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Mit Menschen für Menschen arbeiten

Lebenslauf Ricarda Groth.

Personalwirtschaft: Sie haben mitten in der Corona-Krise eine neue Aufgabe in einem besonders gefährdeten Bereich übernommen. Wie ist der Betrieb mit der Pandemie umgegangen?
Ricarda Groth: Bei Alloheim haben wir unseren Mitarbeitenden durch ein im Krisenstab sehr gut ausgearbeitetes und stetig weiterentwickeltes Pandemiekonzept die notwendige Sicherheit gegeben. Sämtliche Fragestellungen aus unseren Häusern wurden umgehend beantwortet. Zudem haben wir zur Unterstützung der Führungskräfte eine an sieben Tagen pro Woche zur Verfügung stehende HR-Hotline installiert, um die Teams auch in psychischen Ausnahmesituationen stets handlungs- und entscheidungsfähig zu halten.

War das Ihre bislang prägendste Station?
Ja. In der Corona-Pandemie als ein neues Mitglied der Geschäftsführung die Verantwortung für – rechnet man Mitarbeitende und Bewohner zusammen – über 40 000 Menschen in einem besonders gefährdeten Bereich mit zu tragen, hat mich in den ersten Nächten einige schlaflose Stunden gekostet. Zudem ist die Pflege für mich nach mehr als 20 Jahren im Handel eine neue Branche und ein spannender Prozess, wenn sich ein Geschäftsführungsteam mit dem unbedingten Willen und dem Ziel eines High-Performing-Teams findet.

Bei Thalia haben Sie unter anderem einen Bereich mit internen Trainern aufgebaut. Warum – und
wie sah das praktisch aus?

Thalia gab mir durch eine Projektverantwortung die Möglichkeit, den Transformationsprozess vom klassischen stationären Buchhandel in Richtung Online-Handel, das Fortschreiten der Digitalisierung sowie die Sortimentserweiterung vom Buch auf attraktive, zum Buch passende Sortimente aktiv mitgestalten zu können. Um Akzeptanz für diese Veränderungsprozesse bei den Buchhändlern zu erreichen, habe ich interne Talente durch gezielte Train-the-trainer-Maßnahmen aufgebaut. Seitdem bin ich eine große Befürworterin davon, Menschen im Sinne von Job Enrichment als Trainer weiterzuentwickeln.

Haben Sie ein Lieblingsbuch im Bereich HR?
Im Moment beschäftige ich mich mit dem “Praxishandbuch Social Media Recruiting” von Ralph Dannhäuser und “Recrutainment” von Joachim Diercks. Außerdem ist gerade eine Lieferung von vier Fachbüchern speziell für die Pflegewelt zu mir unterwegs. Darauf bin ich sehr gespannt.

Lebensmittel, Mode, Technik, Senioreneinrichtungen – Sie haben bereits in verschiedensten Branchen gearbeitet. Ist das Zufall oder Plan?
Das war tatsächlich mein Plan. Ich bin ein Mensch, der am liebsten mit Menschen für Menschen arbeitet, und dies in einem herausfordernden, sich ständig verändernden Umfeld mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten tun möchte. Daher hat mich der Handel auch die vergangenen Jahre so fasziniert. Strategien am grünen Tisch zu entwickeln war noch nie mein Ziel.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben?
Linear, stringent, weitsichtig.

Gibt es auf Ihrem beruflichen Weg einen Mentor/eine Mentorin?
Nicht im klassischen Sinne als Fürsprecher und Förderer, der seinem Mentee mit Rat, Orientierung und Information zur Seite steht. Meinem Mann habe ich meine berufliche Entwicklung zu verdanken. Er war derjenige, der mir stets zum richtigen Zeitpunkt “Komm, jetzt spring” zugerufen hat. Mein eigentlicher Mentor aber war mein Vater, der als Direktor Personal & Soziales tätig war und verstarb, als ich sieben Jahre alt war. Immer, wenn ich mit meiner Mutter durch die Stadt ging, sind wir auf sein positives Wirken angesprochen worden, und dies auch noch Jahre nach seinem Tod. Das hat mich als Kind sehr beeindruckt. Ich bin vor Stolz jedes Mal um einige Zentimeter gewachsen.

Wo liegen Ihre Talente?
Das sollten Sie am besten meine bisherigen Teams fragen. Wahrscheinlich würden sie antworten: als Juristin mit einem guten Urteilsvermögen ausgestattet, kann zuhören, verhandeln, argumentieren, überzeugen und schnelle Entscheidungen treffen. Es motiviert mich, für alle Situationen Lösungen zu finden. Ich bin im besten Sinne neugierig auf Menschen, habe eine echte Spürnase für Talente und sehr viel Spaß daran, Menschen bei ihrer individuellen persönlichen oder beruflichen Entwicklung zu unterstützen. Und man sagt mir eine hohe Empathie nach, viele Mitarbeiter wenden sich mit ihren Sorgen offen an mich. Das macht mich stolz.

Welcher berufliche Wechsel war am bedeutsamsten für Ihre Karriere?
Bislang sicherlich der Wechsel zu Primark, wo es mir gelungen ist, innerhalb von acht Jahren und in vier Ländern, beginnend als “One-Woman-Show”, eine Personalstruktur mit wunderbaren Menschen und tollen Talenten aufzubauen. Sie hat in Deutschland aufgrund ihrer Exzellenz in HR-Strategie, Prozessen und Umsetzung 2019 und 2020 den Top-Employers-Zertifikat erhalten.

›› Dieser Beitrag ist zuerst in unserer September-Ausgabe erschienen. Ein Abonnement können Sie hier abschließen.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.