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Nochmal einen Gang hochgeschaltet

Dorothee Tebbe ist vielseitig und begeisterungsfähig. Das kommt ihr bei Polo zugute – einem
der führenden Anbieter von Motorradkleidung und -zubehör mit rund 900 Mitarbeitenden.

Lebenslauf Dorothee Tebbe.

Personalwirtschaft: Frau Tebbe, ein Jobwechsel mitten in der Corona-Krise – das ist mutig.
Dorothee Tebbe: Ja. Zumindest denkt man in dieser Zeit zweimal darüber nach, und sicher schaut man bei der Unternehmenswahl etwas genauer hin. Aber die Entscheidung für einen Wechsel war ab einem bestimmten Punkt getroffen und Polo für mich das passende Unternehmen mit einer spannenden, neuen Herausforderung.

Von Wolle zum Biker-Outfit ist es ein weiter Weg. Sehen Sie trotzdem Parallelen, beispielsweise in der HR-Arbeit oder im Recruiting?
Beide Bereiche haben gemeinsam, dass die Zielgruppe von derselben Leidenschaft angetrieben ist und sich dies auch stark durch die Belegschaft zieht. So etwas finde ich toll, und diese Begeisterung springt auch auf mich über.

Ihre ersten rund zehn Berufsjahre waren Sie in der Hotelbranche tätig. Warum haben Sie sich dann anderweitig orientiert?
Die Hotelbranche hat mich seit jeher begeistert – und das tut sie weiterhin. Aber ich wollte auch einmal außerhalb dieser Branche arbeiten. In einem Bereich, den ich noch nicht so gut kenne und in dem ich neue Erfahrungen sammeln kann.

Was konnten Sie aus Ihrer Zeit in der Hotelbranche mitnehmen?
Hotel ist Dienstleistung pur, vom Check-in bis zum Check-out. Gerade in meiner Zeit an der Rezeption war ich Anlauf- und Infostelle sowohl für die Gäste als auch für interne Abteilungen. Gefragt war Rundum-Denke. Das legt man nicht mehr ab, und es kommt mir bis heute zugute: Nun ist der Mitarbeitende der “Gast” und abteilungsübergreifendes Denken und Handeln wichtig. Vor allem geht es häufig um gemeinsame Lösungsfindung. In den Hotels waren Gäste immer dann besonders dankbar, wenn man schnell Lösungen für einen kleinen Fauxpas fand. Ohne lange über Gründe zu lamentieren, warum etwas schiefgelaufen war – oder gar noch die Schuld auf den Azubi zu schieben. Auch das gilt bis heute: zuerst die Lösung und dann die interne Analyse.

Ein berufsbegleitendes Studium in Wirtschaftspsychologie ist sicherlich zeitaufwendig und anstrengend. Warum haben Sie sich trotzdem dafür entschieden?
Mit dem Gedanken gespielt hatte ich schon lange, dann aber zunächst aus ganz pragmatischen Gründen zunächst den Abschluss zur Personalfachkauffrau (IHK) gewählt, da dies zeitlich weniger aufwendig war. Aber so richtig ließ mich der Gedanke nicht los, und vor drei Jahren war der richtige Zeitpunkt gekommen. Der Studiengang passt genau zu meiner täglichen Arbeit, er bildet das theoretische Fundament. Ein Vollzeitstudium kam für mich nie infrage. Ich mache zwar drei Kreuze, wenn die Doppelbelastung vorbei ist – aber ich bin weiterhin froh, dass ich es angegangen bin.

Sie waren ehrenamtlich als Richterin tätig – übrigens keinesfalls eine seltene Station in unseren bisherigen Lebensläufen. Wie kamen Sie dazu?
In meinem Fall hat mir mein damaliger Arbeitgeber Junghans-Wolle diese Tätigkeit am Arbeitsgericht Aachen ermöglicht. Man sollte für diese Aufgabe Personalverantwortung und arbeitsrechtliches Verständnis mitbringen – das findet man eben oft bei Personalern, die dann für die Arbeitgeberseite dem Richter beisitzen.

Welcher berufliche Wechsel war am bedeutsamsten für Ihre Karriere?
Das war mein Einstieg im Personalwesen, zunächst als Trainee, bei Maritim. Hier bekam ich die Chance zum Einstieg in diesen für mich bis heute spannenden Bereich. Mir wurde letztlich sogar bereits nach sehr kurzer Zeit der berufliche Aufstieg bis hin zur Personalleitung ermöglicht. Eine solche Chance nach so kurzer Zeit zu bekommen, ist sicher nicht selbstverständlich und daher ganz klar auch meinen damaligen Vorgesetzten zu verdanken.

Welche Lücke hat Ihr Lebenslauf?
Definitiv einen längeren und vielleicht sogar arbeitsfreien Auslandsaufenthalt. Leider kam es nie dazu. Alles ging immer direkt ins Nächste über, was auch stimmig und gut war. Aber manchmal beneide ich die vielen jungen Menschen, die direkt nach dem Abi ins Ausland gehen konnten.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer April-Ausgabe erschienen.

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David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.