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Ist jetzt der perfekte Zeitpunkt zum Turnaround?

Portrait Frank Vogel
Frank Vogel ist Geschäftsführer der 2018 gegründeten Strategieberatung DOROTHY in Düsseldorf, die Unternehmen hilft, Sinnstiftung in die Unternehmenskultur zu integrieren, damit daraus neuer geschäftlicher Erfolg erwächst. Vogel war Strategiechef der internationalen Kommunikationsagentur Ogilvy & Mather und arbeitete für Unternehmen wie Unilever, Philips oder Procter & Gamble. Foto: Privat

“Für viele Unternehmen ist der Corona-Zwangsstopp ein existenzbedrohendes Ereignis, auf das sie mit teilweise harten Maßnahmen reagieren. Zwar sind längst nicht alle gezwungen, Mietzahlungen zu stoppen oder Jobs abzubauen, doch so mancher Manager nutzt die Gunst der Stunde, um Kostenstrukturen zu optimieren. So hat er es gelernt. Wer das Primat der Zahlen verinnerlicht und das Prinzip des “Höher, Schneller, Weiter” kultiviert hat, kommt nur schwer davon weg.

Dabei würde es sich lohnen, jetzt statt des “Survival of the Fittest” ein “Survival of the Friendliest” zu praktizieren. Die momentane Krise könnte der Anlass sein, sich grundsätzlich neu zu orientieren. Gerade lernen wir etwa, dass körperliche Distanz neue Nähe schafft. Im Homeoffice sprießen zarte Pflänzchen der Solidarität. Werden sich also auch ganze Unternehmen verändern können? Wahrscheinlich nur, wenn sie verstehen, dass Sinn und Zweck keine Gegensätze sind: Umweltschutz verursacht nicht nur Kosten, sondern bringt auch neues Geschäft. Achtsamkeit schafft Motivation. Diversity führt zu besseren Teamergebnissen. Diese Liste ließe sich um zahlreiche Mut machende Aspekte erweitern.

Es kommt der Tag, an dem die Mitarbeiter ihr Homeoffice verlassen und an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Sie werden einen neuen Geist mitbringen. Unternehmen – und ihre Verantwortlichen – sollten diesen Geist wahrnehmen und aufgreifen.”

Zum Hintergrund
Wenn Sie eines über den Begriff “Krise” wissen, dann doch sicher, dass das chinesische Schriftzeichen hierfür angeblich zugleich die Bedeutungen der Wörter “Gefahr” und “Chance” beinhalten soll. Leider haben Sprachwissenschaftler diese vermeintlich so gefällige Koinzidenz längst als etwas übereifrige westliche Interpretation enttarnt, trotzdem hält sie sich hartnäckig. Und wird auch in diesen Tagen fleißig aufgewärmt. Doch finden Sie nicht auch, dass mit der Corona-Krise mehr potenzielle Veränderung in der Luft liegt als in früheren Krisenzeiten? Dass sich eine gesellschaftlich-kulturelle Umwälzung beschleunigt, die ohnehin in den Startlöchern stand wie der Frühling? Dass es ein “New Normal” geben wird und keinen Weg zurück dorthin, wo wir herkommen? “Die Schönheit der Chance”, sang die Hamburger Indie-Band Tomte einst, “dass wir unser Leben lieben, so spät es auch ist / das ist nicht die Sonne, die untergeht / sondern die Erde, die sich dreht.” Deren Sänger, Thees Uhlmann, schreibt heute exklusiv für die Bild-Zeitung Texte über das Leben als Künstler in Zeiten von Corona. Nun ja. Chance und Gefahr: Vielleicht waren sie einander tatsächlich nie so nah. (von Cliff Lehnen)

Diese "Kurze Frage" lesen Sie auch in unserer Ausgabe 05/2020 im › Online-Archiv.