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Der Mann für ausgewogene Lösungen

Lebenslauf Robert Szwedo.
Robert Szwedo ist seit 2016 Leiter des Bereichs Human Resources bei der KfW Förderbank.

Personalwirtschaft: Sie arbeiteten vor Ihrer jetzigen Tätigkeit 20 Jahre lang in der Versicherungsbranche und haben dort eine beachtliche Karriere gemacht. Wie kam es zur Neuorientierung?
Robert Szwedo: Als ich von einer Personalberaterin angesprochen wurde, war ich 43 Jahre alt und habe für mich eine Standortbestimmung vorgenommen. Dabei habe ich große Lust auf etwas Neues verspürt. Viele Punkte haben für die KfW als die deutsche Förderbank gesprochen: nachhaltiges Geschäftsmodell, Gesamtverantwortung für HR, viel Gestaltungsspielraum und sehr wertschätzender Umgang, der bereits im Auswahlprozess erlebbar war.

Die KfW ist die weltweit größte nationale Förderbank. In welcher Rolle sehen Sie sich und Ihre Mitarbeiter?
Die KfW hat eine spannende und gesellschaftlich wichtige Rolle: Sie unterstützt die Bundesregierung bei der Realisierung politischer Ziele wie Umweltschutz, Existenzgründung, Entwicklungszusammenarbeit. Als transformative Förderbank übernimmt die KfW eine besondere Verantwortung bei dem Übergang zu einem nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzsystem. Und nicht zuletzt kommt der KfW eine besondere Bedeutung als Krisenbekämpferin zu: Das war schon so bei der Finanzkrise, als die KfW das Konjunkturprogramm der Bundesregierung umsetzte, und das ist so in der aktuellen Corona-Krise, in der die KfW die Versorgung der Unternehmen mit Liquidität übernimmt.

Sie trugen bei Axa die Verantwortung für rund 10 000 Mitarbeiter. Was wäre ihr Wunsch-Feedback, würde man die Belegschaft heute nach dieser Zeit fragen?
Offen, umgänglich, vertrauensvoll, vernetzt und engagiert. Dabei eine ausgeprägte unternehmerische Perspektive und ein partnerschaftlicher Umgang mit den Mitbestimmungsgremien.

Sie entschieden sich schon sehr früh für den Sprung ins Personalwesen. Warum?
Meine ersten Berührungspunkte mit Personalverantwortlichen fanden in meiner Rolle als Vorsitzender der Gesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretung auf Unternehmensebene statt. Dabei haben mich der Fokus auf den Menschen und die Breite der Personalthemen sehr angesprochen.

Was haben Sie während dieser frühen beruflichen Station über die Menschen gelernt?
Dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse und Perspektiven haben. Das Grundbedürfnis der Mitarbeiter einer Niederlassung war immer die Arbeitsplatzsicherheit, während die Mitarbeiter in der Zentrale vor allem ihre Entwicklung und Karriere vor Augen hatten.

Wie kommen die Mitarbeiter mit dem derzeitigen krisenbedingten Druck klar, einerseits möglicherweise selbst Sorgen und Nöte zu haben, andererseits aber unter Hochdruck und mit Mehrbelastung zu arbeiten?
Die Mitarbeiter der KfW identifizieren sich sehr stark mit ihrer Aufgabe und sie sind sehr stolz auf den Beitrag, den sie in der Krise leisten. Das führt auch zu einer großen Arbeitsbereitschaft und zur gegenseitigen Unterstützung. Es haben sich über 240 Mitarbeiter freiwillig aus anderen Einheiten gemeldet, um das Corona-Sonderprogramm zu unterstützen. Unser Vorstandsvorsitzender hat sogar auf seinen persönlichen Assistenten verzichtet, er hilft momentan auch beim Corona-Sonderprogramm aus. Das ist nicht selbstverständlich.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben?
Zielstrebig, kontinuierlich, fokussiert

Wo liegen Ihre Talente?
Der Umgang mit Menschen wird mir positiv gespiegelt. Ansonsten bin ich nicht konfliktscheu und komme zu ausgewogenen Verhandlungsergebnissen. Dabei darf der Faktor “Spaß” nicht zu kurz kommen.

Welche Lücke hat Ihr Lebenslauf?

Eine Station im Ausland hätte mir bestimmt gutgetan und zusätzliche Türen einer internationalen Karriere geöffnet.

Gibt es auf Ihrem beruflichen Weg eine Mentorin oder einen Mentor?
Ja, ich habe zwei Mentoren gehabt, die mich in meinem Berufsleben bis heute begleiten. Der eine war mein langjähriger Vorgesetzter und der andere war ein Spitzenvertreter der Arbeitnehmervertretung.

Welche zentralen Lehren aus Ausbildung und Studium haben Ihnen im Berufsleben wirklich weitergeholfen?
Eine Ausbildung bietet einen guten Einstieg in das Arbeitsleben, aber die Möglichkeiten und Perspektiven sind schnell erschöpft. Mit dem Studium lernt man, selbstständig und strukturiert zu arbeiten und eröffnet sich damit viel mehr Möglichkeiten fürs Leben.

Welche Chance hat sich in Ihrer Karriere nie ergeben?
Ein Start-up mit einer guten Geschäftsidee zu gründen

Schauen wir in die Zukunft: Welche Stationen sollen in fünf oder zehn Jahren hinzugekommen sein?
Meine aktuelle Station bietet noch ausreichend spannende Aufgaben und es macht mir weiterhin viel Spaß, mit meinem Team für die KfW zu arbeiten. Alles andere wird sich auf der Wegstrecke zeigen …

Welches HR-Thema brennt Ihnen derzeit besonders auf den Nägeln?
Es sind aktuell sehr viele, aber zusammenfassend dreht sich alles um die Neuausrichtung der Arbeitswelt in der KfW. Dazu gehört die agile Transformation der Bank, das Managen von Skills, mobiles Arbeiten in Verbindung mit Desksharing, die Zukunft des Lernens und so weiter.

Was war Ihre prägendste Station und warum?
Eine bestimmte Station, die mich besonders geprägt hat, gab es nicht. Ich konnte in jeder Rolle Erfahrungen sammeln, die mich auf meinem Weg weitergebracht haben und von denen ich bis heute profitiere.

Gab es Irrwege oder Sackgassen, in die Sie geraten sind?
Nein, es hat sich immer eine neue Tür geöffnet.

Angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen: Wo wären Sie gern länger geblieben? Wo wären Sie gern früher gegangen?
Ich möchte keine Station missen. In München wäre ich gern länger geblieben. Nicht wegen der Aufgabe, sondern wegen der reizvollen Stadt und des attraktiven Umlandes.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer August-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.