Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Karriere ist nicht alles

Katja Quakatz wechselte nach erfolgreichen Stationen in der Wirtschaft in den Sozialbereich. Denn Status spielte für sie bei beruflichen Weichenstellungen nie die wichtigste Rolle. Trotzdem hat sie noch einiges vor.

Lebenslauf mit Foto

Personalwirtschaft: Nach Ihrem bisherigen Werdegang erscheint der Wechsel zu einem Arbeitgeber im Sozialbereich 2016 eher ungewöhnlich. Warum entschieden Sie sich dafür?
Katja Quackatz:
Nach mehr als zehn Jahren in einer sehr dynamischen Branche und einem Unternehmen, das sich so rasant entwickelt hat wie Repucom, brauchte ich Entschleunigung und eine neue Sinnhaftigkeit. Das Unternehmen war in den letzten Jahren sehr zahlengetrieben und mit einer Private-Equity-Gesellschaft im Rücken war klar, dass früher oder später ein Verkauf ansteht. 2016 übernahm Nielsen Repucom. Der Fokus der Personalstrategie lag in Vorbereitung darauf dann eher auf Konsolidierung als auf Wachstum und zukunftsorientierter Entwicklung, welche für einen Personaler natürlich viel attraktiver ist. Ich habe den Schritt in die Sozialwirtschaft nicht bereut und die Erfolge unserer Projekte bei der Diakonie Düsseldorf geben mir recht.

Welche zentralen Lehren aus dem Studium haben Ihnen im Berufsleben wirklich weitergeholfen?
Ganz ehrlich? Eigentlich keine! Das A und O ist die Praxis. Alles, was ich kann und bin, basiert auf meinen Praxiserfahrungen.

Wo liegen Ihre Talente?
In der schnellen Analyse und Durchdringung von Themen und Problemen, der pragmatischen Lösungserarbeitung und ihrer konsequenten Umsetzung

Was war Ihre prägendste Station und warum?
Ohne Zweifel meine Zeit bei Repucom, in der ich plötzlich globale Verantwortung übertragen bekommen habe, mit schon alleine 700 Mitarbeitern in Indien, amerikanische Unternehmens- und Führungskultur in all ihren Besonderheiten und gleichzeitig die Formierung eines deutschen Betriebsrats, quasi als Gegenbewegung dazu, hautnah erlebt habe. Das waren viele große Herausforderungen auf einmal.

Welche Aufgaben haben Sie dort wahrgenommen?
Als ich bei einer Vorgängergesellschaft im Jahr 2006 begonnen habe, waren wir 75 Mitarbeiter. Als ich das Unternehmen zehn Jahre später verlassen habe, waren wir ein weltweit agierendes und anerkanntes Unternehmen im Bereich der Sportsponsoringforschung und -beratung mit 1700 Mitarbeitern. Dieses Wachstum haben wir sowohl organisch als auch anorganisch erreicht. Alles, was auf diesem extrem erfolgreichen Unternehmensweg mit HR zu tun hatte, lief über meinen Tisch. Zunächst war ich Personalleiterin, zuletzt Global Head of HR.

Schauen wir in die Zukunft: Welche Stationen sollen in fünf oder zehn Jahren hinzugekommen sein?
Als Nächstes würde ich gerne einen Vorstandsposten bekleiden.

Sie haben keine Lücke im Lebenslauf. Wie reagieren Sie auf Bewerber, bei denen das anders ist?
Natürlich mag ich Bewerber, die einen klaren Plan von ihrer Zukunft und ihre nächsten beruflichen Schritte bereits vorgedacht haben. Aber am Ende läuft im Leben nicht alles nach Plan. Es gibt Höhen und Tiefen, gute und manchmal auch falsche Entscheidungen. Aber wenn ich aus einer falschen Entscheidung etwas für die Zukunft gelernt habe und gestärkt daraus hervorgehe, kann sie auch zu einer Stärke werden. Wichtig ist es, nichts zu verstecken, sondern dazu zu stehen. Schon bevor ich gefragt werde, sollte ich mir Gedanken darüber gemacht haben, was mir diese oder jene Erfahrung gebracht hat und warum es wichtig war, sie zu machen.

Authentizität und Ehrlichkeit währen immer noch am längsten.

Welche Chance hat sich in Ihrer Karriere nie ergeben?
In meiner Zeit bei Repucom hatte ich das Angebot, als Global Head of HR nach New York ins Headquarter zu gehen und dort gemeinsam mit meinem Chef, dem CEO der Firma, an allen HR-Themen zu arbeiten. Dies hätte ich gern gemacht, die Chance war also da – ich habe mich aber für die Familie und damit für ein Bleiben in Deutschland entschieden.

Angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen: Wo wären Sie gern länger geblieben?
Bei der Deutschen Bahn wäre ich gern noch ein wenig länger geblieben. Ich war damals an einem spannenden Organisationsentwicklungsprojekt beteiligt und habe mit der Entwicklung eines Kompetenzmanagements einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Gern hätte ich die Implementierung und Umsetzung noch erlebt. Aber damals hat mich die Liebe nach Düsseldorf gezogen.

Welcher berufliche Wechsel war am bedeutsamsten für Ihre Karriere?
Die Übernahme der Rolle des Global Head of HR war der wichtigste Schritt für mich bisher. Hierbei musste ich meine Kompetenzen noch einmal auf einer ganz neuen, einer internationalen Ebene, unter Beweis stellen. Das Zusammenwachsen verschiedener Unternehmen und damit Arbeits- und Führungskulturen war eine große Herausforderung, aber auch eine große Bereicherung. Für eine sehr anspruchsvolle Führungskraft, wie unseren damaligen CEO, zu arbeiten, hat mich vieles gelehrt – fachlich wie persönlich.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.

Sie wollen uns die Meinung sagen?
Nur zu!
Jetzt Feedback geben & Prämie erhalten »
Sie wollen uns die Meinung sagen?
Nur zu!
Jetzt Feedback geben & Prämie erhalten »