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Digitalisierung: Verpasst HR Chancen?

Mann steht vor einer Wand, darauf mit Pfeil nach links
KI oder andere neue Technologien und HR nicht als Gegensatz betrachten, sondern zu einer Symbiose verbinden, ist laut einer Studie die Aufgabe.
Foto: © takasu/StockAdobe

Die Digitalisierung geht auch an HR nicht vorbei. Eine Studie kommt jedoch zu dem Schluss, dass deutsche Personalabteilungen hinsichtlich der Nutzung neuer Technologien hinterherhinken. Der Grund: In Stellenanzeigen geht die Nachfrage nach HR-Experten mit IT-Skills zurück.

In Deutschland ist die Nachfrage nach HR-Mitarbeitern mit IT-Kenntnissen von 2017 bis 2018 um vier Prozent gesunken. Dagegen ist sie in neun untersuchten Ländern im Schnitt um 1,3 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Studie hervor, für die HRForecast gemeinsam mit der ESPC Berlin mehr als 120 000 HR-spezifische Stellenausschreibungen analysiert hat. Die Studie ermittelte einen Future Readiness Score für die Personalabteilungen, danach steht Deutschland mit einem Wert von 23 Prozent auf dem vorletzten Platz; nur Indien schneidet mit 14 Prozent noch schlechter ab. Am weitesten sind die Niederlande mit 32 Prozent, gefolgt von den USA (31 Prozent), Kanada (30 Prozent), dem Vereinigten Königreich (29 Prozent), Singupur (28 Prozent) China (28 Prozent) und Polen (25 Prozent).

Zu viel Administration, zu wenig IT-Kompetenz

Für die gesunkene Nachfrage nach Personalern mit IT-Skills in Deutschland könne es mehrere Gründe geben, so die Studie: HR hat den technischen Fortschritt frühzeitig antizipiert und schon in den Vorjahren darauf reagiert. Oder HR hat die Potenziale von Big Data, Predictive Analytics und KI noch nicht ausgeschöpft, sondern sich eher auf administrative Aufgaben konzentriert, statt sich als strategischer Business Partner zu etablieren, der mit datenbasierten Entscheidungsgrundlagen überzeugt. Möglicherweise fehlten deutschen Personalabteilungen auch die notwendigen Kompetenzen, um die digitale Transformation voranzubringen. Auch wenn es keine eindeutige Erklärung gibt, unterstellen die Studienautoren, dass ein gutes Verständnis des Potenzials verschiedener Technologien doch zu mehr Investitionen in IT und HR-Experten mit IT-Kenntnissen geführt hätte. Das Fazit lautet: Deutsche Personalabteilungen sind nicht wirklich auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet.

HR sollte bei der Automatisierung eine führende Rolle einnehmen

HR sollte die Digitalisierung als Chance sehen und dabei eine führende Rolle einnehmen, so die Studienautoren. Zentrale Funktionsbereiche wie Personalbeschaffung, Talentmanagement und Karriereplanung seien aufgrund von Big Data, Robotik und KI im Wandel begriffen, was innovative Lösungen der Nutzung von beispielsweise Gamification, Chatbots, Workforce Analytics oder digitalen Echtzeit-Lernsystemen erfordere. Auch sei die Personalabteilung für die Gestaltung einer von Kollaboration, Wissensaustausch und permanenter Weiterbildung gekennzeichneten Arbeitsumgebung verantwortlich, die eine effektive Symbiose zwischen Mensch und Maschine ermögliche. Durch die Automatisierung manueller Tätigkeiten habe HR überdies mehr Zeit, sich auf strategische Aufgaben zu konzentrieren.

Mehr Informationen über die Studie “Everything is moving except HR. Why does Germany fall behind?” gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.