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Schlagwort Out-of-the-box: Raus aus der Kiste

Montagmorgen, Meetingzeit. Das Wochenende wirkt noch nach, träge schleppt sich die Runde dahin. Auf einmal platzt dem Chef der Kragen. “So kommen wir auf keinen grünen Zweig. Wir müssen da ganz anders rangehen!” Sekunden des betretenen Schweigens verstreichen. Dann bricht es aus der Führungskraft heraus: “Denken Sie doch mal out of the box!”

Comic von einem Mann, der aus einer Kiste fliegt.
Cartoon: Kai Felmy

Wenn die Ideen im Meeting “out of the box” sprudeln, kommt oft etwas heraus, was man sich ursprünglich gar nicht vorstellen konnte. Oder wollte. Frei nach Star Trek: To boldly go where no man has gone before. Doch wo was rauskommt, muss doch erstmal was drin gewesen sein, oder? Ergo ist so eine echte Innovationskiste auch immer ein bisschen kramig.

Mäkelige Menschen werden vielleicht anmerken, dass man die Ideen ja eben nicht AUS der Kiste nehmen, sondern außerhalb derselben ersinnen soll, mithin über den Tellerrand schauen. Noch so eine Phrase. Zurückgemäkelt: Wenn sich die guten Ideen nur außerhalb finden lassen, kann ja nicht so viel drin gewesen sein in der Kiste. Also, im Kopf. Die innovative Idee entsteht also eher aus einem Mangel heraus. Wem nichts Sinnvolles mehr einfällt, der sollte es mal mit ein wenig Blödsinn versuchen.

Und warum nur außerhalb der mickrigen Box denken, wenn es auch eine große Kiste sein kann? Oder gleich ein ganzer Schrank? Nein, lieber doch nicht. Out of the closet könnte zu dem einen oder anderen ungewollten Missverständnis führen. Überhaupt, die Verwendung des Begriffs ist ein wenig merkwürdig: Im Softwarebereich bezeichnet out of the box eine Lösung, die sämtliche zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe erforderlichen Mittel bereits enthält und ohne Anpassungen sofort nach der Installation bereitstellt. Betriebsfertig, ohne dass noch zusätzliche Komponenten ein- oder angebaut werden müssen. Also nix mit Innovation, sondern eher das Gegenteil davon.

Es nutzt nichts: Wer out of the box denkt, muss die alten Zöpfe abschneiden, das Pferd von hinten aufzäumen, ausgetretene Pfade verlassen, seinen Horizont erweitern. Und anschließend fünf Euro ins Phrasenschwein schmeißen. Mindestens. Wenn dabei eine gute Idee herauskommt, ist das Geld wenigstens gut angelegt.

Vielleicht sollten Unternehmen ihre Teams auch aufteilen: Die “In-the-box”- und die “Out-of-thebox”- Denker. Konservativ trifft Innovation. Im besten Fall. Im schlechtesten Fall vermischen sich lediglich Langeweile und Blödsinn. Da hat man dann einen echten “pain point”. Noch so ein Anglizismus, den keiner braucht. Dagegen hilft allerdings auch kein Gedanke außerhalb der Kopf-Box, sondern höchstens ein guter Arzt, der einem das Händchen hält, bis der Schmerz nachlässt.

Dieses Buzzword Bingo ist in Ausgabe 08/18 erschienen. Sie können das gesamte Heft in unserem › Shop bestellen.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft. Er ist spezialisiert auf die Themen Arbeitsrecht und Outsourcing und verantwortlich für die redaktionelle Planung verschiedener Sonderpublikationen der Personalwirtschaft.