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Cartoon von zwei Männern, die ein Selfie von sich machen.
Cartoon: Kai Felmy

Jeder kennt sie: nervige Leute, die einem ständig ungefragt ihre Meinung aufdrängen. Das ist ja heute tinder-, pardon, kinderleicht, SM (Social Media) sei Dank. Es wird gebloggt, getwittert und gepostet, bis der Newsfeed ächzt.

So wird man als emsiger Meinungsverbreiter dann, ehe man sich’s versieht, als “Top Voice DACH” ausgezeichnet. Diesen Titel hat Linkedin den 25 Mitgliedern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verliehen, die sich im vergangenen Jahr besonders einflussreich und eloquent an den Trenddebatten im Karrierenetzwerk beteiligt haben. Darunter, man mag es kaum glauben, ganze zehn Stimmen aus dem HR-Bereich. Personaler als Thementreiber? Holy Sh*t!!!

Doch bevor Sie jetzt sagen, “nice” – watch out! Passen Sie auf, wem Sie das neue Etikett aufkleben. Denn wer den Teufel im Detail sucht, findet heraus, dass die Mehrzahl der zehn “HR-Influencer” gar keine (aktiven) Personaler sind, sondern Berater. Einmal mehr fühlen wir unseren Eindruck bestätigt, dass die HR-Öffentlichkeit in Wahrheit eine Echokammer ist, deren Wände vom Consulting zusammengezimmert wurden. Und nicht zuletzt wir Fachmedien sorgen mit dafür, dass sich das Echo eine Weile hält.

Zum anderen – so sad! – ist der Influencer alles, nur kein HRler. Jedenfalls nach Definition der Anglizismus- Jury: “Das Wort Influencer bezeichnet (meist jüngere) Menschen, die allein durch ihre große Reichweite in den sozialen Medien in der Lage sind, die öffentliche Meinung mitzugestalten.” Gemeint sind Leute wie Bianca “Bibi” Heinicke, Dagmar “Dagi Bee” Ochmanczyk und Pamela “Pamela Reif ” Reif. Die kennen die DDR nur aus Geschichtsbüchern, halten Angela Merkel für die natürliche Kanzlerin von Deutschland und begeistern mit ihren hashtaglichen Schminktutorials, Beautytipps und Fitnessvideos Millionen von Followern. Da ist ein Dave Ulrich mit 24 400 Twitter-Abonnenten ein sozialmediales Nichtereignis – #epicfail!

Wer Influencer sagt, muss auch Marketing sagen. Kluge Personalmarketeers haben sich die Techniken der Werbebranche abgeschaut und längst gecheckt, dass Influencer-Marketing der Next-Level-Shit im Employer Branding ist. Der Versandhändler Otto bildet seit vergangenem Herbst 100 Mitarbeiter zu “Corporate Influencern” aus, zu Unternehmens- und Jobbotschaftern also, die auf Veranstaltungen und im Netz potenzielle Bewerber ansprechen sollen. Auf Instagram gibt’s den passenden Hashtag #ottojobs dazu (oder #jobsfuerottos? Lol). Auch andere Unternehmen wie EY, Rewe, Vodafone oder die Bundeswehr haben schon Kampagnen auf dem zurzeit wichtigsten Influencer-Kanal Instagram gestartet.

Das Fazit lautet also: Go with the flow! Reiten Sie die SM-Welle. Überholen Sie die Berater. Geben Sie sich gar nicht erst wortreichen Erklärungen Ihrer HR-Ansichten hin. Liefern Sie lieber Ansichten aus HR, ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte: Posten Sie ein Foto Ihres Essens aus der Kantine (#kotzwürg). Machen Sie aus dem Bewerbungsgespräch eine Instastory (#epicinterview). Posen Sie in der neuen Sicherheitswarnweste vom Werkschutz (#safetyissexy). Richten Sie einen Twitter- Account für Ihren Bürohund ein (@feelgoodmanager_bodo). Mehr Selbstinszenierung wagen! Schließlich wusste schon William “Billie Shake” Shakespeare, einer der größten Influencer ever: “Die ganze Welt ist Bühne …”