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Marion Bönsch: Alles hat einen Preis

Portrait von Marion Bönsch

Bitte beschreiben Sie Ihren Lebenslauf mit drei Adjektiven.

Vielseitig, fokussiert und “double hatting” – ich habe eigentlich immer zwei Hüte aufgehabt.

Stichwort “Vielseitigkeit”: Laut Lebenslauf überschneiden sich viele Ihrer Tätigkeiten. Lieben Sie die Herausforderung?

Schon während meiner Diplomarbeit habe ich als Ausbildungsleiterin bei der RWE-DEA angefangen. Oder später bei Shell war ich sowohl lokal als auch global für HR-Bereiche verantwortlich. Ich habe einfach nur die Chance ergriffen, wenn sie da war. Das führte dazu, dass mir auf meinem Berufsweg stets neue Türen geöffnet wurden.

Als viel beschäftigte Frau in einer Führungsposition bekommen Sie diese Frage sicherlich oft zu hören, aber wie schaffen Sie den Balanceakt zwischen Familie und Arbeit?

Es ist ungemein wichtig, ein gutes Netz zu haben. Auch vorausschauendes Planen hilft sehr viel. Und klare Kommunikation. Letzten Endes muss man sich im Klaren sein: Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen? Was sind meine Prioritäten? Übrigens, auch Männer zahlen einen Preis. Schließlich war es früher üblich, dass der Mann das Geld für die Familie verdiente, aber am Ende nicht viel Zeit mit seiner Familie verbracht hat. Aus dieser Zeit heraus existiert noch der Gedanke, dass es lediglich Frauen obliegt, die Balance zwischen Familie und Job zu halten. Dabei kann und sollte diese Frage auch Männern gestellt werden.

Haben Sie von Anfang an einen “Masterplan” für Ihre Karriere verfolgt?

Nein, es gab keinen “Masterplan”. So etwas braucht man auch nicht unbedingt, um erfolgreich zu sein. Wichtiger ist es, sich seine eigenen Stärken, Grenzen und Entscheidungsmöglichkeiten bewusst zu machen. Wenn ich bewusste Entscheidungen treffe, kann ich meinen Weg aktiv beeinflussen. Als ich zum Beispiel das zweite Mal in Mutterschutz gehen wollte, hatte ich einen neuen, amerikanischen Chef. So etwas wie ein Jahr Elternzeit kannte er nicht. Damit er bereit war, mit mir flexible Lösungen zu erarbeiten, habe ich mich auch während der Schwangerschaft sehr engagiert. Schließlich wollte ich, dass er auf mich wartet. Und ich hatte klar kommuniziert, dass ich während der Elternzeit für Onboarding und Fragen jederzeit gern zur Verfügung stand. So hat sich mein Chef auf Vertretungsregelungen eingelassen und am Ende über meine Rückkehr gefreut.

Wie sieht es in Ihrem Job derzeit aus? Welche Projekte treiben Sie bei Shell an?

Shell ist ein globales Unternehmen. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, den weltweiten Energiemix in eine CO2-ärmere Zukunft zu überführen. Für den Transportsektor heißt das etwa, dass wir neben Diesel und Benzin alternative Energiequellen wie Wasserstoff und Flüssigerdgas entwickeln. Neben der Frage, welche Energie, überlegen wir uns aber auch, wie wir diese in Zukunft bereitstellen. Hier bekommen digitale Plattformen eine immer größere Bedeutung. Die Auswirkung auf die Tätigkeiten der Mitarbeiter und die veränderte Art der Zusammenarbeit ist dann wiederum ein Thema für mich als Arbeitsdirektorin.

Das ist ein ganz schön großes Vorhaben. Wie kommt es bei Ihren Mitarbeitern an?

Der Kulturwandel, den wir bei Shell vorantreiben, hat bereits für erste Überraschungen gesorgt. Zum Beispiel wird es in HR nicht mehr den einen Personalleiter geben, den ich als Mitarbeiter immer anspreche, sondern Experten für verschiedene Gebiete und natürlich auch digitale Tools, die die Mitarbeiter nutzen werden. Aber wie auf jeder Reise dieser Art muss man sich gegebenenfalls auch unter Schmerzen von alten Strukturen lösen.


Dieser Beitrag ist in Ausgabe 01/19 erschienen. Sie können das gesamte Heft › hier bestellen