Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Ist mobile Working die Antwort?

Portrait Ralf Heller.
Ralf Heller, Geschäftsführer und Vorstand, Virtual Identity AG, München. Foto: Virtual Identity AG

Personalwirtschaft:
So schnell wird das Corona-Virus nicht verschwinden. Wie wirkt sich das
mittelfristig auf Ihre Bürolandschaft aus?

Ralf Heller:
Unser Nutzungskonzept ist
auf informelle Begegnung, Kommunikation und Kollaboration ausgelegt. Unser
“Foyer” wurde als Begegnungsstätte für externe Kunden, Partner und die Online-Community konzipiert.
Dort veranstalten wir Events und Kreativ-Workshops mit bis zu 120 Menschen und laden
zum Hackathons
ein. Das alles bricht weg und es stellt sich die Frage, ob wir unser Büro jemals
wieder wie vorher nutzen können. Ob mit oder ohne Umbauten nach den aktuellen
Arbeitsschutzstandards: Es deutet sich an, dass mobile Working das “neue Normal”
wird. In dieser Situation haben wir dann zu viel Raumangebot.

Bedeutet das “neue Normal”, dass künftig alle Mitarbeiter
mobil arbeiten?

Das keinesfalls, aber im Grundsatz lautet die Frage: Wie viel Büro brauchen wir
eigentlich noch? Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass produktives Arbeiten
auch anders als in Präsenz funktioniert. In diesem Moment muss man sich als
Unternehmer fragen, warum und welche Flächen man künftig vorhalten sollte. Denn
wir beobachten in unserer Belegschaft zwei Reaktionen: Die eine Hälfte findet das
mobile Office super, die andere Hälfte zieht es ins Büro. Sie wollen den regelmäßigen
persönlichen Kontakt mit Kollegen.

Lässt sich das, was Sie mit dem Open Office
angestrebt haben – Begegnung, informeller Austausch, kreative Kollaboration –
ohne physische Kontakte herstellen?

Das halte ich für schwierig. Die technischen Kollaborationssysteme
funktionieren bei beruflichen Aufgaben sehr gut, doch was verloren geht, ist
der informelle Kontakt – der auch eine Quelle für Kreativität sein kann. Zwar
findet auf unseren internen Social-Media-Kanälen ein Teil des spontanen,
persönlichen Dialogs statt. Aber die Menschen wollen Begegnung, sie suchen das
unmittelbare Zusammentreffen mit Kollegen. Sie sind ermüdet vom Starren auf den
Bildschirm bei vielen   Videokonferenzen.
Wir müssen uns überlegen, wie wir die informelle Kommunikation ermöglichen und
fördern.

Wie sieht Ihre Prognose für die Zukunft aus?
Vermutlich brauchen wir deutlich weniger Büro- und Repräsentanzfläche. Momentan
beschäftigen uns aber eher die strategischen Fragen: Was kann und muss ein
Office leisten? Welche Rolle spielt es für die Unternehmens- und Teamkultur? Für
die Identifikation mit dem Arbeitgeber? Wie kann das individuelle Bedürfnis
nach sozialer Begegnung erfüllt werden? Wir suchen noch nach Antworten.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Oktober-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.

Christiane Siemann ist freie Journalistin und Moderatorin aus Bad Tölz, spezialisiert auf die HR- und Arbeitsmarkt-Themen, die einige Round Table-Gespräche der Personalwirtschaft begleitet.