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René Demin, HR Director bei Jochen Schweizer

Tabellarischer Lebenslauf von René Demin.

Personalwirtschaft: Welche Chance hat sich in Ihrer Karriere nie ergeben?
René Demin: Als Kind wollte ich Cowboy werden. Ich befürchte, dafür ist es nun zu spät. Aber Spaß beiseite: Ich habe nicht das Gefühl, eine Chance nicht bekommen zu haben. Im Gegenteil. Mir wurde ein-, zweimal eine Geschäftsführer-Rolle angeboten – die aber mehr als nur HR beinhaltet hätte. Das habe ich dankend abgelehnt. HR ist meine Passion, und ich kann mir wirklich nur sehr schwer vorstellen, davon abzuweichen. Dafür bin ich zu wenig an Titel und Gehalt orientiert.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben?
Geradlinig, abwechslungsreich, für mich passend.

Der Name Jochen Schweizer steht für Erlebnisse, Action, Abenteuer und Sport. Gilt das auch für den Job als Personalleiter?
Was Erlebnisse und Action angeht: definitiv. Unser Unternehmen ist aktiv und dynamisch. Wir haben nahezu in Echtzeit einen Überblick über Umsätze, Produkte und Kunden. Ich vertrete die Hypothese, dass das Zeitempfinden des Produkts auch das Zeitempfinden einer Organisation prägt: Es ist ein Unterschied, ob Sie Bauteile für Lokomotiven herstellen, die 60 Jahre halten müssen, oder ob Sie einen sich schnell drehenden Webshop betreiben. Das prägt Prozesse, Kommunikation und Projekte. Und ja, auch der Sport kommt nicht zu kurz. Wir haben ein “Mitarbeitende trainieren Mitarbeitende”-Programm. Da leite ich derzeit mit unserem Head of IT die Box-Gruppe.

Bei der Schaltbau Holding blieben Sie vergleichsweise kurz. Sehen Sie das als Makel in Ihrem Lebenslauf?
Im Gegenteil. Als Personaler weiß ich, dass sich Pläne von Bewerberinnen, Bewerbern und Unternehmen nicht immer realisieren lassen – selbst wenn alle Parteien besten Willens sind. Ich halte es für wichtig, zu erkennen, was man kann und möchte, und nicht zu viel faule Kompromisse einzugehen. Das rächt sich meiner Meinung nach immer.

Man kann sich vorbereiten, lesen, studieren und sich schlaue Gedanken
machen – ob jedoch das klappt, was man sich vorgenommen hat, bleibt beim
Umgang mit Menschen immer ein Wagnis.

Coaching spielt in Ihrem Leben eine große Rolle. Warum ist Ihnen das Thema so wichtig?
Der Mensch als Einzelperson und die Organisationen, die er gestaltet, sind unheimlich spannend. Man kann sich vorbereiten, lesen, studieren und sich schlaue Gedanken machen – ob jedoch das klappt, was man sich vorgenommen hat, bleibt beim Umgang mit Menschen immer ein Wagnis. Man versteht immer erst im Nachhinein, muss aber vorwärtsgewandt handeln. Das macht HR für die Arbeit als Coach unheimlich reizvoll – und ist auch der Grund, warum ich mir immer wieder Input durch Fortbildungen und Schulungen hole.

Sie sind Diplom-Sozialpädagoge. Wie und warum kam es zum Wechsel ins HR-Fach?
Um soziale Arbeit zu studieren, musste ich ein Vorpraktikum machen. Das habe ich in der Sozialberatung bei Siemens gemacht. Die Sozialarbeiterin arbeitete jedoch in Teilzeit, und man musste mich an den anderen Tagen irgendwo unterbringen. So landete ich donnerstags und freitags immer in der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Und bitte nicht lachen: Das fand ich zu dem damaligen Zeitpunkt viel spannender. Dort wurde mir recht viel gezeigt, und ich durfte bald Dinge selbst erledigen. Das war mein Einstieg in den Personalbereich: Ich blieb während des Studiums durchgängig in der HR bei Siemens. Nach dem Studium wurde ich gefragt, ob ich übernommen werden möchte. Da hatte ich die Wahl zwischen einem projektbefristeten Einstieg als Sozialarbeiter mit schlechter Bezahlung und meist schlechten Arbeitszeiten oder einem Tarifgehalt mit 35 Stunden bei Siemens …

Welche Lücke hat Ihr Lebenslauf?
Ich habe weder einen Auslandsaufenthalt noch eine Station außerhalb von München. Was soll ich sagen: Mut zur Lücke!

In einem Interview sagten Sie einmal, dass Sie Bewegung und Sport als Katalysator für Persönlichkeitsthemen nutzen. Können Sie das erklären?
Wenn Sie eine neue Sportart lernen und sich mit der Technik und den Übungen auseinandersetzen, werden Sie Lernmuster zeigen, vielleicht auch ein wenig Stressverhalten, und im Umgang mit den anderen Teilnehmenden auch Kommunikationsmuster. Diese unterscheiden sich in der Regel nicht sehr stark von dem Verhalten, das Sie auch im Business-Kontext zeigen. Der Unterschied ist, dass das Boxen für die meisten neu ist und man deshalb weniger über sein Verhalten nachdenkt und sich weniger verstellt. Diese Erfahrung übertragen wir dann auf die Alltagssituationen der Teilnehmenden und erarbeiten, wo Entwicklung nötig ist.

Gab es Irrwege oder Sackgassen, in die Sie geraten sind?
Zum Glück bisher nicht.

Welcher berufliche Wechsel war am bedeutsamsten für Ihre Karriere?
Das kann ich nicht sagen. Ich bin für jede Station unheimlich dankbar. Selbst die kurze Zeit bei Schaltbau: Ohne sie hätte ich meine nebenberufliche Tätigkeit in der Form nicht gestartet – was mich aber enorm bereichert. Daher: Alle beruflichen Wechsel waren wichtig und in der Reihenfolge genau so richtig für mich.

Wo liegen Ihre Talente?
Begleiten von Veränderungen und Umbrüchen von Organisationen – auch unter turbulenten Rahmenbedingungen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.