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Vielfalt gewinnt

Lebenslauf Björn Kastl.

Personalwirtschaft: Herr Kastl, die Keimzelle von Mytheresa war eine Münchener Innenstadt-Boutique. Heute liegt der Umsatz bei rund 400 Millionen Euro, geliefert wird in mehr als 140 Länder. Ist die Unternehmenskultur noch familiär oder schon konzerntypisch?
Björn Kastl: Glücklicherweise sind wir weit davon entfernt, eine konzerntypische Unternehmensstruktur zu haben. Durch unsere internationale und divers geprägte Kultur schwingt ein hoher Grad an Eigenverantwortung mit. Wir haben eine “Can-Do-Mentalität” geprägt, die Ideen schnell zu Umsetzungen werden lässt.

Einer Ihrer Schwerpunkte bei Alix Partners war das Thema Compensation & Benefits. Der Dienstwagen soll ja als Benefit ausgedient haben – worauf haben Sie hier Schwerpunkte gelegt?
Der Dienstwagen in seiner ursprünglichen Form mag ausgedient haben. Umso wichtiger sind heute clevere Mobilitätskonzepte, die Mitarbeitenden als Teil der Total Compensation die Fortbewegung mit dem Verkehrsmittel ihrer Wahl und ihres Bedarfs an jedem Ort der Welt ermöglichen. Jenseits der Mobilität ist im Bereich der Benefits freie Wählbarkeit entscheidend. Um Mitarbeitende für zusätzliche Anreize zu begeistern, müssen sie diese individuell passend aussuchen können: Eine Altersvorsorge mag für jüngere (noch) weniger attraktiv sein als ein Jobrad. Da macht es Sinn, mit festen Budgets zu arbeiten.

Würden Sie angehenden Personalern zu einer Ausbildung als Basis für das Berufsleben raten?
Unbedingt! Wer verstehen möchte, wie ein Betrieb wirklich funktioniert und weshalb Bedürfnisse der Mitarbeitenden in Unternehmen so mannigfaltig sind, der sollte einige Zeit rotierend in vielen Abteilungen gearbeitet haben. Diese Möglichkeit bietet eine berufliche Erstausbildung. Ich möchte zum Beispiel meine fünf Monate in der Logistik und im Warenverkauf nicht missen und habe vieles gelernt, was mir in der Personalarbeit heute noch hilft.

Sie haben Ihren Job häufiger gewechselt. War das geplant oder waren die Angebote zu gut, um sie ablehnen zu können?
Meine Stationen waren eher durch Zufall geprägt. Ich finde es spannend, dass Personaler unabhängig von Branchen unterwegs sein können und würde mir wünschen, dass es einen viel höheren Austausch zwischen Personalern verschiedener Industrien geben würde.

Sie haben sich schon während des Studiums auf den HR-Bereich spezialisiert. Warum?
Ich war als Student des Wirtschaftsrechts von internationalem Arbeitsrecht in dessen sehr unterschiedlichen Ausprägungen fasziniert. Sie lassen in hohem Maße Rückschlüsse auf die arbeitskulturellen Prägungen der Länder zu. Außerdem war der Personalbereich die spannendste Station während meiner beruflichen Erstausbildung.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben?
Vielfältig, wechselhaft, arbeitsam.

Wo liegen Ihre Talente?
Meine Stärke liegt darin, komplexe Situationen durchdringen zu können und alternative und ausgewogene Lösungen zu finden.

Gab es Irrwege oder Sackgassen, in die Sie geraten sind?
Nichts von beiden, aber eine immer wiederkehrende Frage: Ich werde häufig darauf angesprochen, was mich zum Wechsel von einem US-amerikanischen Beratungsunternehmen in einen deutschen Großkonzern veranlasst hat. Meine Antwort: Naivität. Ich konnte recht schnell erkennen, dass dies nicht mein Umfeld ist. Aber ich habe viel gelernt über Politik, Gewerkschaften, Konzernbetriebsräte und Abteilungskürzel, sodass ich die Station nicht missen möchte.

Welcher berufliche Wechsel war am bedeutsamsten für Ihre Karriere?
Ich hatte das große Glück, gleich zu Anfang meiner beruflichen Karriere bei Accenture einzusteigen. Da kann man als Neuling im Personalbereich vor dem Hintergrund gut strukturierter Prozesse sehr viel lernen. Daneben war meine Station bei Computacenter bedeutsam, da es dort in einer klasse Unternehmenskultur spannende Themen gab und ein “echtes” HR Business Partner Model. Ich hatte einen großartigen Vorgesetzten, der mich stark gefördert hat und eher Mentor und Coach als bestimmender Chef war. Seine Mitarbeiterführung ist mir bis heute in sehr positiver Erinnerung.

Schauen wir in die Zukunft: Welche Stationen sollen in fünf oder zehn Jahren hinzugekommen sein?
Mittelfristig möchte ich das Wachstum und die damit verbundenen Chancen bei Mytheresa weiter begleiten. Langfristig könnte ich mir vorstellen, mich mehr auf das Thema Mediation zu konzentrieren.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer Dezember-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.