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Integration? Natürlich, aber mit der Politik

Das Bild zeigt Emitis Pohl
Emitis Pohl ist geschäftsführende Gesellschafterin der Kommunikationsagentur
ep communication GmbH und Buchautorin. Foto © Parham Farajollahi

Sirenen, Leichen und die ständige Angst, die nächste Bombe könnte unser Haus treffen: Damit bin ich in Teheran aufgewachsen, bis ich 13 war. Dann haben meine Eltern mich, ihre einzige Tochter, schweren Herzens nach Deutschland gehen lassen. Für mich war klar: Entweder ich lerne und integriere mich oder ich muss zurück in den Iran. Mein Ehrgeiz und Antrieb waren groß, es zu schaffen. Komplett auf mich allein gestellt, musste ich die Sprache schnell lernen und mein Leben in einem zunächst fremden Land organisieren.

Nun, knapp 30 Jahre später, bin ich Inhaberin einer Kommunikationsagentur und wurde 2018 zur “Unternehmerin des Jahres” gewählt. Zusammen mit dem Arbeitgeber Köln e.V. und dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration habe ich darüber hinaus im gleichen Jahr einen Integrationspreis ins Leben gerufen.

Denn auch in meiner Agentur prallen die verschiedensten Kulturen aufeinander: Meine Mitarbeiter kommen aus Russland, Polen, Holland, der Türkei oder dem Irak. Sie sind allerdings keine aktuellen Flüchtlinge. Denn solange sie keine offizielle Aufenthaltsgenehmigung haben, können die Neuankömmlinge nicht legal arbeiten. Und wenn sie eine vorläufige Aufenthalts- beziehungsweise Arbeitsgenehmigung haben, besteht die Gefahr, dass sie irgendwann doch ausgewiesen werden könnten.

Als Arbeitgeberin frage ich mich da: Wie stelle ich jemanden ohne gültige Arbeitserlaubnis ein, obwohl er oder sie perfekt auf meine Stelle passt? Was mache ich, wenn ein gut integrierter Mitarbeiter plötzlich ausgewiesen wird?

Für eine gelungene Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt müssen also die Rahmenbedingungen stimmen. Aus unternehmerischer Sicht kann bereits viel getan werden. Wenn mich Geschäftspartner nach Tipps fragen, empfehle ich ihnen häufig ähnliche Maßnahmen wie die zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Das kann zum Beispiel der intensive Sprachkurs sein oder Unterstützung beim Behördengang. Bei Flüchtlingen kommt erschwerend hinzu, dass sie oftmals traumatische Erfahrungen durchgemacht haben. Die aktuelle Belegschaft muss entsprechend sensibilisiert werden. Trotzdem darf sie keine Scheu davor haben, die neuen Mitarbeiter besser kennenzulernen.

Allerdings ist auch die Politik gefordert, bessere Gesetzesgrundlagen zu schaffen. Ich sage schon seit vielen Jahren, dass wir ein Fachkräftegesetz benötigen, um die zahlreichen offenen Arbeitsstellen, etwa in der Pflege und im Handwerk, besetzen zu können. Gerade erst war ich in Berlin beim Wirtschaftsrat der CDU, habe viele Politiker reden hören. Was ich sehr begrüße, ist, dass in diesem Jahr noch ein entsprechendes Gesetz verabschiedet werden soll.

Zusammenfassend: Das, was wir als Unternehmer für die Integration von Flüchtlingen leisten könnten, ist enorm. Aber ohne entsprechende Möglichkeiten sei tens der Politik bleibt diese Ressource insbesondere für kleine Betriebe völlig außer Reichweite.