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„Spaces“: Audi führt eigene Arbeits- und Lernplattform ein

Aus dem Homeoffice miteinander interagieren, als wäre
man gemeinsam im Büro: Audi hat im August seine neue Arbeits- und Lernplattform
“Audi spaces” eingeführt. Im Interview erklärt Projektleiter Patrick Zöbisch
die Vorteile der Arbeits- und Lernumgebung und spricht über weitere Pläne.

Portrait Patrick Zöbisch.
Patrick Zöbisch, Projektleiter Audi spaces, verantwortete die Planung und Implementierung der Plattform. Foto: AUDI AG

Personalwirtschaft: Herr Zöbisch, Sie haben bei Audi
im Spätsommer die neue Arbeits- und Lernplattform “Audi spaces” eingeführt. Wie
unterscheidet sich das Tool von anderen, die 3-D-Avatare und -Räume schaffen?
Patrick Zöbisch:
“Audi spaces” basiert im Unterschied zu
anderen 3D-Lernangeboten auf einem Plattformkonzept – und genau das sorgt auch für
die Vielseitigkeit dieses Tools. Das Angebot kann individuell für
unterschiedliche Themen, Zielgruppen und Einsatzszenarien genutzt werden. Die
User können die Anwendung individuell und nachhaltig anpassen und skalieren.
Damit schließt die Plattform die Lücke zwischen reinen Kommunikationstools und
hoch-immersiven Lernanwendungen in VR und AR. Ein weiterer Vorteil ist, dass
Mitarbeitende ohne zusätzliche Hardware auf die Anwendung zugreifen können. Gleichzeitig
schafft das Tool durch die Begegnung im 3D-Raum ein Gemeinschaftsgefühl. Durch
die zusätzlichen virtuellen Interaktionsmöglichkeiten eignet sich “Audi spaces”
gut für längere Sessions. Denn dank des erhöhten Realitätsfaktors ermüden die
Lernenden weniger schnell und die Trainerinnen und Trainer können auf ähnlich
viele Möglichkeiten der Gruppensteuerung zurückgreifen wie in einem
Präsenztraining.

Wie genau können
Teams über das Tool virtuell zusammenarbeiten?

Die Avatare der Mitarbeitenden können vielfältig miteinander
interagieren: Sie lassen sich durch die Räume steuern und sind in der Lage zu
gestikulieren, indem sie etwa mit der Hand winken. Auch Räume und Lernumgebung
sind je nach Bedarf der Lernenden frei gestaltbar. Die User können Inhalte auf
Medienwänden präsentieren, Medien anschauen, gemeinsam Flipcharts bearbeiten
oder Notizen und Grafiken erstellen.

Wo wird das Tool
eingesetzt?

Es wird zum Beispiel als Lern- und Trainingstool, als
Coaching- und Beratungsinstrument und für die digitale Zusammenarbeit und
Kommunikation eingesetzt. Konkrete Einsatzgebiete sind beispielsweise Workshops,
Teambesprechungen, Teamrunden, Trainings, beim kollaborativen Zusammenarbeiten
in großen oder kleinen Gruppen und für virtuelle Messen.

Welchen Ansprüchen muss so ein Tool genügen?
Die Anwendung soll für jeden nutzbar und intuitiv bedienbar
sein. Außerdem soll sie einen Mehrwert gegenüber vorhandenen Tools bieten. Es
soll Kolleginnen und Kollegen über Ländergrenzen hinweg vernetzen und den Spaß
am Lernen und Arbeiten fördern.

Nutzen denn auch
Blue-Collar-Mitarbeiter die Plattform
Sie steht grundsätzlich allen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern und damit auch den Kolleginnen und Kollegen in der Produktion zur
Verfügung.

Ist das Tool an eine
andere Plattform angegliedert oder ist es eine eigenständige Anwendung?

“Audi spaces” ist eine eigenständige Anwendung. Das Tool baut
auf einer Plattformanwendung eines Dienstleisters auf, mit dem Audi
zusammenarbeitet. Dabei wurden Audi-spezifische Anpassungen bezüglich User
Experience-Design, Navigation, Features, IT-Infrastruktur et cetera vorgenommen.

Hat Audi das Tool
selbst entwickelt?

Die erste Idee entstand 2016 auf der Messe “Learntec”.
Gemeinsam mit einem Dienstleister haben wir die Idee weiterentwickelt und auf
die Audi-spezifischen Bedarfe angepasst. In einem ersten Step sind wir mit
einem Pilotprojekt mit rund 350 Test-Usern gestartet – unter wissenschaftlicher
Begleitung und Auswertung aller Daten und einer User-Experience-Design-Studie. Von
der Idee über die Entwicklung und den Proof of Concept bis hin zum Roll-out dauerte
es dann alles in allem vier Jahre.

Screenshot Audi spaces.
Die Arbeits- und Lernplattform “Audi spaces” ermöglicht es Mitarbeitenden im digitalen Raum über Avatare zu interagieren. Präsentationen und Inhalte können auf Mediaboards auf der Plattform geteilt werden. Screenshot: AUDI AG

Wie viele Menschen
nutzen das Tool?

“Audi spaces” wird seit dem Roll-out immer beliebter. Täglich
werden der Plattform neue Einsatzszenarien hinzugefügt. Mittlerweile nutzen
mehr als 4000 Audianerinnen und Audianer in circa 200 Veranstaltungen pro Monat
die neuen Möglichkeiten der virtuellen Zusammenarbeit.

Sind weitere
Entwicklungsschritte der Plattform und ihrer Nutzung geplant?

Es liegt in der Natur der Sache, dass solche Plattformen
nicht statisch sind, sondern immer verbessert werden können. So wollen wir zum
Beispiel mehr Individualisierungsmöglichkeiten für die Avatare bieten, neue
Features für die Zusammenarbeit zwischen Trainierenden und Teilnehmenden
entwickeln und weitere Marken des Volkswagen-Konzerns bei der Anbindung
unterstützen – Anfragen haben wir schon reichlich bekommen.

“Audi spaces”
Die
Plattform wurde Ende August 2020 ausgerollt. Gepflegt und gewartet wird sie
durch die Audi IT und die Audi Akademie. Zur Zeit wird sie von circa 4000
Mitarbeitenden im Monat genutzt. Zu den Projektkosten wollte sich das Unternehmen nicht äußern, Audi gab aber an, dass Kosten und Nutzen in einem guten Verhältnis stehen würden.

Ist Redakteur der Personalwirtschaft und betreut das Magazin als Projektleiter. Er kümmert sich außerdem um die crossmediale Verbreitung der Inhalte. Seine Themenschwerpunkte sind Employer Branding, HR-Software sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.