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Nah oder fern?

Portrait Olaf Salm.
Olaf Salm, Business Partner, Headquarter und zentrale Dienste, Deutsche Telekom GmbH, Bonn. Foto: Deutsche Telekom GmbH

Personalwirtschaft: Wie gelingt die Umsetzung der
notwendigen Corona-Schutzmaßnahmen in offenen Bürolandschaften?
Olf Salm
:
Letztlich gibt es keinen
großen Unterschied, ob wir über offene Bürowelten oder Mehrpersonenbüros sprechen.
Im Kern gelten die gleichen Schutzmaßnahmen und hohen Hygienestandards. Aktuell
ist jeder zweite Arbeitsplatz gesperrt, sodass maximal 50 Prozent der
Belegschaft im Büro arbeitet. Die Desk-Sharing-Situation vermeiden wir weitestgehend.
Unsere Herausforderung bestand eher in
der Menge und Unterschiedlichkeit der Flächen, die wir bundesweit anpassen
mussten.

Verändert die Pandemie das Konzept des
Großraumbüros auf Dauer?

Das ist durchaus möglich. Wenn die Situation länger anhält, planen wir die Arbeitsplätze
rein räumlich und ergonomisch neu auszurichten. Dabei wollen wir aber keine Plexiglastrennwände
einziehen, in denen die Beschäftigten wie in “Kästen” sitzen. Maßgeblich bleibt
bei der Gestaltung der Wohlfühlfaktor. Hilfreich
ist, dass wir auf freie Raumkapazitäten ausweichen können. Zum Beispiel indem Besprechungsräume
in Arbeitsplätze umgewandelt werden, sodass wir alle Auflagen der
Arbeitsschutzstandards erfüllen können.

Wie gehen Sie künftig mit den ungenutzten
Flächen um, wenn 50 Prozent der Mitarbeitenden mobil arbeiten sollten?

Das Thema Flächenreduktion erfordert eine separate Betrachtung, die nicht unbedingt
mit der Corona-Thematik korreliert. Die Aufgabe, wie wir das “New Normal”
gestalten, bei dem ein Teil der Mitarbeiter nicht im Präsenzbüro arbeitet, hat jedoch
durch die Infektionslage einen weiteren Schub bekommen. In die Beantwortung der
Frage, wie viel und welche Art von Raumkapazität benötigt wird, müssen quantitative
und qualitative Gesichtspunkte einfließen. Wir arbeiten an einer Strategie, die
alle Aspekte berücksichtigt.

In welche Richtung gehen die Planungen?  
Die Prämisse bei der Telekom lautet: In der Summe wollen wir keine “Lonesome
Freelancer”. Komplett auf Distanz zu arbeiten, bedeutet immer einen Verlust an
Kommunikation. Auf der einen Seite erfordern bestimmte Tätigkeiten wie das
Co-Kreieren oder Generieren von Ideen einen persönlichen Austausch. Auf der
anderen Seite möchten Menschen ein Zugehörigkeitsgefühl spüren, Teil eines großen Ganzen und eines Teams sein.
Auch die Frage, wie die Unternehmenskultur bei einer künftigen Art der
Zusammenarbeit gelebt werden kann, beschäftigt uns.

Gibt es schon Antworten?
Wir kennen die Richtung, die wir ausgestalten wollen, aber momentan stellen wir
mehr Fragen, als wir Antworten haben. Wie
schaffen wir Raum und Akzeptanz im Unternehmen für die einzelnen Bedarfe? Wie
informell müssen die Räume gestaltet werden? Wie sehen Kantinen in der Zukunft
aus? Sicherlich wird es eine Mischsituation von Präsenzarbeitsplatz und mobile
Working geben. Aber wie die kulturprägenden Begleitbedingungen gestaltet
werden, wissen wir noch nicht final. Wir stecken mitten in einem
Entwicklungsprozess.

Wie könnten die Arbeitsplätze künftig aussehen?
Es zeichnet sich ab, dass wir einen Mehrbedarf an Kollaborationsflächen haben
werden. Beispielsweise in Form von “Werkbänken”, an denen sich Mitarbeiter austauschen
können. Also ein Raum mit einem großen Tisch, der genügend Abstand zwischen den
einzelnen Personen bietet, aber trotzdem eine Workshop-Atmosphäre ermöglicht. Die
Bedeutung des Büros verlagert sich: vom zurückgezogenen Arbeiten hin zu sozialen
Begegnung und Kommunikation. Das stille konzentrierte Arbeiten findet eher mobil
statt.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Oktober-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.

Christiane Siemann ist freie Journalistin und Moderatorin aus Bad Tölz, spezialisiert auf die HR- und Arbeitsmarkt-Themen, die einige Round Table-Gespräche der Personalwirtschaft begleitet.