen fällt die Selbsteinschätzung vergleichsweise wohlwollend aus. Kompetenzen wie Business Development und agiles Projektmanagement sind jedoch im Gegensatz zu Skills wie emotionale Intelligenz, Lern- und Veränderungsfähigkeit bisher wenig ausgeprägt.

Die Agilitätsdimension Führung zeigt, dass HR hier noch eher traditionell vorgeht. Aufgaben- und Performanceorientierung rangiert vor charismatischer und transformationaler Führung. Schlanke Teams mit durchschnittlich sieben Personen werden zumeist von funktionalen Spezialisten eng geführt mit dem Ziel, Ergebnisse abzuliefern.

Die Untersuchung des Aspekts digitale Technologien kommt zu dem Ergebniss, dass 70 Prozent der Personaler Social Media und HR-Software einsetzen, 58 Prozent nutzen mobile Endgeräte/Apps, 20 Prozent setzen auf Big Data und nur eine Minderheit von fünf Prozent setzt Künstliche Intelligenz ein.

Agile HR könnte und sollte Vorbild für die gesamte Belegschaft sein

Die Studie zeigt außerdem, dass der Agilitätsgrad einer HR-Funktion signifikant mit der Innovationskraft ihrer Produkte und Services zusammenhängt, außerdem mit dem agilen Reifegrad der gesamten Organisationsstruktur. Die Studienautoren sind der Ansicht, dass Personaler nur als wirksame Berater fungieren und der eigenen Belegschaft zu Wettbewerbsvorteilen verhelfen können, wenn sie selbst agile Vorbilder sind. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass sich HR in eher klassischen Handlungs- und Sozialkompetenzen stärker einschätzt und schwächer in modernen unternehmerischen und Innovationskompetenzen ein. Damit, so die Studie, versäumen Personaler die Gelegenheit, sich als strategischen Business Partner darzustellen und auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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