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Die Planung macht‘s

Portrait Eva Voß.
Dr. Eva Voß, New Ways of Working Leader, verantwortlich für Gesundheitsmanagement,
EY Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Stuttgart. Foto: EY

Personalwirtschaft: Wie sehen Open Offices unter
Pandemie-Corona-Bedingungen aus?
Dr. Eva Voß
: Die offenen Flächen eignen
sich sehr gut, um alle Arbeitsschutzstandards umzusetzen. Wir haben unterschiedliche
Standorte und jede Standortleitung arbeitet mit einem Re-Opening-Plan, der die
spezifischen Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt: von Leitsystemen
und Markierungen zum Beispiel in Fahrstühlen, Teeküchen und Arbeitsplätzen bis
zur Bereitstellung von Desinfektionsmitteln. Mit einer guten Planung ist es fast
egal, welche Struktur die Räume haben, denn die Herangehensweise ist ähnlich. Die
nicht belegbaren Arbeitsplätze werden optisch gesperrt. Über ein Reservierungssystem,
bei dem sich Mitarbeiter 24 Stunden vorher anmelden, können die Standorte die freien
Kapazitäten steuern.

Wagen
Sie einen Blick in Zukunft: Wie werden die Büros in zwölf Monate genutzt?

Es wird das Beste aus beiden Welten geben. Erste Studien haben gezeigt, dass
die Beschäftigten nicht in den “Old Normal”-Zustand zurückkehren wollen. Unseren
internen Befragungen zufolge schätzen die Mitarbeiter das Homeoffice vor allem
auch, weil das Pendeln zum Arbeitsplatz wegfällt. Gleichzeitig möchten sie aber
den Teamkontakt halten. Daher könnten in Zukunft Präsenzarbeitsplätze mehr für
die Kollaboration genutzt werden, während das Remote-Working der Einzelarbeit vorbehalten
bleibt. Dies ist jedoch nicht mit gleichzeitiger Kinderbetreuung möglich. Wir
hoffen, dass sich diese Ausnahmesituation der vergangenen Monate nicht
wiederholt.

Was
bedeutet das für die Raumplanung?

Es werden sich alle die Fragen
stellen, ob es zu viele Büroflächen gibt, oder die Büros anders genutzt werden
müssen, um mehr dem dezidierten Austausch zu dienen. Architektonisch wird das
ein oder andere nachgerüstet werden, aber im Prinzip bieten offene Büroflächen die
Chance, dass die Mitarbeiter nicht zu eng zusammensitzen. Für eine bessere
Nutzung der Flächen, werden wir alle weiterdenken müssen.  

Wenn
mindestens die Hälfte der Mitarbeiter für viele Monate oder dauerhaft nicht im
Präsenzbüro arbeitet, was bedeutet das für die Unternehmenskultur, den
Teamspirit und die Führung?

Ich sehe da zwei vorrangige Themen: Zum einen muss
sich die Führung – in einem transformativen Verständnis – verändern. Es geht um
die Aushandlung gemeinsamer Ziele, statt des kleinteiligen Aufzeigens und
Kontrollierens des Weges dorthin. Dabei gilt es zu berücksichtigen, was
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert und antreibt. Außerdem wird es
zunehmend wichtig sein, eine Vertrauenskultur zu entwickeln, in der
eigenständiges Arbeiten floriert und es Raum für neue Ideen gibt. Zum anderen sollte
explizit Zeit fürs Teaming eingeplant werden, die dann auch Teil der
wöchentlichen Agenda ist. Seien es beispielweise gemeinsame virtuelle Kaffeetrinken
oder Feierabendgetränke. Neben dem regelmäßigen fachlichen Austausch braucht es
persönliche Gesprächsanteile, um weiterhin motiviert an gemeinsamen Themen zu
arbeiten.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Oktober-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.

Christiane Siemann ist freie Journalistin und Moderatorin aus Bad Tölz, spezialisiert auf die HR- und Arbeitsmarkt-Themen, die einige Round Table-Gespräche der Personalwirtschaft begleitet.